Fußball Bundesliga
Wenig Kohle, viel Moral auf Schalke

Wenig Kohle, viel Moral - trotz anhaltender Schlagzeilen über bedenkliche Finanzprobleme macht der FC Schalke 04 in sportlicher Hinsicht beachtliche Fortschritte.
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dpa GELSENKIRCHEN. Noch Minuten nach dem Abpfiff ließen sich die Profis von den Fans für die turbulente Aufholjagd beim 3:3 (0:2) im atemberaubenden Bundesliga-Gipfel gegen den Hamburger SV feiern. Die Freude an dem Fußballfest drängte das leidige Dauerthema der letzten Tage zumindest für kurze Zeit in den Hintergrund. Nur Frank Rost trübte die gute Stimmung. "Die Ansprüche der Schalker sind ganz schön gesunken. Die feiern ein Unentschieden gegen zehn Mann wie einen Sieg. Dabei haben sie doch einen der teuersten Kader in der Bundesliga", spottete der HSV-Keeper.

Den verbalen Seitenhieb des Ende 2006 im Unfrieden geschiedenen ehemaligen Schalkers Rost quittierte Felix Magath mit einem müden Lächeln. Nicht anders reagierte der Trainer auf die vielen Nachfragen nach dem Wahrheitsgehalt der jüngsten Medienberichte, wonach der Bundesliga-Vierte neben den bereits eingeräumten 137 Mio. Euro Verbindlichkeiten weitere 100 Mio. Euro Schulden angehäuft haben soll. "Das ist ein alter Hut. Nichts, was im Verborgenen lag", entgegnete er, vermied aber eine Angabe über die tatsächliche Höhe des Schuldenberges: "Ich bin kein Finanzfachmann und werde jetzt einen Teufel tun und nun jede Bilanz kommentieren."

Ungleich leichter fiel Magath das Reden über den sportlichen Status quo. Schließlich liegt sein Team weiter in Lauerstellung - nur zwei Punkte hinter dem Führungsduo aus Leverkusen und Hamburg. Weder ein Zwei-Tore-Rückstand zur Halbzeit noch das ernüchternde 3:2 der nach dem Platzverweis von David Rozehnal (61.) in Unterzahl agierenden Hamburger warf die Schalker aus der Bahn. In beeindruckender Manier stemmten sie sich gegen die drohende Niederlage. Gleichwohl sprach Magath seinem Team die Titelreife ab. "Heute hat sich bestätigt, dass wir keine Spitzenmannschaft sind, der HSV es aber ist."

Magaths Lob für den Gegner war nachvollziehbar. Die durch Personalnöte und den Kraftakt in der Europa League drei Tage zuvor in Glasgow gehandicapten Hamburger traten vor allem in der ersten Halbzeit im Stile eines Meisterschaftsfavoriten auf. Nur die Abschlussschwäche von Jonathan Pitroipa kurz nach Wiederanpfiff verhinderte das vorentscheidende 3:0. Mit der Punkteteilung konnten die Gäste deshalb schlechter leben als die Schalker. "Für die Fans war es ein Riesen-Fußballfest, für uns war es enttäuschend", befand Nationalspieler Piotr Trochowski.

Immerhin durfte sich HSV-Coach Bruno Labbadia mit der Erkenntnis trösten, dass sich der Substanzverlust seines Teams trotz vieler prominenter Ausfälle in Grenzen hält. Dazu trug vor allem Neuzugang Marcus Berg bei, der nach den Ausfällen von Mladen Petric und Paulo Guerrero die schwere Last des Alleinunterhalters im Angriff trägt. Nach seinem Siegtreffer in Glasgow steuerte der Schwede beim 3:3 "auf" Schalke gar zwei Treffer bei. Labbadia nutzte die Gunst der Stunde, um seinen Unmut über die Medienschelte für Berg in den vergangenen Wochen zu kommentieren: "Man traut sich ja kaum noch, junge Spieler zu verpflichten, weil ihnen noch nicht einmal zwei Monate Zeit eingeräumt wird."

Zweiter Hauptdarsteller des höchst unterhaltsamen Fußballabends war Kevin Kuranyi. Mit seinen Saisontreffern vier und fünf riss er die Hamburger aus allen Träumen von der Rückkehr an die Tabellenspitze. Der Angreifer ist einer der Schalker Profis, die von der Zusammenarbeit mit dem vor allem auf Disziplin und Fitness bedachten Magath besonders profitieren. "Ohne Kevin hätten wir das Spiel heute verloren", lobte Mannschaftskollege Heiko Westermann.

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