Fußball Champions-League
Kaum Rückendeckung für van Gaal

Ist Samstag schon Schluss? Die Kritik an Bayern-Trainer Louis van Gaal wächst, und wie bei Jürgen Klinsmann könnte Schalke 04 das Zünglein an der Waage spielen.

Fußball wie vor 20 Jahren, Schonfrist nur bis zur Winterpause - "Kaiser" Franz Beckenbauer hat mit seiner Kritik die Position von Trainer Louis van Gaal beim deutschen Rekordmeister Bayern München weiter geschwächt. Vor gerade sechs Monaten wurde Jürgen Klinsmann nach einem 0:1 gegen Schalke 04 gefeuert. Am Samstag (15.30 Uhr/live in Sky und Liga total) spielt der Rekordmeister unter dem wackelnden "Tulpen-General" wieder gegen die Königsblauen, und selbst die angesehene Fachzeitschrift kicker fragt auf seiner Titelseite: "Ist schon Samstag Schluss?"

"Wird den Laden in den Griff bekommen"

"Ich glaube, unser Vorstand hat die Geduld - zumindest bis zur Winterpause. Wenn wir jetzt alle Spiele bis dahin verlieren, dann wird man sich auch von Seiten des Vorstands Gedanken machen", sagte Bayern-Präsident Beckenbauer am Sat.1-Mikrofon. Zwar fügte er hinzu, dass er viel von dem Niederländer halte und er "den Laden auch in den Griff bekommen wird", aber echte Rückendeckung sieht anders aus.

Zumal die Spielphilosophie von van Gaal nicht den Geschmack von Beckenbauer trifft: "Es ist mir ein bisschen zu viel Ball halten. Vor 20 Jahren hat man das gemacht." Er bezeichnete die Querpass-Orgien der Bayern als "furchtbar langweilig" und vermisste die Spielfreude: "Es nützt nichts, wenn ich hinterher sage, wir haben 70 Prozent Ballbesitz gehabt, aber das Spiel 2:0 verloren." Genau das war am Dienstag gegen Girondins Bordeaux passiert, womit Bayern erstmals seit sieben Jahren vor dem Vorrunden-Aus in der Champions League steht.

Nur Platz sechs

Auch in der Bundesliga belegen die Bayern nur den sechsten Platz - damit ist van Gaals Bilanz insgesamt schlechter als die von Klinsmann. "In Louis van Gaal ist im Sommer ein neuer Trainer gekommen, der neue Methoden eingeführt hat. Aber leider muss man sagen: Das alles passt nicht zum FC Bayern - zumindest momentan noch nicht", kritisierte der ehemalige Bayern-Spieler Giovane Elber in der Stuttgarter Zeitung.

Dem Disziplin-Fanatiker van Gaal wird neben seiner Spielphilosophie auch immer wieder seine gewöhnungsbedürftige Menschenführung vorgeworfen. 30-Millionen-Einkauf Mario Gomez ist beispielsweise völlig verunsichert, nachdem ihn van Gaal überraschend aus der Stammelf genommen und zudem erklärt hatte, dass unter seiner Verantwortung der Stürmer nicht verpflichtet worden wäre. Elber: "So ein Blödsinn. Da frage ich mich: Haben sich alle getäuscht - oder täuscht sich vielleicht Louis van Gaal?"

Kein Kommentar von Hoeneß und Co.

Genau das fragen sich offenbar auch Manager Uli Hoeneß und Vorstands-Chef Franz Beckenbauer, die momentan keinen Kommentar zum Thema van Gaal abgeben. Sie selbst tragen die Mitverantwortung an den Problemen, weil sie vier Trainer in fünf Jahren verschlissen haben und ein echtes Konzept nicht erkennbar ist. Die reiche FC Bayern AG ist zwar eine Milliarde Euro wert - aber am richtigen Übungsleiter für den anvisierten Spitzenplatz in Europa mangelt es offenbar immer noch.

Beckenbauer zu Bild: "Klinsmann war ein Experiment mit einem jungen, unerfahrenen Trainer. Van Gaal ist ein Fußball-Leher, der mit Ajax Amsterdam und Barcelona Erfolge gefeiert hat. Ich hoffe weiter, ihm gelingt das auch mit dem FC Bayern. Letztlich zählen hier wie in jedem Verein die Ergebnisse." Van Gaal weiß das genau und bemerkt vor seinem Endspiel gegen Schalke nur, dass "über mich andere Menschen entscheiden dürfen".

© SID

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