Fußball-Bundesliga
Vor dem Spiel ist nach der Werbung

Den Klubs geht es vor dem Start der 1. Bundesliga am Freitag wirtschaftlich so gut wie nie. Die Sponsoren zeigen sich freigiebig, die Begeisterung des Publikums ist ungebrochen. Einen Wertmutstropfen gibt es aber doch: Die TV-Einnahmen hinken im europäischen Vergleich hinterher.

BERLIN. Eine bessere Eröffnungsbilanz hätte sich Reinhard Rauball nicht wünschen können. Als die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ihn am Dienstag zum neuen Präsidenten gewählt hatte, wurde Rauball ein Zahlenwerk übergeben, das alle Rekorde bricht. Die Interessenvereinigung der Profi-Vereine dürfte in der morgen mit der Partie Stuttgart gegen Schalke beginnenden Saison erstmals mehr als 400 Mill. Euro Werbeeinnahmen kassieren. Allein die Präsenz auf den Spielertrikots war den Sponsoren 130 Mill. Euro (plus zehn Prozent) wert. Und schon jetzt haben die 18 Vereine 377 361 Dauerkarten verkauft – 5 000 mehr als im Rekordjahr 2005.

„Der Liga geht es so gut wie nie“, sagt Arnd Hovemann von der Unternehmensberatung Ernst & Young. „Im Bereich Werbung und Ticketverkauf ist die Bundesliga in Europa die Nummer eins“, sagt Stefan Ludwig vom Wettbewerber Deloitte.

Sportlich bleiben zwar seit dem Champions-League-Sieg des FC Bayern 2001 die großen Erfolge aus, wirtschaftlich aber ist die Liga ein Vorbild. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform berichtet, die Erstligavereine hätten ihre Bonität in den vergangenen Jahren verbessert, die durchschnittliche Eigenkapitalquote liege inzwischen bei 25 Prozent. Energie Cottbus ist der einzige Klub, dessen Kreditwürdigkeit Creditreform kritisch bewertet. Nach einer gestern von Ernst & Young veröffentlichten Studie erzielen 60 Prozent der Vereine Gewinne, wobei die Umsatzrenditen mit 1,5 bis zwei Prozent allerdings noch niedrig sind.

„Nach der Kirch-Insolvenz im Jahr 2002 sind die Vereine aus dem Tal der Tränen erwacht“, sagt Hovemann. Geholfen haben dabei auch Sondereffekte. Die Clubs profitierten beispielsweise von der Ausschüttung des WM-Gewinns in Höhe von 53 Mill. Euro. Und nachdem der Bezahlsender Premiere die Sublizenz der Utility-Media-Tochter Arena übernommen hat, winkt der Liga noch eine Zahlung von 30 Mill. Euro.

In der vergangenen Saison erlöste die DFL insgesamt 1,52 Mrd. Euro. Das entspricht einem Marktanteil von zwölf Prozent in Europa. Weiteres Wachstum ist wahrscheinlich. Das zeigt auch eine noch unveröffentlichte Umfrage von Deloitte in Zusammenarbeit mit dem ISS-Institut der Fachhochschule Remagen-Koblenz, die dem Handelsblatt vorliegt. Von den befragten 660 Experten aus den Bereichen Medien, Telekom und Sport erwarten 75 Prozent, dass die 1. Bundesliga den Umsatz in den nächsten zwei Spielzeiten jeweils bis zu 15 Prozent erhöhen kann – die Vereine profitieren vor allem vom Sponsoring und den Ticketeinnahmen.

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