Fußball Bundesliga
"Werder-Willi" feiert 60. Geburtstag

Willi Lemke begeht heute seinen 60. Geburtstag. Der aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen wird sich beim heutigen Bundesligaspiel gegen Bayer Leverkusen im Weserstadion vor Glückwünschen kaum retten können.

An seinem Ehrentage werden wohl zahlreiche Glückwünsche eingehen, ob auch sein Münchner Intimfeind Uli Hoeneß anrufen wird, bleibt jedoch fraglich. Stören wird das Willi Lemke voraussichtlich jedoch nicht. Denn vor Glückwünschen wird sich der einstige Manager und aktuelle Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen heute im Weserstadion kaum retten können. "Werder-Willi", seit mittlerweile sieben Jahren Senator für Bildung und Wissenschaft im kleinsten deutschen Bundesland, wird 60 Jahre alt und sein schönstes Geburtstagsgeschenk wäre natürlich ein Heimsieg gegen Bundesliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen.

Auch wenn sein Schreibtisch seit 1999 im Rathaus der Hansestadt steht, der Fußball hat den stets volksnahen grün-weißen Macher nie losgelassen. Um so größer Lemkes Freude über den sportlichen Aufstieg des SV Werder in den vergangenen Jahren. Er folgte dem Ruf in den Senat, als der Traditionsklub um ein Haar abgestiegen wäre, nun spielt die Mannschaft bereits zum dritten Mal in Folge in der Champions League.

"Es ist ein gutes Gefühl zu sehen, dass der Verein auf dem richtigen Weg ist. Aber wir müssen seriös bleiben und dürfen keine Transfers vornehmen, die uns in ein finanzielles Desaster stürzen könnten. Es darf uns nie so ergehen wie zuletzt Borussia Dortmund", warnt der Hobbyläufer, der den Bremen-Marathon am 24. September bereits ins Visier genommen hat.

So hob Lemke vor zwei Jahren mahnend seine Stimme, als ihm die Finanzierung des Transfers von Miroslav Klose zu Werder Bremen zu gewagt erschien. Die Geschäftsführung besserte nach, erst dann war der Deal perfekt. Der Ruf, er habe einen Igel in der Geldbörse, eilte ihm schon 1981 voraus, als er von der Bremer SPD zum damals gerade frisch aufgestiegenen SV Werder wechselte. Kein Geringerer als Willy Brandt hatte über seinen Parteifreund gesagt: "Er ist der lebende Beweis dafür, dass Sozialisten doch mit Geld umgehen können."

Sparsam und unkonventionell - mit dieser Mischung trug Lemke zu zwei Meistertiteln, drei Pokalsiegen und dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger bei. Anekdoten gab und gibt es reichlich. So wurden schon mal Vertragsverlängerungen auf einem Bierdeckel schriftlich fixiert, am Rande eines Trainingslagers soll Lemke mit einem Bündel Geldscheine mehrere Spieler nach einem Besuch in einem zweifelhaften Etablissement ausgelöst haben. Und ganz Bremen klopfte sich vor Lachen auf die Schenkel, als er sich den Daumen bös quetschte - ausgerechnet am Panzerschrank in der Werder-Geschäftsstelle.

Diese Politik des "kleinen Geldes" setzte der Vater von vier Kindern im Senat fort. Unausweichliche Kürzungen in seinem Ressort verschreckten die eigenen Parteimitglieder, wohl auch deshalb scheiterte Lemke beim Versuch, die Nachfolge von Bürgermeister Henning Scherf anzutreten. Bei einer SPD-Mitgliederbefragung unterlag er seinem Kontrahenten Jens Böhrnsen deutlich.

Die letzte Personalentscheidung, die er als Werder-Manager noch auf den Weg brachte, war im Übrigen die Verpflichtung von Thomas Schaaf als Cheftrainer. So gesehen hat Lemke auch an den sportlichen Erfolgen der jüngeren Vergangenheit seinen Anteil. Und damit das so bleibt, hat er auch schon publikumswirksam gefordert: "Lebenslänglich Grün-Weiß für Schaaf."

© SID

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