Fußball Bundesliga
VfB Stuttgart entlässt Trainer Gross

Schlusslicht VfB Stuttgart hat sich von Trainer Christian Gross getrennt. Jetzt soll Jens Keller die Schwaben aus der "schwierigsten Situation der Bundesliga-Geschichte" führen.

Irgendwann im Laufe der vergangenen Tage müssen es die Verantwortlichen des VfB Stuttgart mit der Angst zu tun bekommen haben. Am 3. Oktober verlor der schwäbische Bundesligist sein sechstes von sieben Spielen, immerhin eineinhalb Wochen später setzte sich dann im Roten Haus in der Mercedesstraße schließlich die Erkenntnis durch: Am Absturz auf den letzten Tabellenplatz ist der Trainer schuld, die Wende nicht in Sicht. Christian Gross wurde also am Dienstag beurlaubt, beim "Kellerduell" bei Schalke 04 am Samstag und auch danach wird der bisherige Co-Trainer Jens Keller auf der Bank sitzen.

"Wir haben alle größte Sorge. Es ist die schwierigste Situation in der Bundesliga-Geschichte für den VfB", begründete Vereinspräsident Erwin Staudt die Trennung von Gross, der nicht einmal ein Jahr lang Trainer der Schwaben war. Die Verantwortlichen der Stuttgarter trauten dem Schweizer offenkundig nicht mehr zu, nach der besten Rückrunde der Bundesliga-Geschichte und dem schlechtesten Saisonstart der Vereinshistorie noch die Kurve zu kriegen. "Wir haben vom Trainer Lösungsansätze gefordert, aber er hat keine bringen können", berichtete Sportdirektor Fredi Bobic.

Keller: "Gross sehr dominanter Trainer"

Der bisherige Assistent glaubt diese Lösungsansätze zu haben. Jens Keller, der von seinen 100 Bundesligaspielen 49 für den VfB bestritten hat, wurde am Mittwoch als "Cheftrainer" vorgestellt - Vertragslaufzeit zunächst unbekannt. Seine Aussagen ließen tief blicken: "Christian Gross war ein sehr dominanter Trainer", berichtete Keller. Er selbst habe "schon Dinge gesehen", die anders hätten gemacht werden können, "die ich aber nicht umsetzen konnte". An diesen "Dingen", versprach der 39-Jährige, "werde ich jetzt arbeiten". Der bisherige U19-Trainer Jürgen Kramny wird ihn dabei als "Co" unterstützen.

Beim ersten Training am Mittwochnachmittag suchte Keller demonstrativ das Gespräch mit seinen Spielern. Immer wieder unterbrach der Coach die 90-minütige Einheit, um einzelne Situationen mit den Profis zu besprechen. Zehn Kamerateams und 350 Fans beobachteten trotz frostiger Temperaturen die Übungen - letztere nicht immer gut gelaunt: Viele Zwischenrufe, die meisten davon gegen die Spieler gerichtet, begleiteten die Einheit.

Mit Gross geht der dritte Trainer innerhalb von drei Jahren

Gross ist mittlerweile der dritte Trainer, der seit der Meisterschaft im Jahre 2007 gehen musste. Meistermacher Armin Veh wurde nur 18 Monate nach dem Titelgewinn am 23. November 2008 durch Markus Babbel ersetzt. Nach davor fünf Spielen ohne Sieg und dem Absturz auf Rang elf. Unter Babbel spielte der VfB eine begeisternde Rückrunde, erreichte noch Rang drei und anschließend sogar die Champions League. Am 6. Dezember 2009 musste dann Babbel nach zuvor acht Spielen ohne Sieg und dem Absturz auf Rang 16 in der Bundesliga gehen. Einen Tag später kam Gross.

Doch auch Gross musste feststellen, dass in Stuttgart nichts so vergänglich ist wie der Erfolg. Unter dem Schweizer spielte der VfB die beste Rückrunde in der Geschichte der Bundesliga und erreichte sogar noch die Europa League. Doch auch Gross konnte nicht mit einer kuriosen Stuttgarter Tradition brechen: Nach guten Rückrunden folgte meist eine miserable Vorrunde in der folgenden Saison. Ein Grund, mutmaßt Gross' Vorgänger Babbel, ist die Mannschaft. "Beim VfB muss sich jeder Spieler mal selbst hinterfragen, ob er alles für seinen Job gibt", sagte der Trainer des Zweitliga-Spitzenreiters Hertha BSC am Dienstag.

Gross wenig beliebt bei Spielern und VfB-Verantwortlichen

Der als ehrgeizig und stur geltende Gross hatte sich bei der Mannschaft nicht gerade beliebt gemacht, als er sie vor der Saison gleich viermal in ein Trainingslager abkommandierte. Auch mit einigen Personalentscheidungen sorgte er für Unverständnis. Zuletzt hatte der Schweizer selbst zugegeben, dass es nicht gut laufe. Er konstatierte eine fehlende Hierarchie, spielerische und taktischen Defizite, sprach über seine fragwürdige Personalrochaden, etwa von Christian Träsch, oder seine eher problematische Beziehung zu Nationalspieler Serdar Tasci.

Auch bei den VfB-Verantwortlichen machte sich Gross nicht beliebt. Mit dem neuen Sportdirektor Fredi Bobic lag der Schweizer eher über Kreuz, und etwas irritiert dürften die Bosse zur Kenntnis genommen haben, dass der Trainer in dieser Woche monierte: Der Verein habe seine Priorität auf die Fertigstellung des Stadion ausgerichtet, es sei jedoch schwierig, Ziele zu erreichen, "wenn einem finanziell die Hände gebunden sind". Dabei hatte der VfB immerhin 12,5 Mill. für neue Spieler ausgegeben. Gross aber forderte einen Nachschlag im Winter: "Ich denke, die Khedira-Mill. sind noch nicht alle aufgebraucht."

© SID

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