Fußball Champions-League
"Mission Impossible" in Barcelona

Vor dem heutigen Champions-League-Viertelfinale beim FC Barcelona kracht es beim FC Bayern gewaltig. Die Zukunft von Trainer Jürgen Klinsmann sorgt abermals für Gesprächsstoff.

"Kaiser" Franz Beckenbauer hat eine neue Trainer-Diskussion um Jürgen Klinsmann entfacht und damit die Unruhe beim FC Bayern München vor dem Spiel des Jahres beim FC Barcelona (heute, 20.45 Uhr/Sat.1 und Premiere live) weiter verschärft. "Ich habe die Worte von Karl-Heinz Rummenigge im Ohr, dass wir uns nach der Saison zusammensetzen, die Situation genau analysieren und dann möglicherweise reagieren", sagte der Präsident vor dem Abflug zum Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in Barcelona.

Mit seiner Aussage handelte sich Beckenbauer eine Rüge von Manager Uli Hoeneß ein. "Ich weiß nicht, ob das klug ist, einen Tag vor dem Spiel die Zukunft des Trainers zu diskutieren. Ich halte das für fragwürdig", sagte Hoeneß am Rande des Abschlusstrainings im Camp Nou. "Manchmal weiß ich nicht, ob der Franz noch nahe genug dran ist, um das beurteilen zu können", so Hoeneß.

Passend zum verbalen Donnerschlag und dem Reise-Verzicht von Abwehrspieler Daniel van Buyten erlebte der Bayern-Tross in der Sondermaschine LH 5 018 eine um 30 Minuten verzögerte und turbulente Landung im verregneten Barcelona. Hydraulikprobleme hatten den Abflug hinausgezögert - im Getriebe des Rekordmeisters knirscht es ebenfalls mächtig.

Keine Beckenbauer-Rückkehr auf die Bank

Beckenbauer brachte mit seiner Attacke die zuvor vom Vorstands-Chef Rummenigge abgegebene Jobgarantie für Klinsmann bis 2010 zum Bröckeln, schloss aber immerhin aus, dass er zum zweiten Mal nach einem Duell mit dem FC Barcelona auf dem Trainerposten einspringen könnte. "Allein der Gedanke daran schreckt mich", sagte der Präsident. Zur Erinnerung: 1996 hatte der "Kaiser" nach den Spielen gegen "Barca" die Nachfolge von Otto Rehhagel angetreten.

Rummenigge reagierte auf dem Flughafen entsprechend säuerlich auf den neu aufgeflackerten Brandherd: "Wir werden jetzt nicht nach jeder Niederlage eine Positionsbestimmung über den Trainer abgeben." Zuvor hatte der Ex-Nationalspieler in der Bild-Zeitung noch erklärt, dass der mit einem Vertrag bis 2010 ausgestattete Klinsmann in jedem Fall auch in der nächsten Saison Trainer sein werde. "Das gilt. Er hat einen Vertrag, der ist klar. Einen anderen Plan haben wir nicht."

So geriet vor dem Duell gegen "das spielstärkste Team der Welt" (Beckenbauer) wieder einmal Jürgen Klinsmann in den Mittelpunkt, obwohl der eigentlich nach dem blamablen 1:5 in der Bundesliga seine "Versager von Wolfsburg" in die Pflicht nehmen wollte.

Klinsmann kündigt selbstbewussten Auftritt an

Klinsmann bat daraufhin um erhöhte Konzentration auf das Sportliche und kündigte einen selbstbewussten Auftritt seiner Elf an. "Wir haben eine schlagkräftige Truppe, die auch dem FC Barcelona standhalten wird. Davon bin ich fest überzeugt. Wir werden uns nicht verstecken und ein Spiel bieten, das nach vorne ausgerichtet ist."

Für Rummenigge dagegen ist das Duell in Barcelona "fast eine Mission Impossible. Aber Angst machen gilt nicht, und im Fußball passieren auch Sensationen. Ich erwarte, dass sich das Team zerreißt und Wiedergutmachung für Fans und Verein betreibt."

Van Buyten verzichtet aus persönlichen Gründen

Personell könnte die Situation im wackligen Abwehrbereich trotz der Rückkehr von Martin Demichelis aber kaum schlechter sein. Van Buyten verzichtete aus familiären Gründen auf den Trip und reiste stattdessen mit Billigung von Klinsmann ("Das ist eine familiäre Situation, die absolute Priorität vor dem Fußball hat") nach Belgien. Es steht ihm jedoch frei, jederzeit nachzukommen. Zudem fehlt Abwehrchef Lucio wegen Adduktorenproblemen.

So kann nur der Blick auf die Statistik Hoffnung machen. "Die Spanier, die normalerweise sehr selbstbewusst Fußball spielen, haben Respekt vor unserer Mannschaft. Sie haben noch nie ein Pflichtspiel gegen uns gewonnen", meinte Manager Uli Hoeneß angesichts von drei Siegen und einem Remis in den bisherigen vier Europapokal-Duellen gegen "Barca".

"Wir werden den Kopf wieder hoch nehmen"

Auch Klinsmann ist trotz aller Attacken vor dem Duell gegen die Superstars Lionel Messi, Samuel Eto'o und Thierry Henry um Optimismus bemüht. "In Barcelona erwartet uns eine Riesenaufgabe, die sicher schwer wird, aber machbar ist", kündigte der Bayern-Coach an, der nach dem Wolfsburg-Spiel erstmals den Druck an die Mannschaft weitergegeben hat.

Dass die Bayern-Stars im Stadion Camp Nou vor knapp 100 000 Zuschauern im Gegensatz zum Liga-Alltag Motivationsprobleme haben könnten, befürchtet Klinsmann nicht. Da mache er sich weniger Sorgen, "das wird weniger ein Kopfproblem, weil es Barcelona ist. Da freut sich jeder darauf, da wird alles abgerufen. Wir werden den Kopf wieder hoch nehmen."

Die Warnung Beckenbauers wird Klinsmann in den Ohren klingen: "Wenn wir noch ein paar Mal verlieren, sind die Meisterschaft und die Champions League weg. Dann wäre es eine bedauerliche Saison."

© SID

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