Fußball DFB
Mayer-Vorfelder feiert heute seinen 75. Geburtstag

Gerhard Mayer-Vorfelder, Ehrenpräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), feiert heute seinen 75. Geburtstag. An den verdienten Ruhestand denkt "MV" aber noch lange nicht.

Rosenzüchter? Rosenzüchter wie angeblich Hans Meyer? Rosenzüchter wird Gerhard Mayer-Vorfelder nie. Seine Frau Margit schüttelt sich vor Lachen bei dieser Frage. "Eher Bücherwurm", sagt sie. Ein Heinrich Heine, der am Ende seiner Tage in der Matratzengruft lag, wird er aber gewiss auch nicht. Und auch mit Goethes "Wanderers Nachtlied" (Ach, ich bin des Treibens müde) kann er nichts anfangen.

Abgesehen von anderen politischen Überzeugungen als der Emigrant aus Düsseldorf ist Mayer-Vorfelder kein Gruftie. Fasziniert ist er von der Blechtrommel des Günter Grass. "Ich bleibe dem Fußball erhalten. Ich mische mich weiter ein", sagte "MV" im Gespräch mit dem Sport-Informationsdienst (sid) kurz vor seinem 75. Geburtstag am heutigen Tag, sich abwendend von seiner Bücherwand, die von historischen Biographien dominiert wird.

"Mein Leben ist Fußball"

Als Ehrenpräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) darf er das. Im Weltverband Fifa ist sein Rat als Fachmann in Vereinsfragen gefragt, obgleich Franz Beckenbauer ihn im Großen und Ganzen - im Exekutiv-Komitee - abgelöst hat. Bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa), wo er demnächst ausscheiden muss, ist ihm schon ein Beratervertrag angeboten worden. Mayer-Vorfelder: "Mein Leben ist Fußball, und Fußball wird mein Leben bleiben."

Manchmal ersetzt er sogar Michel Platini: "Mein Französisch wird immer besser." Beim Champions-League-Spiel Lyon-Manchester war er der offizielle Uefa-Beobachter - und wurde von Paul Bocuse persönlich bekocht. Das sind Momente, die ein Gourmet nie vergisst.

Der Kreis hat sich geschlossen: Heute sitzt er wieder in einem Büro des Baden-Württembergischen Fußball-Verbandes, dessen Vorstandsmitglied er von 1968 bis 1985 war. Von 1975 bis 2000 außerdem Präsident des VfB Stuttgart, von 1992 bis 2007 Mitglied der Fifa-Exekutive, bis auf eine kleine Ausnahme, als er als Vertreter der "Großen" gegen Joseph Mifsud (Malta) verlor. Seit 2000 Mitglied in der Uefa-Exekutive, von 2001 bis 2006 DFB-Präsident, am Schluss mit Theo Zwanziger als Doppelspitze.

Theo Zwanziger leistet gute Arbeit

Der lobt heute: "Sein Einsatz für die WM 2006 und die Frauen-WM 2011 waren beispielhaft. Auch seine Arbeit für die Verbesserung der Nachwuchsarbeit ist beeindruckend. Und wenn heute Liga und DFB gemeinsam marschieren, hat er dieses Ziel nachhaltig mitgeprägt."

Liga-Präsident Reinhard Rauball weist im neuesten Bundesliga-Magazin auf einen tiefen Widerspruch im Charakter des Bonvivants hin: "In den 15 Jahren, die er dem Ligaausschuss des DFB vorstand, kämpfte er für Solidarität unter den Klubs und gemeinsame Vermarktungsstrategien. Das führte dazu, dass er als Sozialist und Gleichmacher beschimpft wurde."

"MV" ein Sozialist! So weit wird es in seinem Leben nicht mehr kommen. Der überzeugte Christdemokrat, der einst Schüler von der Abiturprüfung ausschließen ließ, weil sie in Turnschuhen antraten: "Auch mit 75: Ich bleibe im Unruhestand."

Dann kommt der Ehrenpräsident doch noch auf Goethe zurück und zitiert eine Zeile aus Hermann und Dorothea, die sein Leitmotiv in allen politischen und sportlichen Jahren war: "Denn der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist, der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter; aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich." So offen hat MV seine Lebensphilosophie bislang wohl selten präsentiert.

Per Rad durch Frankreich

Der frühere Kultus- und Finanzminister von Baden-Württemberg, der auch den Fall Peter Graf durchgestanden hat, war - was kaum jemand weiß - während seiner Militärzeit Fallschirmjäger. Und noch eine Facette des gebürtigen Mannheimers: Der Freund der Franzosen hat das Nachbarland einst per Rad erkundet.

Am Montag wird er wieder in seinem Haus in einem Ortsteil von Bad Cannstatt herumwieseln müssen. Da sind rund 80 Leute zu einer halb privaten, halb öffentlichen Geburtstagsfeier geladen. Vorher gibt der DFB am Mittag einen Empfang. Unruhestand. Und irgendwann, am späten Abend, wird "MV" sein Lieblingslied zum Besten geben und Frank Sinatra imitieren: "I did it my way". Und der war, bei aller berechtigten Kritik, der schlechteste nicht.

© SID

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