Fußball Champions-League
Für "unfeuerbaren" Schaaf kann es heiß werden

Thomas Schaaf steht trotz 38 Jahren Vereinstreue bei Werder Bremen unter Druck. Noch genießt der Trainer das Vertrauen des Vereins, aber ist die Zukunft des 49-Jährigen ungewiss.

Bleiche Gesichtsfarbe und tiefe Augenringe - 22 Minuten lang sieht Thomas Schaaf genauso aus, wie Trainer aussehen, wenn der Erfolg ausbleibt, wenn erste Personaldebatten geführt werden. Aber als ein englischer Journalist fragt, ob er seinen Spielern angesichts der schier aussichtslosen sportlichen Situation einen Einkaufsbummel in London erlaubt, muss der 49-Jährige im schwarzen Kapuzen-Shirt dann doch grinsen - und nutzt die Chance, den Spieß umzudrehen.

"Wir nehmen dafür den Bus und sehen dann mal, was hier so geht", sagt Schaaf und freut sich sichtlich, dass ihm der Fragesteller diese ironiegetränkte Antwort zunächst sogar noch abnimmt. So ganz hat "Mr. Werder" seinen je nach Sichtweise staubtrockenen oder drögen Humor noch nicht verloren. Auch wenn gegen Tottenham im Stadion White Hart Lane angesichts einer nicht enden wollenden Verletztenserie fast ein halbes Dutzend Amateure auf der Auswechselbank Platz nehmen mussten.

Jeder weiß, ein vorzeitiges Ende nach 38 grün-weißen Jahren als Jugendspieler, Bundesligaprofi, Nachwuchscoach und Cheftrainer, es wäre eine tiefe Zäsur. Für Schaaf, für Werder Bremen und für die Liga insgesamt. Um sich selbst macht sich der einstige Außenverteidiger dabei nach eigenem Bekunden die wenigsten Sorgen: "Meine Person ist da nicht so wichtig."

Beispiellose Vereinstreue

Seine fast beispiellose Vereinstreue hat auch dem Privatleben in der Familie gutgetan. Ehefrau Astrid blieben die zahlreichen Umzüge anderer Trainergattinnen erspart, der einzigen Tochter so mancher Schulwechsel. Wo Kollegen manchmal sogar die Wohnung des gerade geschassten Vorgängers übernehmen, konnte Schaaf bleiben, wo er sich seit Jahrzehnten wohlfühlt. Im beschaulichen Stuhr vor den Toren Bremens.

Das Hausblatt der Hansestadt lässt derzeit seine Leser voten, ob Schaaf in der aktuellen Krise noch der richtige Mann ist. Und noch glaubt man mehrheitlich an der Weser, dass er es schafft, das Ruder herumzureißen. Wie bei seinem Amtsantritt im Mai 1999, als der zweite Abstieg drohte, wie vor knapp einem Jahr, als man fünf Liga-Niederlagen hintereinander kassierte und die Champions League unerreichbar schien. "Das Problem ist nicht der Trainer, das Problem ist die Mannschaft", sagte Nationalspieler Aaron Hunt nach der 0:4-Schlappe bei Schalke 04.

Jetzt müssen die Ergebnisse stimmen

Was Schaaf aber nicht helfen wird, wenn die Ergebnisse auch in den kommenden Wochen nicht stimmen. Lange arbeitslos bleiben würde der Fußball-Lehrer ganz bestimmt nicht. "Der kann nur Werder" - dieses alte Vorurteil ist längst vergessen, verbürgt ist, dass der VfL Wolfsburg schon einmal ein Auge auf den Bremer Meistermacher geworfen hatte.

Und beim Erzrivalen Hamburger SV blickt man sogar voller Neid auf die Schaaf'sche Konstanz, man selbst verschliss nämlich in sieben Jahren sieben Übungsleiter. "Wir haben unseren Thomas Schaaf noch nicht gefunden", hat HSV-Boss Bernd Hoffmann schon öffentlich geseufzt. Vielleicht sollte er es einmal mit dem Original probieren - wenn es denn irgendwann einmal zu haben sein sollte...

© SID

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