Fußball DFB
DFB-Sportdirektor Sammer präsentiert Konzept

Matthias Sammer hat am Freitagabend sein Konzept zur ganzheitlichen Nachwuchsförderung vorgestellt. Der neue DFB-Sportdirektor will dabei besonders in der Schule ansetzen.

Rund ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat Matthias Sammer am Freitagabend in Frankfurt am Main sein Konzept zur ganzheitlichen Nachwuchsförderung vorgestellt. Der Europameister von 1996 legte in seinem zweistündigen Vortrag in der DFB-Zentrale das Hauptaugenmerk auf die Eliteförderung im Fußball und eine groß angelegte Schuloffensive.

"Wir müssen unbedingt an die Elite ran. Wir wollen da eine Vorreiterrolle übernehmen. Die Wirtschaft wartet schon darauf", sagte Sammer, der mit seinem Projekt vor allem den Schwung der WM 2006 nutzen und die gesellschaftliche Rolle des Fußballs weiter stärken will: "Man vergisst manchmal, dass die, die 2026 Weltmeister werden wollen, heute schon auf der Welt sind. Deshalb haben wir uns auf die Fahne geschrieben, sowohl gesellschaftliche als auch fußballerische Verantwortung zu übernehmen."

Seit seinem nicht ganz geräuschlos über die Bühne gegangenen Amtsantritt am 1. April - der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hatten Bernhard Peters als Sportdirektor favorisiert - wartete das DFB-Präsidium mit großer Spannung auf die Vorstellung des Sammer-Konzepts. Am späten Freitagabend präsentierte der Rotschopf dann mit großem Feuereifer sein langfristig angelegtes Projekt und heimste dafür großes Lob vom neuen DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger ein.

Lob von Zwanziger

"Ich bin sehr angetan von seinem Konzept. Denn er geht das Thema Nachwuchsförderung grundsätzlich und sieht auch den gesellschaftlichen Kontext, beispielsweise, wenn es um mögliche Initiativen des DFB in Kindergärten und Schulen geht", meinte Zwanziger, der die Vorstellung des sehr allgemein gehaltenen Zehn-Punkte-Plans allerdings nur als "eine erste Bestandsaufnahme" der Situation im Nachwuchsfußball bezeichnete.

Die Finanzierung der Eliteförderung soll laut Zwanziger kein Problem darstellen. Ein Teil der zehn Mill. Euro, die jährlich in das Talentförderprogramm fließen, werden wohl in das neue Elitekonzept einfließen. Zudem haben bereits große Unternehmen aus der Wirtschaft angekündigt, die Sammer-Kamapagne finanziell zu unterstützen.

In Sammers Schwitzkasten geraten in den kommenden Monaten insbesondere die DFB-Trainer, die für die Umsetzung der Eliteförderung verantwortlich zeichnen. "Die Trainer sind der Schlüssel zum Erfolg des Projekts. Genauso wie die Lehrer in der Schule der Schlüssel sind", meinte der 39-Jährige. Mit Hilfe von Broschüren sollen die Übungsleiter das neue Konzept schnell verinnerlichen.

Ziel ist die optimale individuelle Entwicklung der Nachwuchskicker durch eine Dokumentation der Laufbahn eines jeden Spielers von der "U15"-Nationalmannschaft bis zum A-Team. Dabei stehen wie unter Ex-Bundestrainer Klinsmann bei der WM-Vorbereitung Videoanalyse und Leistungsdiagnostik im Mittelpunkt.

Sammer fordert täglichen Schulsport

Während die Umstrukturierungen innerhalb des Verbandes bereits anlaufen, beschreiten Sammer und der DFB mit der Schuloffensive einen eher steinigen Weg. "Wir fordern täglichen Schulsport", meinte Sammer, der auf ein Schweizer Modell hinwies, bei dem täglicher Sport auch zu besseren Schulnoten geführt habe. Zudem ist dem Sachsen ein Dorn im Auge, dass bei Kindern immer mehr Krankheitsbilder festgestellt werden, die vor einigen Jahren frühestens im Erwachsenalter zum Vorschein kamen.

"Wenn ich mit der Politik rede, werde ich mit meiner früheren Grätsche reingehen, weil mir diese Entwicklung persönlich sehr weh tut. Was mir meine Kinder von Krankheiten ihrer Mitschüler erzählen, ist eine Katastrophe", meinte Sammer, der bei diesem Vorstoß auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Wissenschaft und dem Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) setzt.

© SID

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