Fußball Bundesliga
Van Gaal erhält in München alle Freiheiten

Laut Aussage von Bayern-Manager Uli Hoeneß soll der neue Cheftrainer Louis van Gaal weitreichende Freiheiten beim deutschen Rekordmeister erhalten. Konfliktpotenzial sehe er nicht.

Bayern München hat seinem neuen Trainer Louis van Gaal einen nahezu uneingeschränkten Handlungsspielraum in Aussicht gestellt. Die Vereinsführung wolle sich zurückhalten, sagte Manager Uli Hoeneß. Er sehe kein Konfliktpotenzial zwischen dem als autoritär geltenden van Gaal sowie Klub-Chef Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Franz Beckenbauer und seiner eigenen Person, versicherte er in einem Interview mit dem Münchner Merkur (Freitagausgabe).

"Wissen Sie, was unser aller Traum hier in der Führung ist? Dass wir uns bei Spielen auf die Tribüne setzen können, einfach nur genießen und nix sagen müssen", erklärte Hoeneß. "Wenn ein Trainer kommt und alles super macht, sind wir glücklich. Dann sitzen wir auf der Tribüne und klopfen uns auf die Schenkel. Da müssten wir gar nix mehr machen - nur noch klatschen." Derartige Hoffnungen hatte Hoeneß freilich schon häufiger geäußert.

Zunächst aber beginnt van Gaal eine Art Inventur in München. Am Donnerstag sagte der 57-Jährige bei seiner Verabschiedung von seinem bisherigen Klub AZ Alkmaar: "Erst einmal muss ich wissen, welche Spieler bleiben und welche kommen." Von dem Kader wiederum hänge ab, "wie ich meine Visionen entwickle". Van Gaal warnte: "Das ist ein Prozess, der Zeit kostet." Mit Prozessen, die Zeit kosten, hat die Führung des FC Bayern - siehe Klinsmann - allerdings so ihre Probleme.

Trainerstab auf dem Prüfstand

Auch der Trainerstab des FC Bayern wird zuerst einer Prüfung unterzogen. Van Gaal bringt nach eigenen Angaben einige Leute mit an die Säbener Straße: Andries Jonker, bislang Sportdirektor beim niederländischen Ehrendivisionär Willem II Tilburg, soll sein "Co" werden. Hinzu kommen der Video-/Computerexperte Mats Reekes sowie der Reha-Trainer Jost van Dijk. Den Rest seines Funktionsteams will er zunächst aus dem vorhandenen Personal rekrutieren.

Wenn er zu einem neuen Verein komme, erklärte van Gaal, teste er das bereits bestehende Team sechs Monate lang. "Dann weiß man, welche Qualitäten die Menschen haben und wie sie funktionieren." Er schloss aus, Alkmaars Torwarttrainer Frans Hoek mit nach München zu nehmen. Auf jeden Fall aber will der Niederländer sich noch einen deutschen Assistenztrainer ausgucken. Er benötige einen Assistenten, der die lokalen und nationalen Befindlichkeiten kenne, sagte er.

Van Gaal verriet bei seinem Abschied, dass es am 30. April, drei Tage nach der Trennung von Jürgen Klinsmann, in Amsterdam zu einem ersten Gespräch zwischen ihm und den Münchnern gekommen war. Am vergangenen Montag dann habe der FC Bayern erstmals offiziell mit der Vereinsführung von Alkmaar Verhandlungen geführt. "Ich sehe bei Bayern mehr Möglichkeiten, international erfolgreich zu sein als bei AZ", erklärte van Gaal die Gründe für seinen Wechsel.

Klubs vereinbaren Kooperation

Van Gaal und AZ-Präsident Dirk Scheringa bestritten am Donnerstag, dass es zwischen ihnen eine Abmachung gegeben habe, wonach der Trainer unter bestimmten Umständen vorzeitig aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag hätte aussteigen können. "Eine solche Abmachung hat nie bestanden", sagte van Gaal. Eine Ablöse sei dennoch nicht bezahlt worden. "Und wenn es nicht geklappt hätte, wäre ich bei AZ geblieben."

Neben einem Freundschaftspiel im Sommer 2010 haben der AZ Alkmaar und der FC Bayern aber auch eine weitgehende Kooperation vertraglich vereinbart. Fußball-technisch, vor allem im Jugend- und im Nachwuchsbereich, solle zusammengearbeitet werden, erklärte der AZ-Präsident. "Wir werden zu den Bayern fahren und schauen, ob wir dort etwas lernen können." Einen aktuellen AZ-Spieler werde der FC Bayern allerdings nicht bekommen, ergänzte Scheringa.

Aber sie bekommen einen Trainer, der seine neuen Chefs gleich mal lobte: "Es war immer meine Idealvorstellung, zum FC Bayern zu gehen." Auch Hoeneß ist von der künftigen Zusammenarbeit überzeugt: "Er geht konsequent seinen Weg", sagte er im Merkur-Interview über van Gaal, "aber das ist ja okay. Natürlich ist er auch stur, aber in der heutigen Gesellschaft ist das gar nicht so schlecht."

© SID

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