Fußball DFB
Abpfiff für Schiedsrichter Fandel

Schiedsrichter Herbert Fandel beendet seine Karriere und wird zukünftig im DFB-Schiedsrichterausschuss arbeiten. Der 45-Jährige war seit 1989 DFB- und seit 1998 Fifa-Referee.

Mehr Muße für die Musik, weniger Stress im Fußball: Zwei Jahre vor Erreichen der Altersgrenze beendet Herbert Fandel überraschend seine erfolgreiche nationale und internationale Laufbahn als Schiedsrichter. "Ich war 30 Jahre Schiedsrichter, davon 20 Jahre im Profifußball. Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. Ich beende eine für mich tolle und erfolgreiche Zeit. Selbstbestimmt und ohne jede negative Gedanken. Dies war so mein Ziel", sagte der 45 Jahre alte Konzertpianist aus dem gerade mal 1 000 Einwohner zählenden Eifelstädtchen Kyllburg auf DFB.de.

Der Leiter der Kreismusikschule Bitburg-Prüm, der künftig als kooptiertes Mitglied im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss mitarbeiten soll, informierte am Wochenende die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über seine Entscheidung.

Alle Ziele als Schiedsrichter erreicht

"Ein Leistungssportler braucht Ziele. Die habe ich in den vergangenen Jahren eingefahren: Champions-League-Endspiel, Uefa-Cup-Endspiel, zweimal das DFB-Pokalendspiel. Bereits nach der Europameisterschaft 2008 merkte ich, dass es anders war als vorher", erklärte Fandel, warum er in den "Vorruhestand" geht. In den vergangenen Wochen sei dann sein Entschluss gereift, früher als vorgesehen die Pfeife an den Nagel zu hängen.

Nun reize ihn seine neue Aufgabe innerhalb des Verbandes: "Ich freue mich, dass ich in Zukunft meine Erfahrung im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss einbringen soll. Ich möchte in der neuen Aufgabe einen Beitrag dazu leisten, dass die deutschen Schiedsrichter weiterhin eine qualifizierte Aus- und Fortbildung erhalten."

Neue Aufgaben beim DFB

Die Entscheidung, dass Fandel künftig im Schiedsrichter-Ausschuss mitarbeitet, soll das DFB-Präsidium in seiner Sitzung am kommenden Freitag treffen. Ein entsprechender Antrag ist vorbereitet. DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich maßgeblich für das neue Engagement des zweimaligen Familienvaters eingesetzt: "Ich bin überzeugt davon, dass dies eine richtige und wichtige Entscheidung ist, um das gute Standing und die überzeugenden Leistungen der deutschen Schiedsrichter auch in Zukunft zu garantieren."

Zwanziger lobte Fandel, der seit 1989 auf der DFB - und seit 1998 auf der Fifa-Schiedsrichter-Liste steht, in den höchsten Tönen: "Als aktiver Unparteiischer war er über viele Jahre hinaus ein Aushängeschild. Auf ihn war immer Verlass." Der für die Schiedsrichter zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch schloss sich den Lobeshymnen an: "Fandel hat sich überall einen guten Namen erworben. Ob bei den Vereinen, Trainern, Spielern oder den Schiedsrichtern - mit seinen umsichtigen Spielleitungen und seiner ausgleichenden Art hat er viele Freunde und Sympathien gewonnen." Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, ergänzte, Fandel habe "in all den Jahren in einer beispiellosen Karriere wirklich Großes geleistet".

247 Bundesligaspiele geleitet

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) würdigte Fandel. "Mit Respekt und Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass Herr Fandel seine aktive Schiedsrichter-Karriere beendet. Er hat dauerhaft national wie international auf höchstem Niveau Spiele geleitet und war durch seine unaufdringliche und sachliche Art Vorbild und Aushängeschild für das deutsche Schiedsrichterwesens", sagte Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball. Und DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus meinte: "Herbert Fandel hat viel dazu beigetragen, das Bild der Schiedsrichter in der Öffentlichkeit positiv zu prägen. Seine souveräne und kompetente Art, Spiele zu leiten dient vielen jungen Schiedsrichtern als Vorbild."

Fandel leitete in seiner aktiven Karriere 247 Bundesliga-Begegnungen, 26 A-Länder- und 56 Europapokalspiele. Unter anderem war er bei der Euro 2008 in Österreich und der Schweiz, beim Confed Cup 2005 in Deutschland und bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney im Einsatz. Weitere internationale Höhepunkte waren die Leitung des Champions-League-Finales 2007 zwischen dem AC Mailand und dem FC Liverpool in Athen und des Uefa-Cup-Endspiels 2006 zwischen dem FC Sevilla und dem FC Middlesbrough in Eindhoven. Vom DFB wurde er 2001, 2005, 2007 und 2008 zum "Schiedsrichter des Jahres" gewählt.

Sein Karriereende kommentierte Fandel, der die WM 2006 als Zuschauer verfolgen musste, relativ emotionslos: "Es gibt nun viele Möglichkeiten und Perspektiven in meinem Leben, aber ich werde jetzt nicht in Aktionismus verfallen. Nach dieser Karriere werde ich jetzt erstmal durchatmen." Zu sehen ist der bekannte Referee aber zunächst mal als Leinwandstar. Fandel ist Hauptdarsteller der Schiri-Dokumentation Spielverderber, die am 11. Juni in die Kinos kommt.

© SID

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