Fußball Champions-League
Schalke will durch die "Hölle" in Europas Himmel

Mit einem 1:0-Vorsprung im Rücken kämpft Schalke 04 heute bei Atletico Madrid um die Teilnahme an der Champions League. Ein Fragezeichen steht noch hinter Jefferson Farfan.

Die Aussicht auf das Millionenspiel Champions League bringt die verletzten Stars von Schalke 04 schneller als erwartet wieder auf die Beine. Als die Königsblauen am Dienstagmittag in der Hitze Madrids gelandet waren, kletterten auch Rekordeinkauf Jefferson Farfan und Nationalspieler Jermaine Jones aus dem Flieger. "Wir werden kurzfristig entscheiden, ob sie spielen können. Jede Stunde zählt", sagte Trainer Fred Rutten vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel heute (20.45 Uhr/live in der ARD) bei Atletico Madrid.

Farfan, mit zehn Mill. Euro Ablöse der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte, hofft zumindest auf einen Kurzeinsatz im Estadio Vicente Calderon, wenn der Bundesliga-Zweite seinen 1:0-Vorsprung aus dem Hinspiel verteidigt. "Es ist besser geworden", sagte der Peruaner, der vor zwei Wochen im ersten Duell eine Schultereckgelenksprengung erlitten hatte. Und Kapitän Marcelo Bordon ergänzte: "Notfalls entscheiden wir kurz vor dem Spiel."

Jones eher skeptisch

Sollte Stürmer Farfan tatsächlich auflaufen können, wäre das nicht nur für Teamarzt Dr. Bernd Brexendorf "sensationell". Eigentlich waren nach doppeltem Bänderriss und Schädigung der Kapsel rund vier Wochen Pause avisiert worden. Mittelfeldspieler Jones, der einen Syndesmoseriss erlitt, beurteilte seine Chancen auf einen Einsatz in Madrid eher skeptisch: "Ich will noch mal mit dem Trainer sprechen, aber eigentlich rechne ich eher in anderthalb Wochen gegen Dortmund mit meinem Comeback."

Auf jeden Fall wieder zur Verfügung steht Olympia-Teilnehmer Rafinha, der nach seiner umstrittenen China-Reise mit offenen Armen empfangen wurde. "Wir freuen uns alle, dass er wieder da ist, er wird uns sicher helfen", meinte Kevin Kuranyi. Ob der Brasilianer gegen Atletico allerdings schon wieder zur Startelf gehört, ist fraglich, weil die Abwehr sich in seiner Abwesenheit sehr stabil zeigte.

Ob mit Farfan, Jones, Rafinha oder ohne sie - das Selbstbewusstsein ist nach dem gelungenen Saisonstart vor dem Spiel "um 15 Mill. Euro" (Präsident Josef Schnusenberg) enorm. "Wir haben eine super Ausgangsposition", meinte Verteidiger Christian Pander, der im Hinspiel das einzige Tor erzielt hatte: "Unser Kader ist stark genug, auch ohne die Verletzten."

Höwedes: "Brauchen uns nicht zu verstecken"

Und U21-Nationalspieler Benedikt Höwedes, der bislang eine tadellose Leistung in der Innenverteidigung gezeigt hat, betonte: "Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Wir wissen, dass wir schwer zu schlagen sind." Vor allem Standardsituationen seien "unsere Stärke, aber das weiß auch Madrid". In der Tat resultierten die letzten sechs Pflichtspieltore aus Freistößen oder Eckbällen.

"Das kann der Schlüssel sein", mutmaßte Pander, der im Hinspiel einen Freistoß direkt verwandelte. Standardsituationen spielten deshalb im Training eine wichtige Rolle, "außerdem hat jeder mal einen Elfmeter geschossen", berichtete der Außenverteidiger. Trainer Rutten, der beim neunmaligen spanischen Meister einen "heißen Abend" erwartet, hat sein Team auf alle Eventualitäten vorbereitet.

Nach der "Hölle" folgt die Auslosung

Sollte Schalke die "Hölle" (Manager Andreas Müller) in Madrid unbeschadet überstehen, gibt es am Donnerstag bereits die Belohnung - in Form der Auslosung der Gruppenphase. Die Teilnahme daran bringt, so Klubchef Schnusenberg mindestens 15 Mill. Euro mehr als der Trostpreis Uefa-Cup, mit dem die Schalker in ihrem Etat kalkuliert haben.

Atletico setzt seine Hoffnungen auf Olympiasieger Sergio Agüero. Der Argentinier, der im Hinspiel wegen einer Roten Karte fehlte und in der Zwischenzeit in Peking Gold gewann, tönte bereits: "Her mit den Deutschen!" Der künftige Schwiegersohn des argentinischen Idols Diego Maradona begeisterte in China und soll nun helfen, zum zweiten Mal nach 1996 die Gruppenphase der Champions League zu erreichen.

© SID

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