Fußball DFB
Fan-Kongress übertrifft die Erwartungen

Der Fan-Kongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Leipzig hat die Erwartungen übertroffen. "Dieser Kongress hat sich zu 100 Prozent rentiert", meinte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn.

Der erste bundesweite Fan-Kongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Leipzig ist den Erwartungen mehr als gerecht geworden. "Es darf keine Kluft innerhalb des Fußball geben, die Fans haben unser Gesprächsangebot großartig angenommen - wir wollen den Dialog fortsetzen", resümierte DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Es wurde offen geredet, nichts unter den Teppich gekehrt." Donnernden Applaus der über 400 Teilnehmer hatte er für einen Aufruf erhalten: "Es ist absolut inakzeptabel, wenn Rassismus oder Antisemitismus auf den Fußballplätzen stattfindet oder Menschen wegen ihrer Religion oder Hautfarbe beleidigt werden." Die Fan-Vertreter einigten sich auf eine Selbstverpflichtung, gegen jede Form der Diskriminierung vorzugehen.

Konkrete Vorschläge auf fünf Gebieten

"Dieser Kongress hat sich zu 100 Prozent rentiert", meinte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. Die Fan-Vertreter waren in ihrer Einschätzung weniger euphorisch, wollen erst konkrete Taten durch die DFB-Gremien sehen. "Wir konnten alle Forderungen anbringen. Nun muss sich der DFB daran messen lassen, wie er mit unserem Katalog umgeht", sagte Martin Endemann als Vertreter der Fan-Beauftragten auf der gemeinsamen Pressekonferenz. Konkrete Vorschläge wurden beim weltweit einmaligen Meeting für die fünf Bereiche Fankultur, Spannungsfelder, Fanbetreuung, Antidiskriminierung und Länderspiele erarbeitet. So will man sich künftig auch mit der Ticketvergabe bei Auswärtspartien der DFB-Auswahl beschäftigen, um Ausschreitungen zu verhindern.

"Ein solcher Kongress kann selbstverständlich keinen Beschlusscharakter tragen. Aber der DFB wird alles daran setzen, die gemachten Zusagen im Laufe der zweiten Jahreshälfte umzusetzen", versprach DFB-Genereralsekretär Horst R. Schmidt. Bezüglich der Stadionverbote kündigte Spahn mehr Transparenz, Einzelfallprüfung, Flexibilität bei der Dauer (bisher in den 3 000 Fällen meist zwischen drei und fünf Jahren) und Einbeziehung der Heimatvereine an. Vermutlich wird künftig ein Jahr die Höchststrafe sein.

Beim Thema Fankultur sorgen beispielsweise die kurzfristigen Spielansetzungen für Unmut - hier soll es trotz der Zwänge eine Besserung geben. Auch die unterschiedlichen Bestimmungen für das Mitbringen von Fan-Utensilien in die Stadien kamen auf den Prüfstand. Hier soll sich der DFB mit einer Empfehlung bei den Vereinen für einheitliche Vorschriften einsetzen. Ein "Pilotprojekt" startet Zweitliga-Aufsteiger FC St. Pauli: Am Millerntor sind in der kommenden Saison grundsätzlich alle Utensilien erlaubt.

Zwanziger setzt auf Prävention

Für Zwanziger steht beim Thema Gewalt vor allem die Prävention im Vordergrund. Deshalb werde der DFB Fanprojekte auch weiterhin umfassend unterstützen: "Fanarbeit muss Dauerarbeit sein. Aber Gewalt sitzt tief in unserer Gesellschaft und ist kein ausschließliches Problem des Fußballs." Deshalb müssten sich auch Länder und Kommunen an der Finanzierung beteiligen.

Für Unverständnis an der Basis sorgte, dass bei den Diskussionen an zwei Tagen die Spitzen des Ligaverbandes komplett fehlten. Der amtierende Präsident Wolfgang Holzhäuser hatte aus privaten Gründen kurzfristig abgesagt. Auch prominente Spieler fehlten in Leipzig, die Polizei war immerhin mit einigen Beamten vertreten. 420 Fans und Offizielle wurden insgesamt gezählt, 50 Vereine waren darunter mit ihren Fanprojekten vertreten. Die Anhänger formulierten auch eine Forderung an die Polizei: Die Verhältnismäßigkeit im Umgang mit den Anhängern müsse wieder gewahrt werden.

Die Idee zu einem Fan-Kongress war nach einem schwarzen Wochenende im vergangenen Oktober mit Ausschreitungen und zahlreichen Verletzten rund um mehrere Fußballstadien in Deutschland geboren worden. Im Februar gab es bei Randalen in Leipzig von Fans des Ex-Europacupfinalisten 1. FC Lok nach einer Pokalpartie 39 verletzte Polizisten. Zwanziger: "Was es für eine positive Fankultur in Deutschland gibt, hat die WM im vergangenen Jahr gezeigt. Diesen Gedanken müssen wir auf alle Fußballplätze in Deutschland tragen, und der Fan-Kongress ist ein wichtiger Schritt dahin."

© SID

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