Fußball Bundesliga
Ziege: "Versuchen den nächsten Schritt zu machen"

In drei Wochen startet die neue Bundesliga-Saison. Vor dem Auftakt sind die Ziele von Borussia Mönchengladbach bescheiden, wie Sportdirektor Christian Ziege im Interview verrät.

Nach einem Jahr in der 2. Bundesliga ist Borussia Mönchengladbach wieder in der Bundesliga angekommen. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) gibt Sportdirektor Christian Ziege einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.

sid: "Christian Ziege, was erwarten Sie von Borussia Mönchengladbach in der anstehenden Saison?"

Christian Ziege: "Das ist schwer vorauszusagen. Wenn man es schafft wieder in die Bundesliga aufzusteigen, liegt die Priorität zunächst darin, auch drinzubleiben. Das wird mit Sicherheit keine einfache Aufgabe, aber wir sind positiv gestimmt, dass wir dies hinbekommen."

sid: "Hätten sie denn erwartet, dass die Mannschaft nach den Problemen zu Beginn der Saison in der 2. Liga den Aufstieg so souverän schafft?"

Ziege: "Nein. Wir haben gewusst, dass es nicht einfach wird. Wir haben fünfzehn Spieler aussortiert und elf neue geholt. Da war klar, dass es nicht sofort funktionieren wird. Die Mannschaft hat sich aber schnell gefunden. Entscheidend war, dass wir trotz einiger Probleme zu Beginn der Hin- und Rückrunde die Ruhe bewahrt haben."

sid: "Sie haben sich entschieden, die Mannschaft nur auf einigen Positionen zu ergänzen. Ist das Vertrauen in die Aufstiegsmannschaft so groß, oder gibt es andere Zwänge?"

Ziege: "Wir haben die Spieler, die wir im vergangenen Jahr geholt haben, länger an uns gebunden. Zudem ist uns der Aufstieg mit diesen Spielern gelungen, daher ist das Vertrauen da, dass wir mit ihnen in der ersten Liga bestehen können. Wir sind uns sicher, dass die Spieler die Qualität haben. Die vier Neuzugänge werden die Qualität sicher noch erhöhen."

sid: "Sind die Planungen abgeschlossen?"

Ziege: "Es geht nicht darum, Namen einzukaufen und mit den Mill. um uns zu schmeißen. Die Spieler müssen von ihrer Qualität und charakterlich zu uns passen. Momentan sind wir mit der Mannschaft sehr zufrieden und nicht vordergründig auf der Suche nach Verstärkungen. Wir haben aber noch bis zum 31. August die Möglichkeit nachzulegen, da kann es schon sein, dass noch ein Spieler dazukommt."

sid: "Profitieren sie bei Verhandlungen immer noch vom großen Namen der Borussia?"

Ziege: "Borussia hat natürlich immer noch einen großen Namen. In Europa vielleicht noch ein bisschen mehr als in Deutschland. Das macht die Sache vielleicht ein Stück weit einfacher. Aber ich glaube wichtig ist, dass sich die Art und Weise, wie wir mit den Spielern sprechen und wie wir mit ihnen arbeiten, herumgesprochen hat."

sid: "Kann man in der Bundesliga ebenso offensiv spielen wie in der zweiten Liga?"

Ziege: "Entscheidend ist, dass die Fehler in der Bundesliga schneller bestraft werden. Man muss die richtige Mischung finden. Wir werden manchmal kontrolliert spielen, aber dabei versuchen, unsere offensiven Stärken einzusetzen."

sid: "Zu den offensiven Stärken gehört Marko Marin. Wie beurteilen sie seine Entwicklung?"

Ziege: "Er hat die Entwicklung genommen, die wir uns vorgestellt haben. Dafür ist er mit dem Länderspiel belohnt worden, leider nicht mit der EM-Teilnahme. Jetzt wird sich herausstellen, wie es weitergeht. Jetzt kennen ihn die Leute. Daher wird es für ihn ein Stück weit schwieriger. Die Qualität der Gegenspieler ist in der Bundesliga größer. Ich glaube aber, dass seine Entwicklung so weitergeht, da er ein bodenständiger Typ ist und nicht abhebt."

sid: "Wenn die Entwicklung so weitergeht, kann man ihn denn dann mittelfristig überhaupt halten?"

Ziege: "Wenn er in dieser Saison ebenso beeindruckend spielt wie in der 2. Liga und zum Kreis der Nationalmannschaft gehört dann werden andere Klubs auf ihn aufmerksam. Dann muss man überlegen, was für den Spieler und den Klub am Besten ist. Im Fußball darf man nicht blauäugig sein. Wenn er so weiterspielt, werden andere Klubs kommen und versuchen ihn wegzuholen."

sid: "In der vergangenen Saison zählte Oliver Neuville mit seiner Leistung und als Kapitän zu den Führungsspielern. Trauen sie ihm noch einmal eine solche Saison zu?"

Ziege: "Aufgrund seiner Qualitäten traue ich ihm das auf jeden Fall zu. Aber man weiß nie was passiert, er wird auch älter. Das kann man schlecht voraussagen."

sid: "Kommen wir von den Spielern zum Trainer. Was zeichnet denn die Arbeit von Jos Luhukay aus?"

Ziege: "Er ist kein Selbstdarsteller. Er kann auf die Spieler sehr gut eingehen und hat eine gute Ansprache. Wir haben die gleiche Fußball-Philosophie. Das macht die Sache einfacher."

sid: "In dieser Saison wollen sie die Klasse halten. Was sind die mittelfristigen Ziele des Vereins?"

Ziege: "Man muss versuchen den nächsten kleinen Schritt zu machen und sich in der Bundesliga etablieren. Der nächste Schritt, den sich alle gerne vorstellen, wäre wieder international zu spielen. Aber davon sind wir noch sehr weit entfernt. Dieses Ziel haben aber jedes Jahr acht, neun, zehn Vereine, die es auch nicht immer schaffen."

sid: "Schauen sie denn etwas neidisch zu finanzstarken Vereinen wie Wolfsburg oder Hoffenheim?"

Ziege: "Neidisch nicht. Es ist schön für die Vereine, wenn sie diese Möglichkeiten haben. Hoffenheim hatte schon im vergangenen Jahr für 16 Mill. neue Spieler eingekauft und trotzdem sind wir vor ihnen gelandet. Es gibt also auch andere Möglichkeiten, um erfolgreich zu sein."

sid: "Die Voraussetzungen in Gladbach sind aber inzwischen auch sehr gut."

Ziege: "Momentan ist alles positiv. Das hat aber auch ein wenig mit dem Aufstieg und der Euphorie zu tun. Wir sind aber insgesamt sehr gut aufgestellt, auch wenn wir nicht so aus dem Vollen schöpfen können wie Wolfsburg und Hoffenheim. Wir sind aber ein gesunder Verein."

© SID

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