Fußball
Der kluge Herr Pozzo kauft ein

Drei Städte, drei Klubs, eine Politik: Im Milliardengeschäft Fußball agiert ein Italiener fast aberwitzig. Udineses Besitzer Gianpaolo Pozzo kauft Talente und baut sie auf. Auch ein Deutscher war Teil des Systems.
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UdineIn Fußballitalien schmiedet man das Eisen nicht erst, wenn es heiß ist, sondern bereits, während es sich erwärmt. Ein Meister dieser frühzeitigen Schmiedekunst ist Gianpaolo Pozzo. Dem 72-Jährigen gehört der Klub Udinese Calcio, der das Fußballgeschehen nicht nur in Italien, sondern weltweit prägt.

Die Geschichte von Udinese und seiner Besitzer ist eine, wie sie nur der moderne Fußball schreiben kann. Sie funktioniert, weil sich der Kreis aus verrückt hohen Transfersummen, Fernsehrechten und Bieterschlachten um die Topstars immer schneller dreht. Gianpaolo Pozzo hat dabei eine andere Richtung eingeschlagen als die ganz großen Klubs.

Von der kleinen Universitätsstadt, 130 Kilometer nordöstlich von Venedig, nahe der Grenzen zu Slowenien und Österreich, mischt Pozzo den Fußballmarkt auf. In seiner Geschichte geht es um intelligente Spielertransfers, um unbekannte Talente und Klubbesitzer, die nicht schnelle Siege erkaufen wollen. Es geht um drei Städte, drei Klubs und eine Strategie. Viele Männer mit geschultem Blick spielen eine Rolle – und ein deutscher EM-Held.

Gianpaolo Pozzo hat sein Vermögen in der Metallbranche gemacht. Udinese übernahm er 1986 zu einem dramatischen Zeitpunkt. Der Verein war damals in einen Wettskandal verwickelt. Nach einem desaströsen Beginn, in dem der Verein zwischen erster und zweiter Liga oszillierte, verpflichtete Patron Pozzo 1995 Alberto Zaccheroni als Trainer. Eine gute Wahl: Mit ihm kamen die erhofften Erfolge. Ab demselben Jahr spielten die friulischen Bianconeri nicht nur in der Liga, sondern auch auf dem Markt erstklassig.

Die Eignerfamilie Pozzo handelt bei Transfers mit Bauernschläue und Weitsicht, sie vermeidet verrückte Spielereinkäufe. Mehr als drei Millionen Euro legt sie nicht für einen Kicker auf den Tisch. Die Pozzos setzen eher auf unausgereifte, aber vielversprechende Talente. Eine Politik, die sich auszahlt. Und wie.

Die Familie Pozzo habe in den vergangenen Jahren, so erzählte Klubberater Gino Pozzo dem ZDF, „wahrscheinlich überhaupt kein Privatvermögen“ investiert. Eine überraschende Aussage, schreibt doch im harten Fußballgeschäft in Europa nur ein einziger Verein schwarze Zahlen – Bayern München.

Die Eignerfamilie Pozzo konzentriert sich darauf, „junge, sehr talentierte Spieler, an denen die großen Vereine nicht besonders interessiert sind, einzukaufen und weiterzuentwickeln“, so Berater Pozzo.

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