Fußball
Der HSV und staunt über sich selbst

dpa KÖLN. Beim Blick auf die Bundesliga-Tabelle bekam Bernd Hoffmann einen leicht verklärten Gesichtsausdruck. „Wir haben 68 Punkte - das ist überragend.“

Der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV erfreute sich weniger am überaus schmeichelhaften 1:0 (1:0)-Erfolg der HSV-Profis beim fast abgestiegenen 1. FC Köln, mehr aber am bislang Erreichten. „Nein, das hätte ich vor der Saison niemals erwartet“, fasste der HSV-Chef eine Spielzeit zusammen, die den Hamburger Fußballern schon vor der Reifeprüfung ein Spitzenzeugnis ausstellt.

Dessen war sich die HSV-Mannschaft nach 90 dramatischen Minuten vor 50 000 Zuschauern im ausverkauften Rheinenergiestadion bewusst. Sie hüpften vor Freude, ließen sich von ihren Fans feiern. „Das macht uns stolz“, sagte Trainer Thomas Doll, der sich nur mit dem Moment befassen und über nichts anderes sinnieren wollte. „Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken“, meinte er angesichts der Tatsache, dass seine Elf mit dem elften Auswärtssieg die Entscheidung über den Meistertitel noch einmal zu eigenen Gunsten vertagt hat.

Mit dem Auftritt in Köln war Doll trotz der frühen Entscheidung durch das Eigentor von FC-Nationalspieler Lukas Sinkiewicz (3. Minute) nicht zufrieden. „Wir haben nicht wie eine Mannschaft agiert, die um Platz eins spielt“, befand der HSV-Coach. „Viel Glück“ habe man gehabt gegen einen FC, der in den zweiten 45 Minuten ein Chancen- Feuerwerk abbrannte, in HSV-Keeper Sascha Kirschstein aber seinen Meister fand oder am eigenen Unvermögen im Abschluss scheiterte. Doll: „Dieses Glück muss man sich aber auch erkämpfen.“

Das habe man sich redlich verdient, lobte Hoffmann die Komplett- Präsentation des Teams, das bereits sein 53. Saison-Pflichtspiel absolvierte. „Wir schauen das Ganze entspannt an“, sagte Innenverteidiger Bastian Reinhardt. „Ich glaube, unsere Fans sind nicht sauer darüber, dass wir Mist gespielt haben, ergänzte sein Abwehr-Mitstreiter Khalid Boulahrouz.

Maßgeblich er und der verletzte Mannschaftskapitän Daniel van Buyten sind wegen glänzender Leistungen zu begehrten Objekten anderer Clubs geworden. Keiner weiß, ob sie auch in der kommenden Saison das HSV-Trikot tragen werden. „Ist das nicht schön, dass man Begehrlichkeiten weckt, wenn man eine Klassesaison spielt“, antwortete Doll auf Fragen mit einer wohl platzierten Gegenfrage. Offizielle Kontakte gibt es laut Hoffmann noch nicht. Ohnehin will der HSV erst einmal weiter genießen „und einfach das Saisonende abwarten“, so Hoffmann.

Bei den Kölnern, die den vierten Erstliga-Abstieg nach 1998, 2002 und 2004 wohl nur noch theoretisch verhindern können, war die Enttäuschung groß. „Wir haben einfach dieses blöde Tor nicht gemacht“, sagte Nationalstürmer Lukas Podolski. Torhüter Alexander Bade will weiter an das Unmögliche glauben: „Wir werden in Bremen und gegen Bielefeld alles tun, um das Wunder noch zu schaffen.“ Trainer Hanspeter Latour pflichtete bei: „Bei uns herrscht keine Resignation, sondern nur Enttäuschung. Wir haben noch zwei Spiele und wollen allen zeigen, dass auch wir Fußball spielen können. Nach einer Leistung wie gegen Hamburg darf man nicht resigniert sein.“

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