Fußball Bundesliga
Wogen im "Fall Dejagah" zunächst geglättet

Zwar scheinen die Wogen im "Fall Ashkan Dejagah" zunächst geglättet, die Zukunft des Deutsch-Iraners im DFB bleibt aber weiter offen. Dejagah hatte "aus persönlichen Gründen" für das U21-Länderspiel in Israel abgesagt.

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat nach Gesprächen mit der Politik und dem Zentralrat der Juden die Wogen für den Verband im "Fall Ashkan Dejagah" vorerst geglättet, doch die Zukunft des 21 Jahre alten Profis vom VfL Wolfsburg beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bleibt vorerst weiter offen.

Nach Angaben von DFB-Boss Zwanziger soll "zeitnah" ein Gespräch von ihm mit DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, dem zukünftigen DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, U21-Trainer Dieter Eilts, Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff und Dejagah stattfinden.

Nach dem lauten Echo auf seine Weigerung, am EM-Qualifikationsspiel der deutschen U21-Auswahl am Freitag in Israel teilzunehmen, brauchte der Wolfsburger Mittelfeldspieler am Mittwoch zum Training des Bundesligisten nicht zu erscheinen. "Ich habe dem Spieler freigegeben, weil es schon in den vergangenen Tagen viel Rummel gab und wir in Ruhe trainieren wollten. Ob er am Donnerstag wieder dabei sein wird, ist noch offen", begründete Trainer Felix Magath den Schritt.

Zwanziger: "Seine geistige Haltung wird entscheidend sein"

Gedanken über Dejagah machte sich auch Zwanziger. "Seine geistige Haltung wird entscheidend für seine Zukunft beim DFB sein. Identifiziert er sich wirklich mit dem, was im Iran stattfindet? Wir wissen, was wir von einem deutschen Nationalspieler zu erwarten haben. Jegliche Form von Diskriminierung und Antisemitismus hat keinen Platz im deutschen Fußball. Ich will, auch wenn sich im Moment jeder zu Wort meldet, mir erstmal ein Bild von der Argumentation des Spielers machen. Man muss Dejagah die Chance geben, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken", sagte Zwanziger an Bord der LH 686 von Frankfurt nach Tel Aviv.

Gespräch mit der DFB-Spitze frühestens Mitte kommender Woche

Da das Gespräch mit der DFB-Spitze frühestens Mitte kommender Woche über die Bühne gehen kann, ist eine Teilnahme Dejagahs am EM-Qualifikationsspiel am Dienstag in Pirmasens gegen Moldawien damit ausgeschlossen.

Magath nahm seinen Spieler derweil in Schutz. "Irgendwas wird hier ohne Not und ohne Sinn aufgebauscht. Der Spieler hat nichts getan, er hat sich korrekt verhalten. Möglicherweise - das kann ich aber nicht beurteilen - hat er sich etwas unglücklich ausgedrückt, das weiß ich nicht. Er versichert mir, dass seine Entscheidung keine politischen Gründe hat", erklärte der Wolfsburger Coach im DSF.

Zuvor hatten zahlreiche Politiker und die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, den Ausschluss Dejagahs aus der Nationalmannschaft gefordert. "Ich habe mit Frau Knobloch telefoniert. Wir waren uns einig, dass zunächst einmal das Gespräch mit dem Spieler stattfinden muss, bevor wir über weitere Schritte reden", sagte Zwanziger.

Der Fall Dejagah hat großes nationales Interesse hervorgerufen. Tatsächlich verfolgten mehr Medienvertreter als üblich die Wolfsburger Einheit am Mittwoch, im ligaweiten Vergleich hielt sich der Ansturm jedoch in Grenzen. Allerdings kam es von Seiten der Fans wegen vermeintlich unsachgemäßer Berichterstattung vereinzelt zu Pöbeleien gegenüber der Presse.

Wolfsburger Training ohne Dejagah

Gerüchte, dass die Trainings-Befreiung Dejagahs auf Drängen des VfL-Hauptgesellschafters und Hauptsponsors Volkswagen erfolgt sei, wies der Automobilkonzern zurück. "Das war eine Entscheidung von Trainer Felix Magath, der einen geordneten Trainingsbetrieb gewährleisten wollte. Es ist nicht richtig, dass von Seiten von VW Druck ausgeübt wurde oder der Spieler suspendiert ist", sagte Andreas Meurer als Leiter der VW-Unternehmenskommunikation auf sid-Anfrage.

Allerdings hatte Magath noch am Vortag gegenüber den Wolfsburger Nachrichten erklärt, dass Dejagah auch am Mittwoch am Training teilnehmen werde.

Der Deutsch-Iraner Dejagah hatte seine Teilnahme an der Partie in Israel aus "persönlichen Gründen" abgesagt, der für die U21 zuständige Eilts die Entscheidung des Ex-Berliners akzeptiert. "Das ist ein schwieriger Fall und ein Thema, das uns in Zukunft immer wieder mal treffen kann, denn es gibt einige Spieler mit Migrations-Hintergrund im DFB. Ich finde es schade, dass so ein Riesenfall daraus gemacht wurde. Der Junge war sich der politischen Bedeutung vielleicht nicht bewusst", sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff am Mittwoch auf der Pressekonferenz in Berlin. Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän betonte zudem: "Klar wollen wir Nationalspieler, die sich mit dem Land identifizieren."

Dem Fall Dejagah liegen allerdings offensichtlich keine politischen Gründe zugrunde, vielmehr hatte der Ex-Herthaner Sorge, dass es zu Repressalien gegen seine Familie hätte kommen können, wäre er nach Israel gereist. So scheint klar, dass Dejagah im Rückspiel der EM-Qualifikation gegen Israel - eine Nominierung von Eilts vorausgesetzt - antreten würde.

© SID

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