Fußball DFB
Hoffenheim kommt mit Geldstrafe davon

Bundesligist 1899 Hoffenheim ist in der Dopingtest-Affäre mit einem blauen Auge davongekommen: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilte den Herbstmeister am Montag zu einer Geldstrafe in Höhe von 75 000 Euro, der Physiotherapeut und Hoffenheimer Doping-Beauftragte Peter Geigle muss 2 500 Euro zahlen.

Den Punkt aus der Partie bei Borussia Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar darf der Titelaspirant aber behalten, da die Rheinländer den Einspruch gegen die Spielwertung wegen eines eigenen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Richtlinien zurückzogen.

"Kein Fall, um mit dem großen Knüppel zu schwingen"

"Ein Punktabzug wäre schlicht unverhältnismäßig gewesen. Aber das war kein Fall, um mit dem großen Knüppel zu schwingen. Es war kein klassisches Doping-Vergehen. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das Urteil beim DFB großen Beifall findet, aber die Bundesliga ist nun wachgerüttelt worden und für die Einhaltung der Anti-Doping-Richtlinien sensibilisiert", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, bei der Urteilsbegründung und stellte klar: "Wir wollten den Fall weder bagatellisieren noch dramatisieren, um damit die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen das Doping zu unterstreichen."

Hoffenheims Manager Jan Schindelmeiser zeigte sich erleichtert: "Ich glaube, dass es ein salomonisches und kluges Urteil ist. Ich hoffe, dass die Spieler endgültig aus der Schusslinie sind und das Thema offenbar beendet ist."

Verhandlung dauerte fünf Stunden

Bei der über fünfstündigen Verhandlung in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main wurden bei den beim Spiel in Mönchengladbach Anfang Februar um zehn Minuten verspätet abgegebenen Doping-Proben der 1899-Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker zahlreiche Verfahrensfehler seitens der beklagten Hoffenheimer, aber auch seitens des Verbandes offenbar.

Geigle hatte sich laut DFB-Kontrollausschuss eines "grob fahrlässigen und unsportlichen Verhaltens" schuldig gemacht, da er die Information, dass Ibertsberger und Janker unmittelbar nach Spielschluss zur Kontrolle mussten, eigenen Angaben zufolge "vergessen" hatte, weiterzugeben.

Rittmüller nicht zuständig

Allerdings hielt sich auch der für die Dopingtests zuständige und mittlerweile vom Verband suspendierte DFB-Kontrollarzt Rainer Klischies nicht an die Richtlinien. Denn Klischies überreichte das offizielle rote Formular, auf dem grundsätzlich die beiden Namen der für die Doping-Probe ausgelosten Spieler stehen, nicht dem Doping-Beauftragten Geigle, sondern Teammanager Dirk Rittmüller. Der nicht zuständige Rittmüller übergab den Umschlag dann nach Spielschluss Hoffenheims Teamarzt Pieter Beks.

Beks ging daraufhin in den Doping-Kontrollraum, wo allerdings nur die Gladbacher Spieler Steve Gohouri und Roel Brouwers zu finden waren. Daraufhin machte sich Beks auf die Suche nach Ibertsberger und Janker, die beide in der Kabine saßen und noch gar nichts von der anstehenden Kontrolle wussten.

Profis bleiben straffrei

Ibertsberger war eigenen Angaben zufolge in diesem Moment "halbnackt" und kam auch deshalb verspätet zur Doping-Kontrolle. Die beiden Hoffenheimer Profis blieben auch nach der Verhandlung gegen den Verein und Geigle erwartungsgemäß straffrei. Zuvor war das Verfahren gegen die beiden Hoffenheimer Profis bereits vorläufig eingestellt worden.

Dass sich Teamarzt Beks gar nicht in der Kontroll-Kabine hätte aufhalten dürfen, da er nicht als offizieller Doping-Beauftragter der Kraichgauer auf dem Spielberichtsbogen stand, wusste selbst DFB-Kontrollarzt Klischies nicht. Da sich auch der Gladbacher Teamarzt Heribert Ditzel in der Kontroll-Kabine befand, obwohl er nicht als Doping-Beauftragter auf dem Spielberichtsbogen stand, machte zudem den Einspruch der Gladbacher gegen die Spielwertung unmöglich.

Gladbach zahlt Verhandlungskosten

Wie die Hoffenheimer verstießen auch die Gladbacher gegen die Anti-Doping-Richtlinien und hätten deshalb auch keine Chance auf eine Änderung der Wertung des Spiels gegen Hoffenheim gehabt. Der Abstiegskandidat zog den Einspruch zurück und zahlt nun die Verfahrenskosten.

Derweil gab der DFB bekannt, dass als Konsequenz aus der Doping-Affäre ab der kommenden Saison das Chaperon-System eingeführt werden soll. Bei einer DFB-Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag wurde von DFB-Vizepräsident Rainer Koch eine Absichtserklärung verfasst, damit bei einer der nächsten Sitzungen des Gremiums das Chaperon-System im deutschen Fußball beschlossen werden kann. Beim in anderen Sportarten wie dem Radsport längst angewendeten Chaperon-System unterstützen neutrale Hilfspersonen Doping-Kontrollärzte bei Wettkampfkontrollen.

© SID

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