Fußball Champions League
Wechselbad für „Scharfschütze“ Schweinsteiger

Erst traf er, dann flog er - Bastian Schweinsteiger durchlebte in Lissabon ein Wechselbad der Gefühle. „Die Freude über den Sieg überwiegt“, sagte der Nationalspieler, als er beim nächtlichen Plausch mit den Journalisten im Hotel Ritz den Fußball-Abend Revue passieren ließ.

Zunächst knallte er beim 1:0-Sieg des FC Bayern München gegen Sporting Lissabon seinem Lieblingstorwart Ricardo aus 30 Metern den Ball mit dem starken rechten Fuß ins rechte untere Toreck (19.). „Ab und zu trifft man den Ball ganz gut“, kommentierte er das Traumtor bescheiden. Unmittelbar nach der Pause war es mit der Freude vorbei: Schweinsteiger flog wegen wiederholten Foulspiels vom Platz und zitterte in einem VIP-Raum des Stadions José Alvalade vor dem Fernsehen um den Sieg. „Ich konnte teilweise gar nicht hinsehen.“

Nach Nationaltorhüter Jens Lehmann vom FC Arsenal, der von Schiedsrichter Terje Hauge im Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona vom Platz gestellt worden war, wird auch Schweinsteiger wohl kein Freund des Norwegers mehr werden. „Ich war überhaupt nicht damit zufrieden, wie der gepfiffen hat. Mir kam es vor, als wenn er Vorfahren aus Portugal hätte“, schimpfte der 22-Jährige.

Die zweite Verwarnung hatte sich Schweinsteiger nach einem unnötigen Ballverlust im Mittelfeld allerdings selbst zuzuschreiben. Trotzdem gab es selbst von Felix Magath Zuspruch statt Schelte für den Gelb-Rot-Sünder. „Ich muss ihm nicht ins Gewissen reden, ich muss ihn schützen. Die erste Gelbe Karte war unberechtigt“, sagte der Trainer. Die zweite entschuldigte er mit jugendlichem „Übereifer“.

Magaths Verhalten passt zur gestiegenen Wertschätzung, die sich Schweinsteiger erarbeitet hat. Seit Michael Ballack weg ist, rückt der 22-Jährige immer mehr als Spielmacher, Torschütze und Juniorchef in den Vordergrund. Und die Tore aus großer Distanz werden mehr und mehr zu einem Markenzeichen - ob in der Nationalelf oder bei Bayern.

„Das Tor zuletzt gegen Georgien war noch schöner“, sagte Schweinsteiger, der in dieser Saison schon vier Mal für Deutschland und drei Mal für Bayern traf. „Er ist unser bester Scharfschütze“, bemerkte Magath - „und auch der beste in der Nationalmannschaft.“ Oliver Kahn hatte Schweinsteiger ermuntert, es gegen Ricardo unbedingt wieder zu versuchen. Schließlich hatte der Nationalspieler den Sporting-Schlussmann schon bei der WM im Spiel um Platz drei gegen Portugal (3:1) zwei Mal mit Distanzschüssen überwunden. „Wenn mir einer zwei reingehauen hat vor ein paar Monaten, habe ich im Unterbewusstsein ein mulmiges Gefühl“, sagte Kahn: „Ich habe Schweini gesagt, er soll wieder draufhauen.“ Gesagt - getan - getroffen.

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