Fußball Champions League
Schalke, das Kaninchen und die Schlange

Für Schalke 04 ist das Champions-League-Wunder nach der 0:1-(0:1-)Heimniederlage gegen den FC Barcelona in fast unerreichbare Ferne gerückt. Das Slomka-Team nahm sein Herz im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse gegen die Katalanen viel zu spät in die Hand – und machte damit einen Akteur der Gelsenkirchener zur tragischen Figur des Abends: Torwart Manuel Neuer.

HB GELSENKIRCHEN. Mirko Slomka hatte sich am Vorabends des Spiels extra noch Tips geholt. Der Trainer des FC Schalke 04 rief Werder Bremens Manager Klaus Allofs an, um zu erfahren, wie dem FC Barcelona am besten beizukommen sei. Vielleicht hätte er sich lieber bei jemandem erkundigen sollen, der sich mit Erfolgserlebnissen gegen die Katalanen auskennt. Allofs und seine Bremer jedenfalls hatten in den letzten zwei Jahren in vier Partien bei einem Remis dreimal gegen Barça verloren – und nicht besser erging es am Mittwoch dann auch den Schalkern in der heimischen Veltins-Arena.

Die Partie entwickelte sich zunächst so, wie es vorauszusehen war. Barça spielte, Schalke ackerte. Nicht unbedingt zu rechnen war allerdings damit, dass Torwart Manuel Neuer in der zwölften Minute einen schlimmen Fehler begehen sollte. Vor drei Wochen war der Keeper mit zahlreichen Glanzparaden und zwei gehaltenen Strafstössen im Elfmerterschießen beim FC Porto noch der Held gewesen, nur ihm war der Einzug ins Viertelfinale zu verdanken. Am Mittwochabend war Neuer, so schnell geht das auf seinem Posten, der Depp. Ein harmloser Schuss von Thierry Henry flog genau in seine Arme – nur: Neuer hielt den Ball nicht fest. Der prallte zurück vor die Füße von Henry, der ihn in die Mitte schob, wo Bojan Krkic ihn nur noch über die Linie drücken musste. Es war das erste Champions-League-Tor des 18-jährigen Wunderstürmers, der einen serbischen Vater und eine spanische Mutter hat und aus Barças Jugendabteilung kommt.

Wie schon seit Wochen war auch am Mittwoch der Teenager Krkic und nicht Henry oder Samuel Eto'o der gefährlichste Barça-Angreifer. Der von ominösen, wohl seelischen Problemen geplagte Ronaldinho war ebenso wenig mit von der Partie wie der verletzte Lionel Messi. Mit anderen Worten: Es war keinesfalls das beste Barça, dem sich die Schalker gegenüber sahen. Wie in den letzten, zumeist verlorenen, Ligapartien wirkte nämlich auch die Verteidigung der Katalanen durchweg anfällig.

Allein, den Schalkern fehlten die Mittel, dies auszunutzen. Und: Ihr Respekt vor dem Gegener schien in den ersten 60 Minuten grenzenlos: wie das Kaninchen vor der Schlange schauten sie den Katalanen fast tatenlos zu, wie diese sich auf technisch hohem Niveau die Bälle zuschoben – sich dabei allerdings auf die Zone 20 Meter rechts und links der Mittellinie beschränkten. Torchancen erarbeitete sich das Rijkaard-team im gesamten Spiel nämlich nur zwei – eine davon führte zum Tor des Abends.

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