Fußball
DDR-Trainerlegende Buschner verstorben

Im Alter von 81 Jahren ist der frühere DDR-Auswahltrainer Georg Buschner verstorben. Der Thüringer betreute die DDR zwischen 1970 und 1981. In seine Trainerzeit fiel jenes deutsch-deutsche Duell, das in die Annalen der Fußballgeschichte einging.

HB JENA. Buschner sei in der Nacht zum Montag in seiner Heimatstadt Jena gestorben, teilte sein langjähriger Verein FC Carl Zeiss Jena mit. Die ostdeutsche Trainer-Legende hatte bei 115 Länderspielen die DDR-Fußball-Nationalmannschaft als Cheftrainer betreut. Unter dem unbequemen Buschner war der DDR mit dem 1:0 über den späteren Weltmeister Bundesrepublik Deutschland bei ihrer einzigen WM-Teilnahme 1974 der spektakulärste Sieg gelungen. Buschner wusste nicht nur in diesem Moment um die besondere Rolle seines Teams: „Wir waren eine ungeliebte Nationalmannschaft“ - selbst im eigenen Land jubelten viele Fans lieber Deutschland West zu.

„Ich habe weniger Spiele für die DDR verloren als alle anderen Trainer zusammen - 60 Siege, 33 Unentschieden, 22 Niederlagen“, hatte Buschner, der von seinen Freunden „Schorsch“ genannt wurde, dennoch immer wieder stolz auf seine Bilanz verwiesen. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) waren lediglich Sepp Herberger (162) und Helmut Schön (139) zu mehr Länderspielen als Nationalcoach gekommen. 1970 war Buschner nach drei Meistertiteln mit dem SC Motor Jena von den höchsten Sportfunktionären der DDR „bei Androhung meines Existenzverlustes“, wie er später berichtete, zur Übernahme der DDR- Auswahl gedrängt worden.

Der sechsmalige DDR-Nationalspieler, der Frau Sonja und zwei Söhne hinterlässt, prägte als Trainer über zwei Jahrzehnte die ostdeutsche Auswahl. Der größte Erfolg gelang 1976 mit dem Olympiasieg im kanadischen Montréal. „Der DDR-Fußball war nie mit mehreren Ausnahmekönnern gesegnet. Deshalb wurde der Fußball auch ständig drangsaliert von den Machthabern“, hatte Buschner einst erklärt.

Während andere Sportarten mit Goldmedaillen in Serie das Ansehen des „Arbeiter- und Bauernstaates“ heben sollten, blieb der Fußball international zweitklassig, weil die größten Talente Ruderer, Kanuten, Schwimmer und Leichtathleten wurden.

Nach einem 2:3 gegen Polen und der damit wieder verpassten WM- Qualifikation im Oktober 1981 war für Buschner, der sich auch mit dem mächtigen Sportchef Manfred Ewald anlegte, plötzlich Schluss. Von seiner Entlassung erfuhr er aus dem Westfernsehen und meinte: „Ich war schon lange fällig.“ Für die Trainer-Legende war es die schwärzeste Stunde seines Lebens überhaupt, „weil es eine Gruppe von Politikern im Suff vielleicht so gesehen hat. Als ich zuvor tausend Mal gehen wollte, durfte ich nicht.“ Nach einer Herzoperation wurde Buschner dauerhaft krankgeschrieben, obwohl er sich noch gesund fühlte: „Das war wie ein Berufsverbot.“

Eine Chance in der Bundesliga bekam Buschner nie. Nach dem legendären 1:0 im deutsch-deutschen Duell 1974 wurden Anfragen „aus dem Westen“ von den Funktionären abgeblockt. Nach der Wende zog sich der einstige knallharte Verteidiger und kompromisslose Coach, bei dem auch die Bundesliga-Trainer Hans Meyer und Jörg Berger gelernt hatten, aus dem Fußball-Geschäft zurück. „Wenn heute über Fußball geschrieben und geredet wird, dreht sich nur noch ein Prozent um das Spiel. Das ganze restliche Drumherum interessiert mich nicht“, hatte der Thüringer dies begründet.

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