Fußball DFB
Gipfeltreffen der Frauen in Frankfurt

Heute messen in Deutschland und Brasilien die weltweit dominierenden Frauen-Auswahlen ihre Kräfte. "Solche Duelle sind große Herausforderungen", freut sich Silvia Neid.

Erster Testlauf für die WM 2011, Formcheck vor der EM, Revanche für Olympia und Rekordspiel in mehrfacher Hinsicht: Die Partie der deutschen Weltmeisterinnen gegen Vize Brasilien heute in Frankfurt/Main (18.15 Uhr/live im ZDF) ist weit mehr als die Neuauflage des WM-Finals von 2007. Bei der Begegnung vor der neuen europäischen Rekordkulisse von über 42 000 Zuschauern stehen der eingeleitete Umbruch innerhalb des Teams und der vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eingeschlagene Weg in Richtung WM auf dem Prüfstand.

"Das Spiel ist ein absoluter Knaller. Der Zuschauerzuspruch zeigt, dass unsere Sportart immer mehr respektiert wird. Solche Duelle sind große Herausforderungen. Da können die Spielerinnen zeigen, was in ihnen steckt", erklärte DFB-Trainerin Silvia Neid, die ihren Fokus auf den sportlichen Bereich richtet und die sich wichtige Erkenntnisse im Hinblick auf die EM vom 23. August bis 10. September in Finnland erhofft: "In solchen Begegnungen werden Schwächen aufgedeckt, so dass wir wissen, woran wir bis zur EM-Endrunde noch arbeiten müssen."

Bei Olympia 2008 siegten die Brasilianerinnen klar

Neid weiß, wovon sie spricht. Schon bei der 1:4-Pleite im Halbfinale der Olympischen Spiele 2008 haben die brasilianischen Ballzauberinnen um Weltfußballerin Marta die Schwächen der Deutschen klar zum Vorschein gebracht. Die Spielerinnen des Europameisters, die von Neid wegen mangelhafter Fitness zuletzt mehrfach kritisiert wurden, haben diese Schlappe noch nicht vergessen.

"Mich wurmt diese Niederlage immer noch. Deshalb wollen wir Wiedergutmachung betreiben. Die Mannschaft ist hochmotiviert", sagte Torhüterin Nadine Angerer, die auch den Höhepunkt ihrer Karriere mit den Brasilianierinnen verbindet. Schließlich hielt die 30-Jährige beim WM-Triumph vor zwei Jahren einen Strafstoß von Marta und sicherte somit den 2: 0-Finalsieg. "Wenn es am Mittwoch 2:0 für uns steht, kann es in der 94. Minute gerne wieder einen Elfmeter gegen uns geben", meinte Angerer mit einem Augenzwinkern.

Auch ein organisatorischer Erfolg wird dringend benötigt

Ein erleichtertes Augenzwinkern hatte auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach zu bieten, als er den Vorstoß des Verbands in neue Dimensionen verkünden konnte. "Vorher war uns schon ein wenig mulmig", meinte der Funktionär nachdem er die Rekordkulisse und die Rekordeinnahme für ein Frauen-Länderspiel in Höhe von 450 000 Euro bekannt gegeben hatte.

Die Erleichterung ist verständlich. Der DFB benötigt den organisatorischen Erfolg, um seine Expansionspläne im Frauenbereich weiter vorantreiben zu können. Laut Niersbach, dessen Verband am Mittwoch den WM-Slogan bekannt geben wird, sollen auch die Nationalspielerinnen vom erhofften Boom profitieren: "Es gibt die klare Ankündigung des DFB, dass wir die Mannschaft an den Marketing-Einnahmen beteiligen wollen. Das gilt ab sofort."

Ob die bisherige Galionsfigur des deutschen Frauenfußballs ihren Anteil am erhofften Boom haben wird, ist allerdings fraglich. Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz (188 Spiele) stellte zu Beginn der Woche ihre WM-Teilnahme erneut in Frage. "Die WM 2011 ist ein Ziel für mich - aber nicht um jeden Preis. Es könnte ein perfekter Abschluss sein, aber ich muss mich fit dafür fühlen", sagte die 31-Jährige.

Am Mittwoch wird Prinz allerdings mit von der Partie sein. Dagegen fehlen im deutschen Kader, in dem noch 14 Weltmeisterinnen stehen, die verletzten Inka Grings, Kerstin Stegemann und Ariane Hingst sowie die kranke Celia Okoyino da Mbabi.

© SID

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