Fußball Champions League
Der HSV-Albtraum hat einen Namen

dpa HAMBURG. Der HSV-Albtraum hat einen Namen: Champions League. Mit leerem Blick und Tränen in den Augen schämte sich Trainer Thomas Doll für das schlechteste Abschneiden einer deutschen Mannschaft in der Königsklasse – und klagte seine Spieler erstmals öffentlich an.

„Wir sind fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen, haben uns einen Bärendienst erwiesen, den deutschen Fußball und den Verein schlecht verkauft. Wir haben nichts zu suchen in dieser Liga“, sagte der zutiefst frustrierte Trainer des Hamburger SV nach dem Knockout in Europa, der mit dem 1:3 (0:1) gegen den FC Porto schon zwei Spieltage vor Ende der Vorrunde besiegelt war.

„Wir haben fast nur Nationalspieler auf dem Platz, von denen kann ich verlangen, dass sie den Platz umpflügen. Ich glaube nicht, dass alle von sich behaupten können, sie hätten ihr Bestes gegeben.“ Besonders der ausgewechselte Thimothee Atouba mit seiner unnötigen Verspieltheit, der emsige, aber wenig effektive Juan Pablo Sorin und der formschwache Mehdi Mahdivikia lähmten das Kombinationsspiel. Intern werde er sich „die Jungs jetzt packen. Es haben nicht alle die Ärmel zu hundert Prozent hochgekrempelt“, fand Doll und kündigte „eine knallharte Analyse“ an.

So mitgenommen er auch wirkte, an Rücktritt wollte der 40-Jährige nicht denken: „Nein, ich bin mit Herz dabei, wir werden wieder aufstehen.“ Und auch der angefressene Sportchef Dietmar Beiersdorfer betonte: „Es waren einige Spieler unter Form. Wir müssen jetzt intensiv weiterarbeiten und werden durch diese Phase durchgehen.“ Er sei immer noch überzeugt von dem auf den Schlüsselpositionen neu zusammengestellten Team. Jetzt sei volle Konzentration auf die Bundesliga gefordert: „Wir werden nicht die Waffen strecken.“ In den zwei Auswärtsspielen in Wolfsburg und Stuttgart muss die Multikulti-Mannschaft zeigen, dass die Worte des Trainers bei ihr ankommen, sonst ist die Saison nach einem Drittel schon komplett gelaufen.

Den Verantwortlichen fehlte die Aggressivität gegen ballsichere Portugiesen, die über weite Strecken ihre Spielkunst ungehindert demonstrieren konnten und mit sieben Punkten - FC Arsenal (7) und Zska Moskau (8) trennten sich torlos - vom Achtelfinale träumen. „Wir müssen auch mal gallig sein“, forderte Beiersdorfer, und Doll wollte sogar „Wut auf dem Platz“ sehen. Doch bei der vierten Niederlage in Serie in der Königsklasse war nichts zu sehen von dem einstigen Kampfgeist, den der HSV beim Champions-League-Debüt vor sechs Jahren verströmt hatte. Damals begeisterte die Pagelsdorf-Truppe mit einem 4:4 gegen Juventus Turin das Publikum.

Das gelang gegen Porto zumindest phasenweise nur Rafael van der Vaart, dessen Kopfballtor (62.) zum 1:2-Zwischenstand noch einmal Hoffnung im Stadion aufkommen ließ. Doch 20 Minuten Kurzpass-Spiel mit einem Lattenkracher von Besart Berisha reichten nicht gegen den Champions-League-Gewinner von 2004, für den Lucho Gonzalez (44.), Lisandro Lopez (61.) und Bruno Moraes (87.) mit Leichtigkeit trafen.

„Wir sind in Europa gewogen und für zu leicht befunden worden. Die Champions League ist nicht unsere Kragenweite“, analysierte HSV-Vereinschef Bernd Hoffmann nüchtern den Total-K.o. In den ausstehenden Partien beim FC Arsenal und gegen Zska Moskau muss der Verein aufpassen, dass er nicht komplett unter die Räder gerät. Die gnadenlosen Pfiffe der Hamburger Anhänger empfand Doll nur als gerecht: „Vielleicht wachen wir jetzt endlich auf.“

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