Fußball DFB
Löw kann Sammer-Kritik nicht nachvollziehen

Mit seiner Kritik an der EM-Abschluss-Party der deutschen Nationalmannschaft in Berlin stößt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer bei Nationaltrainer Joachim Löw auf Unverständnis.

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) herrscht derzeit dicke Luft. Während den ehrgeizigen DFB-Sportdirektor Matthias Sammer wegen der Party der deutschen Nationalmannschaft nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien (0:1) auf der Berliner Fanmeile mit Blick auf den Nachwuchs auch am Donnerstag noch "Bauchschmerzen" plagten, reagierten Bundestrainer Joachim Löw und seine Spieler mit großem Unverständnis auf die Kritik des Europameisters von 1996.

"Wir gehen da nicht hin, um uns selbst feiern zu lassen, sondern es ist lediglich ein großes Dankeschön von uns Spielern an die Fans. Es ist ein schöner Ausklang einer EM oder WM - egal ob mit Titel oder ohne", sagte Außenverteidiger Philipp Lahm von Meister Bayern München der Bild-Zeitung. Sein Teamkollege Marcell Jansen machte deutlich: "Wir haben als Mannschaft entschieden, dass wir dahin fahren. Weil die Fans es verdient haben, uns zu sehen."

Allerdings richtete sich Sammers auf dem 51. Internationalen Trainer-Kongress in Wiesbaden geäußerte Kritik offenbar nicht an die Verabschiedung von den Fans im Allgemeinen. Für den ehemaligen Bundesliga-Trainer des VfB Stuttgart und von Borussia Dortmund war es nach eigener Aussage eine "Selbstverständlichkeit", dass sich die während der EM völlig abgeschotteten Nationalspieler zumindest nach dem Turnier in der Hauptstadt noch einmal bei ihren Anhängern blicken ließen.

Falsches Signal

Vielmehr wollte Sammer nach dem Gewinn des Europameistertitels der U19-Junioren aufzeigen, dass ein solch berauschendes Fest vor 100 000 Zuschauern vor dem Brandenburger Tor nach einem verlorenen Endspiel das falsche Signal für den DFB-Nachwuchs sei.

"Ich habe bei der U19-EM gemerkt, dass diese Feier einige Spieler irritiert hat. Es war richtig, sich bei den Fans zu bedanken. Aber ich habe Bauchschmerzen, wenn wir uns für eine sportliche Niederlage feiern lassen. Ich habe das Problem, so etwas einem U19-Nationalspieler zu erklären und dann vor einem Finale den letzten Siegerinstinkt rauszukitzeln", sagte der 40-Jährige. Als Kritik an Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, der die Fete gemeinsam mit DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach organisiert hatte, wollte Sammer seine Worte aber nicht verstanden wissen.

Dass die deutschen Nationalspieler mit ihrem Verhalten bei der EM-Abschlussparty ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht wurden, sorgte insbesondere bei dem noch bis Ende der Woche im Urlaub weilenden Löw für Kopfschütteln. "Die Veranstaltung in Berlin war keine Siegesfeier, sondern nur das Dankeschön an unsere Fans. Mit der Veranstaltung in Berlin haben die Spieler auch in ihrer Vorbildfunktion gegenüber den Jugendspielern ein ganz wichtiges Signal gesetzt", sagte Löw der Bild.

Zwanziger um Vermittlung bemüht

Derweil versuchte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger am Donnerstag die Wogen zu glätten und kündigte ein Gespräch mit der sportlichen Führung an. "Die Zusammenarbeit zwischen Bundestrainer Löw, Teammanager Bierhoff und Sportdirektor Sammer verlief immer zu unserer Zufriedenheit, alle ergänzen sich gegenseitig hervorragend. Wenn es dann einmal in Detailfragen unterschiedliche Meinungen gibt, bedeutet das nicht automatisch, dass es große Konflikte gibt. Bisher haben wir dann immer miteinander gesprochen und schnell eine gemeinsame Linie gefunden", meinte Zwanziger.

© SID

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