Fußball Bundesliga
Zwanziger-Aussagen sorgen für Irritationen

Mit seinen Aussagen, bereits länger vom Wettskandal gewusst zu haben, hat DFB-Präsident Theo Zwanziger für Irritationen gesorgt. "Wir waren sehr verwundert", so Reinhard Rauball.

Die Fußball-Dachverbände tappen bei der Aufklärung des Wettskandals um möglicherweise 32 manipulierte Spiele in Deutschland weiter im Dunkeln. Zu allem Überfluss entbrannte am Mittwoch auch noch ein Streit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL). Beim Ligaverband herrschte große Irritation über eine Aussage von DFB-Präsident Theo Zwanziger, der eingeräumt hatte, schon "seit Monaten"über den europäischen Wettskandal informiert gewesen zu sein.

"Wir waren sehr verwundert, als wir die Zitate von Dr. Zwanziger gelesen haben - und haben daraufhin den direkten Kontakt gesucht. Der DFB-Präsident hat mir gegenüber in einem Telefongespräch erklärt, dass er seine Äußerungen in Sport Bild so getätigt und autorisiert habe. Ihm sei jedoch erst später bewusst geworden, dass er sich geirrt habe", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball am Mittwoch.

Laut des 62 Jahre alten Juristen Rauball habe Zwanziger erklärt, "er sei allgemein über Gerüchte in Bezug auf Spielmanipulationen im europäischen Raum von der Uefa informiert worden, nicht aber über die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft Bochum und Verdachtsmomente in Deutschland. Wir nehmen dies zur Kenntnis. Der Ligaverband hat bis jetzt keine weitergehenden Informationen als die Öffentlichkeit."

"Mich hat das nicht überrascht"

Zwanziger hatte Sport Bild gesagt, dass ihn der größte Manipulationsskandal in der Geschichte des europäischen Fußballs nicht kalt erwischt habe: "Nein, mich hat das nicht überrascht. Ich war als Mitglied des Uefa-Exekutiv-Komitees inoffiziell schon seit Monaten über die Tatsache informiert, dass es sehr konkrete Ermittlungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft Bochum und der Uefa gibt."

In diese Richtung hatte sich der DFB-Boss auch schon am vergangenen Samstag beim Deutschen Turntag in Koblenz geäußert, ohne dabei aber die Bochumer Staatsanwaltschaft miteinzubeziehen. Die Aussagen des 64-Jährigen sollen sich alleine auf die Tatsache bezogen haben, dass bereits im Sommer bekannt geworden war, dass rund 40 Spiele in ganz Europa unter Manipulationsverdacht stehen.

Zwanziger fordert lebenslange Verbannung verwickelter Referees

Abseits der Unstimmigkeiten mit dem Ligaverband forderte Zwanziger, in Manipulationen verwickelte Schiedsrichter lebenslang aus dem Fußball zu verbannen. "Sollte ein Schiedsrichter verwickelt sein, kann es für ihn nur eine lebenslange Strafe geben, denn ihm wird man nie mehr vertrauen können", sagte der DFB-Präsident. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte zuletzt berichtet, dass auch ein Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in den Wettskandal verwickelt sein soll.

Ferner erwartet Zwanziger eine schnelle Aufklärung: "Ich bin ganz, ganz sicher, dass wir in naher Zukunft diese Sache geklärt haben werden. Der Wettskandal ist im gesamteuropäischen Vergleich viel schlimmer,"äußerte sich der DFB-Präsident am Mittwochabend in Berlin bei einem Empfang mit deutschen Sportpolitikern. Er forderte dabei die Politiker zum Dialog und zur Hilfe auf. "Ich fordere Sie auf: Sprechen Sie mit uns. Wir sind keine arroganten Menschen".

DFB sind bei Aufklärungsarbeit Hände gebunden

Die Sanktionen für die in die Betrügereien verstrickten Spieler sollen dagegen an der Schwere der Schuld bemessen werden. "Ein Spieler, der Spielmanipulationen in Zusammenarbeit mit der Wettmafia praktisch als Geschäft betrieben hat, muss natürlich härter bestraft werden als ein Spieler, der einmal 2 000 Euro kassiert hat, und dies jetzt glaubwürdig bedauert", äußerte Zwanziger.

Allerdings sind dem DFB bei der Aufklärungsarbeit weiter die Hände gebunden. Auch bei der Sitzung der Generalsekretäre der betroffenen neun Nationalverbände am Mittwoch im schweizerischen Nyon konnte die Uefa dem DFB nach SID-Informationen keine weiteren Anhaltspunkte für weitere Spielmanipulationen liefern. Wie bereits zuvor der DFB und die DFL beantragte aber auch die Uefa Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Bochum.

© SID

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