Fußball
Der „Mythos Bökelberg“ bröckelt nicht

dpa MÖNCHENGLADBACH. Mit einem großen Kraftakt ist der Gladbacher Bökelberg nach 85 Jahren in Schutt und Asche gelegt worden.

80 Kilogramm Sprengstoff konnten zunächst nur die Haupttribüne zerlegen. Zwei Lichtmaste und das daran aufgehängte Dach blieben dagegen bis zuletzt stehen. Riesige Pressluftbagger gaben dem „Urgestein vom Niederrhein“ dann den Rest, doch der „Mythos Bökelberg“ bröckelt nicht.

Auf dem Gelände der ausgehobenen Kiesgrube „de Kull“ sorgte Borussia Mönchengladbach 1919 im Spiel gegen den Lokalrivalen FC Eintracht mit dem ersten Heimsieg auf dem neu errichteten Spielplatz für Jubel. Und auch in den folgenden Jahrzehnten durften sich Spieler und Anhänger gleichermaßen über große Erfolge freuen: Fünf Mal konnten die „Fohlen“ zum Saisonende die Liga-Konkurrenz hinter sich lassen. Den höchsten Sieg vor heimischer Kulisse fuhren die Borussen 1967 gegen den FC Schalke 04 ein. Unter der Regie von Hennes Weisweiler klingelte es elf Mal im Kasten der „Königsblauen“.

Höhen und Tiefen erlebten die treuen Anhänger in der Nordkurve: Den Aufstieg in den Profi-Fußball und ebenso auch den Fall in die Zweitklassigkeit. Doch die Fans hielten auch in schlechten Zeiten zu ihrer Borussia - stimmgewaltig mit mehr als 50 Liedern, machten aus dem Stadion eine Festung der Emotionen und begründeten den „Mythos“.

Doch nicht nur spielerische Highlights sorgten in Gladbach für Aufregung. Den absoluten Kracher lieferte im April 1971 Spieler Herbert Laumen. Beim Versuch, den 24. Eckball der Borussen zum 2:1-Siegtor gegen Werder Bremen zu verwandeln, rutschte der Torjäger in der 88. Minute mit hohem Tempo ins Netz: Ein Torpfosten knickte um und das Gehäuse krachte zusammen. Ersatz war nicht zur Stelle und so wurde die Partie abgebrochen. Das Sportgericht sprach den Sieg später den Werderanern zu - den Titel aber holte sich Gladbach.

Und auch eine unschöne Szene wird den Fans in Erinnerung blieben: Beim Spielstand von 2:1 für die Gäste aus Mailand im Achtelfinale des Europapokals kam es auf dem Platz zu einer Rangelei. Plötzlich brach Inter-Torjäger Roberto Boninsegna zusammen, nachdem ihm ein Zuschauer eine leere Getränke-Dose an den Kopf geworfen hatte. Der vermeintliche „Büchsenwerfer“ wurde von der Polizei abgeführt und Boninsegna ins Krankenhaus gebracht.

Das sind Szenen, die den treuen Anhänger stets in Erinnerung bleiben werden. Und mit ihren Geschichten über das einst Erlebte werden sie dafür sorgen, dass der „Mythos Bökelberg“ weiter besteht - auch hinter den Toren des neuen Borussia-Parks. Auf dem Gelände an der Bökelstraße soll schon bald eine exklusive Wohnanlage im Terrassenstil entstehen.

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