Fußball DFB
Boateng plant Länderspielkarriere für Ghana

Der Verbandswechsel von Jermaine Jones hat einen prominenten Nachahmer gefunden: Kevin-Prince Boateng, der 41 Spiele für die DFB-Junioren absolvierte, will nun für Ghana spielen.

Der Großneffe des "Helden von Bern" wird zum "Prince von Ghana": Wegen mangelnder Aussichten auf eine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft will Kevin-Prince Boateng künftig seine Chance in Ghana suchen und hofft auf die Teilnahme an der WM 2010. Der U21-Nationalspieler, der insgesamt 41 Spiele die Jugend-Auswahlmannschaften des DFB bestritt, hat einen ghanaischen Vater, seine Großvatter mütterlicherseits ist ein Cousin von "Boss" Helmut Rahn. Dieser hatte im Endspiel der WM 1954 gegen Ungarn mit dem Siegtor das "Wunder von Bern" realisiert.

"Ich will ab sofort für Ghana spielen", sagte der zuletzt an Borussia Dortmund ausgeliehene Boateng der Sport Bild: "Ich habe Kontakt zu den Verantwortlichen aufgenommen." Er ist nach dem Schalker Jermaine Jones, der sogar schon drei A-Länderspiele absolvierte und künftig für die USA auflaufen will, der zweite Akteur, der sich vom DFB aufgrund des neuen Fifa-Statuts zu Verbandswechseln abkehrt.

Der sportliche Verlust für den DFB hält sich in Grenzen. Bei der U21-EM in Schweden fehlt Boateng wegen eines Knochenödems im linken Sprunggelenk; Trainer Horst Hrubesch hätte ihn aber wohl ohnehin nicht nominiert. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger weinte Boateng keine Träne nach.

Zwanziger: "Mit unserem Land und dem Team identifizieren"

"Wenn Spieler sportlich keine Zukunft im DFB sehen, und die Chance zum Wechsel nutzen, ist das ihre Sache. Dennoch wollen wir erreichen, dass es für junge Spieler eine Grundsatzentscheidung ist, wenn sie das deutsche Trikot tragen, sie sich also mit unserem Land und dem Team identifizieren. Und eine solche Grundsatzentscheidung sollten sie dann nicht irgendwann auf dem Altar opfern, aus welchen Gründen auch immer", sagte Zwanziger im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Die mangelnden Chancen auf eine Karriere im A-Team gaben für Boateng dessen Halbbruder Jerome für Deutschland bei der U21-EM spielt, denn auch den Ausschlag. "Ich wollte mich beim DFB durchsetzen. Ich habe alles versucht", meinte der Mittelfeldspieler. Nachkarten wollte er im Gegensatz zu Jones aber nicht. "Ich gehe mit dem DFB nicht im Streit auseinander", erklärte er: "Ich sehe meine Chancen beim DFB einfach nicht mehr. Das ist alles."

2 006 hatte der gebürtige Berliner eine Einladung des ghanaischen Verbandes mit Perspektive auf die Teilnahme an der WM in Deutschland noch abgelehnt. Nun hofft er auf den Sprung in den WM-Kader für 2010. Ghana ist bislang ohne Punktverlust durch die Afrika-Qualifikation marschiert. Und die Spielberechtigung dürfte kein Problem werden. "Ich spreche mit dem Präsidenten und dem Vize über Kevin", sagte der frühere Bundesliga-Profi Tony Baffoe, der heute als Berater des ghanaischen Verbandes fungiert, der Sport Bild: "Es dürfte keine Probleme mit den Anträgen geben."

"Skandal-Kicker"

Es wäre einmal eine gute Nachricht für den vom Boulevard als "Skandal-Kicker" beschriebenen Profi. Hinter ihm liegt ein halbes Jahr, in dem nahezu alles schief ging. Seine berufliche Perspektive ist offen. "Beschissener hätte es kaum laufen können", sagte er der Bild-Zeitung.

Nachdem er bei Tottenham Hotspur nach seinem Wechsel für 7,9 Mill. Euro von Hertha BSC Berlin nicht wie gewünscht zurecht kam, lieh ihn im Winter der BVB aus. Nach üblen Fouls gegen Bayerns Nationalstürmer Miroslav Klose oder Schalkes Mladen Krstajic wurde ihm von Franz Beckenbauer Absicht unterstellt. Wegen eines weiteren wüsten Tritts gegen den Wolfsburger Makoto Hasebe endete seine Saison mit einer Sperre.

Mit einem nächtlichen Streifzug durch Berlin mit Hertha-Profi Patrick Ebert und Anzeigen wegen angeblich abgetretener Autospiegel gab es einen weiteren Skandal abseits des Spielfeldes. Am Ende übernahm ihn Dortmund aus Kostengründen nicht. Die U21-EM als Chance, für andere vorzuspielen, verpasste er.

So wird er am 6. Juli zum Trainingsauftakt in England erscheinen, ohne Chance auf einen Stammplatz. Auf einen geschmacklosen Bericht britischer Medien, die ihn symbolisch köpften, entgegnete er nur: "Ich bin ja schon gewohnt, dass die Leute mich nicht mögen. Warum soll es mir in England anders als in Deutschland ergehen." Vielleicht findet er ja in Ghana sein Glück.

© SID

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