Fußball DFB
DFB-Boss Zwanziger zieht positive Jahresbilanz

Nicht nur wegen der erfolgreichen WM 2006 hat Dr. Theo Zwanziger eine durchweg positive Jahresbilanz gezogen, die aktuelle Problematik von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt dabei aber nicht vergessen.

Dr. Theo Zwanziger hat ein rundum positives Fazit des WM-Jahres 2006 gezogen. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vergaß bei aller Euphorie aber nicht, dass hinsichtlich der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs auch in den kommenden Jahren große Aufgaben zu bewältigen sind. "So etwas bringt nur der Fußball fertig mit seiner riesigen integrativen Wirkung, die noch besser genutzt werden muss. Dies muss auch ein Signal für die Zukunft sein, denn wir haben gerade auch im Fußball die Aufgabe, Menschen mit sozialen Nöten oder anderen Problemen einzubinden", fordert der 61-Jährige vor dem Hintergrund der sensationellen Atmosphäre bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer eine noch bessere Unterstützung des Fußballs von allen Seiten.

Deswegen appellierte der DFB-Boss im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) an alle verantwortlichen Entscheidungsträger, die integrative Wirkung des Sports im Allgemeinen und des Fußballs im Besonderen noch besser als bislang zu nutzen. "Diese WM ist für mich wegen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung nur mit der WM von 1954 zu vergleichen. Damals sorgte der Titelgewinn ebenfalls für eine große Aufbruchstimmung in einer Zeit, als in Deutschland in Folge der Kriegswirren immer noch eine depressive Stimmung herrschte. Diesmal hat der Fußball uns einen gesunden Patriotismus zurückgebracht und zudem das Bild unseres Heimatlandes im Ausland positiv verändert und nachhaltig geprägt", resümierte der DFB-Boss.

Fremdenfeindlichkeit mit allen Mitteln bekämpfen

Trotz der vielen positiven Dinge, die 2006 gebracht habe, erinnerte der DFB-Präsident aber auch an die negativen Seiten. "Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt sind Themen, die uns ernsthaft beschäftigen", betonte Zwanziger, der diese Problematik aber nicht zu hoch spielen will: "In einer Woche finden 80 000 Fußballspiele statt, bei fünf bis sechs Spielen kommt es zu Übergriffen. Das ist relativ wenig, und dennoch ist natürlich jeder Zwischenfalls einer zu viel."

Deswegen werde der DFB diesem Problem mit verschiedenen Maßnahmen entgegenwirken: "Nachdem wir schon konkrete Schritte unternommen haben, werden wir 2007 einen basisorientierten Fußball-Entwicklungsplan vorlegen, der den Vereinen auch in diesen Fragen Hilfestellung geben soll. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, wissen aber auch, dass diese Probleme nicht alleine fußballspezifisch sind."

Kritik der Stiftung Warentest noch nicht verdaut

Geärgert haben Zwanziger aber auch andere Dinge im ablaufenden Jahr. "Ich muss noch mal in aller Deutlichkeit feststellen, dass vor allem die Kritik der Stiftung Warentest an unseren WM-Stadien absolut unseriös war und unserem Ansehen geschadet hat. Da wollte sich jemand im Glanz der WM wichtig machen, obwohl ihm die Kompetenz fehlte."

Aufgeregt hat sich der gelernte Jurist zudem über Mitglieder seiner eigenen Zunft im Zusammenhang mit dem Revisionsverfahren gegen Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer: "Wenn ein wissenschaftlicher Streit um diverse Gutachten von einem Staatsanwalt zum Selbstzweck genutzt und nicht mehr das gesunde Rechtsempfinden der Bevölkerung reflektiert wird, dann ist es mit unserem Staat nicht zum Besten bestellt."

Hoffnung auf Sport-Schlagzeilen in 2007

Für 2007 erhofft sich Zwanziger, dass überwiegend der Sport die Schlagzeilen beherrscht, wobei die Nationalmannschaft nach wie vor das Aushängeschild des DFB sei. Deshalb sei es auch erfreulich, dass der Übergang im Bundestrainer-Amt von Jürgen Klinsmann zu Joachim Löw so nahtlos geklappt habe. "Wir werden diesen Weg konsequent weiterverfolgen und unsere Anstrengungen verstärken, diese Spielphilosophie auf all unsere Mannschaft zu übertragen. Wir wollen diese attraktive Spielweise beibehalten. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass es mittlerweile nicht nur auf die Ergebnisse, sondern vor allem auf die Spielweise ankommt. Man kann verlieren, aber dennoch neue Fans gewinnen."

Eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit Löw (Vertrag bis zum Ende der EM 2008) schloss Zwanziger aber aus: "Das ist kein Thema. Wir haben im gegenseitigen Einvernehmen bewusst den Vertrag bis zum Ende eines großen Turniers abgeschlossen. Alles andere macht keinen Sinn, wie man aus vielen Beispielen weiß."

© SID

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