Fußball Champions-League
Trubel um Slomka soll Schalke nicht stoppen

Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim FC Porto geht es für Schalke 04 nicht nur um den größten Erfolg der letzten Jahre, sondern auch um Coach Mirko Slomkas Zukunft.

Das nennt man wohl schlechtes Timing: Ausgerechnet vor dem Spiel des Jahres, dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League beim portugiesischen Serienmeister FC Porto (heute, 20.45 Uhr/live bei Sat.1 und Premiere) ist die Stimmung beim FC Schalke 04 im Keller. Zwar haben sich die Streithähne bei den "Königsblauen" zusammengerauft, die Spieler sich deutlich die Meinung gesagt, doch Ruhe will nicht so wirklich einkehren.

"Wir sehen von Spiel zu Spiel, wie es weitergeht", erklärte Präsident Josef Schnusenberg am Dienstagmorgen vor dem Abflug nach Portugal in Bezug auf den zuletzt in die Kritik geratenen Trainer Mirko Slomka, fügte allerdings schnell an: "Ich gehe davon aus, dass wir mit Mirko bis zum Saisonende weitermachen." Slomka hat allerdings noch einen Vertrag bis 2009.

Müller will von "Schicksalsspiel" nichts wissen

Dem Bezahlsender Premiere erklärte der Schalke-Boss zudem: "Der Trainer kann mit einem Erfolg bei dem Spiel gegen Porto einen absoluten Befreiungsschlag landen. Wenn wir das Viertelfinale erreichen, wäre das für uns und für den deutschen Fußball sensationell." Eine langfristige Jobgarantie für Slomka wollte der Schalke-Boss aber nicht abgeben: Schnusenberg: "Auch wenn Schalke ausscheidet, bleibt Mirko Slomka zunächst einmal Trainer. Aber natürlich kennt jeder in diesem Geschäft die Gesetze des Marktes. Deshalb kann ich keinen Treueschwur bis ins Jahr 2027 abgeben. Wenn wir gegen Porto ausscheiden und die nächsten fünf Partien in der Liga verlieren, soll ich dann sagen, Mirko Slomka ist ein guter Trainer und bleibt bei uns."

Irritiert von den Aussagen des Präsidenten zeigte sich der Manager. "Ich bin etwas überrascht. Wir hatten in dem Gespräch festgelegt, dass wir mit Mirko Slomka die Saison beenden", sagte Andreas Müller ebenfalls bei Premiere. Zumindest kann der Coach sicher sein, das nächste Bundesliga-Spiel noch in Amt und Würden zu erleben. "Egal was am Mittwoch passiert, Mirko Slomka sitzt am Samstag in Bielefeld auf der Trainerbank. Darauf können Sie sich verlassen", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies und meinte mit Blick auf die 101. Europacup-Partie der Königsblauen: "Es ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel, aber kein Schicksalsspiel. Es ist eine Frage der Ehre weiterzukommen."

Slomka am Samstag auf jeden Fall noch Trainer

Zumindest kann der Coach sicher sein, das nächste Bundesliga-Spiel noch in Amt und Würden zu erleben. "Egal was am Mittwoch passiert, Mirko Slomka sitzt am Samstag in Bielefeld auf der Trainerbank. Darauf können Sie sich verlassen", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies und meinte mit Blick auf die 101. Europacup-Partie der Königsblauen: "Es ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel, aber kein Schicksalsspiel. Es ist eine Frage der Ehre weiterzukommen."

Mit dem 1:0 aus dem Hinspiel im Rücken geht es für den deutschen Vizemeister beim souveränen portugiesischen Tabellenführer um weitere sieben Mill. Euro, internationales Ansehen und Punkte für die Bundesliga in der Uefa-Fünf-Jahres-Wertung. Doch vor allem geht es um Slomkas Zukunft.

Richtungweisende Partie

Denn wenn sich der ambitionierte Traditionsklub im Estadio do Dragao möglicherweise für längere Zeit aus der "Königsklasse" verabschiedet, gehen dem Trainer und seinem Mentor, Manager Andreas Müller, ganz schnell die Argumente aus. In der Bundesliga ist ein Champions-League-Platz bereits sechs Punkte entfernt.

Für Müller ist die Partie in Porto daher richtungweisend. "Die Mannschaft hat die Möglichkeit, wieder in die Spur zu kommen und ein Zeichen zu setzen", sagte der Manager: "Das kann einen Schub geben, der in den letzten Wochen gefehlt hat." Auch Tönnies hofft auf ein Ergebnis mit Signalwirkung: "Ich bin zuversichtlich, die Truppe hat verstanden." Schnusenberg habe wachrütteln wollen, "ich denke, jetzt sind alle wach".

Mannschaft spricht sich nach Bayern-Schlappe aus

Klärende Worte waren nach der 0:1-Pleite gegen Bayern München nicht nur zwischen Schnusenberg und Slomka nötig, sondern auch innerhalb der Mannschaft. Nach dem verbalen Rundumschlag von Kapitän Marcelo Bordon gab es auch in der Kabine eine Aussprache. "Wir reden immer miteinander", kommentierte Fabian Ernst die deutlichen Worte hinter verschlossenen Türen. "Jetzt haben wir die große Chance, die ganze Aufregung ein bisschen vergessen zu machen. In 14 Tagen werden wir wieder ganz anders miteinander reden."

Bedenklich ist für Slomka, dass ausgerechnet Kapitän Bordon von ihm abrückt. Der Brasilianer, den der Coach vor anderthalb Jahren durch die Ausbootung von Torhüter Frank Rost zur unumstrittenen Nummer eins in der Hierarchie gemacht hatte, deutete nach der Bayern-Pleite unüberhörbar Kritik am System an und stellte die Autorität des Trainers in Frage.

Slomka setzt auf Kampfstärke

Zur Taktik sage er lieber nichts, sonst bekomme er Probleme, erklärte der 32-Jährige und fügte vielsagend an: "Man muss auch hören, was der Trainer sagt." Auf die Frage, ob noch alle zuhörten, wenn Slomka rede, antwortete er nicht.

Der Trainer setzt indes darauf, dass die Partie in Porto "ein Verteidigungsspiel" werde, in der sein Team "massiv dagegenhalten" müsse, "das ist eine unserer Stärken". "Hinten dicht machen alleine wird aber nicht funktionieren", sagte Slomka, dessen Hintermannschaft in Bestbesetzung in der Champions League noch ohne Gegentor ist: "Wir müssen Konter fahren und Nadelstiche setzen." Enorm wichtig ist dabei die Rückkehr von "Kampfschwein" Jermaine Jones, der gegen München gesperrt war. Neuzugang Albert Streit ist dagegen keine Option, der Ex-Frankfurter flog wegen einer Magen-Darm-Grippe gar nicht erst mit nach Portugal.

Gegner Porto geht dagegen mit besten Voraussetzungen ins Spiel. Beim 0:0 im Derby gegen Boavista schonte Trainer Jesualdo Ferreira die halbe Stammelf, der Vorsprung vor dem Tabellenzweiten Benfica Lissabon beträgt weiter zwölf Punkte. Sein Comeback plant Stürmerstar Ricardo Quaresma.

© SID

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