Fußball
Deutsche Bildschirme bleiben bei U21-EM dunkel

Von den Leistungen seiner Junioren ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hellauf begeistert, doch dass die Bildschirme in der Heimat während der U21-Europameisterschaft dunkel bleiben, erhitzt die Gemüter.

dpa GUIMARAES/PORTUGAL. „Hier wird der Kommerz dem sportpolitischen Gedanken vorgezogen. Die Uefa hat ihre Aufgabe verfehlt“, sagte Wolfgang Holzhäuser, Delegationsleiter des DFB-U 21-Teams, nachdem in Deutschland keine bewegten Bilder von den ersten guten Darbietungen der Junioren gesendet wurden.

Im Vorfeld der bis zum 4. Juni dauernden Titelkämpfe konnte das Deutsche Sport-Fernsehen (DSF), das in den vergangenen Jahren die meisten Spiele der DFB-Junioren bis in den U 16-Bereich live übertrug, keine Einigung mit dem Rechteinhaber erzielen. Die Uefa trat die TV-Rechte an die Agentur Team ab, doch bei den Verhandlungen über den Preis lagen die Parteien meilenweit auseinander.

„Team verlangt eine Million Euro für die Übertragung ins deutsche Fernsehen, das DSF-Angebot liegt bei 160 000 Euro“, sagte DFB-Vizepräsident Holzhäuser. „Für das DSF habe ich Verständnis, weil es nicht auf Rosen gebettet ist. Die Uefa muss aber von ihren überzogenen Forderungen abrücken, weil sonst verhindert wird, dass sich der Nachwuchsfußball in Deutschland präsentieren kann.“

In die Länder der übrigen sieben EM-Teilnehmer werden Live-Bilder gesendet, das italienische Fernsehen soll sogar mehr als eine Million Euro für die Berichterstattung zahlen. Laut Angaben der Uefa seien jetzt schon Rekordgewinne aus dem Verkauf der Fernsehrechte erzielt worden. Von den Deutschen will sich der Verband auch im Hinblick auf weitere Turniere die Preise nicht kaputt machen lassen und lässt die Bildschirme dunkel.

Bei den Junioren, die mit einem 1:0-Sieg über Serbien und Montenegro starteten und im abschließenden Gruppenspiel gegen Gastgeber Portugal vor dem Einzug ins Halbfinale stehen, sorgt die Nicht-Beachtung für Unverständnis. „Das ist eine Frechheit, wir haben eine saustarke Truppe, die daheim keiner sehen kann. Dabei wurde sogar jedes Qualifikationsmatch übertragen“, schimpfte der Nürnberger Stürmer Stefan Kießling. Auch sein Mönchengladbacher Teamkollege Eugen Polanski ärgert sich, „wenn die Poker-Bundesliga statt unserer EM-Spiele live gezeigt wird“.

Der DFB will vermittelnd eingreifen und hofft auf eine schnelle Lösung, ehe die EM vorbei ist. „Ich habe Gespräche mit dem DSF, der Uefa und verschiedenen Sendeanstalten geführt“, sagte Holzhäuser, der ebenso die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in die Pflicht nimmt. „Nicht mal im Frühstücksfernsehen werden bewegte Bilder gezeigt, dabei ist die Grundversorgung von einem Ereignis wie der U 21-EM ein Grundauftrag dieser Sender“, meinte der Delegationsleiter. Eine Einigung ist allerdings nicht in Sicht, so dass die einzigen deutschen Fans, die das Turnier live verfolgen, die mitgereisten Mütter der DFB-Spieler sind.

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