Fußball
DFB-Nachwuchs nach Rassismus-Vorwürfen am Boden

dpa LEVERKUSEN/FRANKFURT. Dem bitteren Aus in der EM-Qualifikation folgten schwere Rassismus-Vorwürfe gegen die deutschen Nachwuchsfußballer.

Während das 0:2 der U 21-Nationalmannschaft gegen England schnell als Betriebsunfall abgehakt wurde, hinterließen die Anschuldigungen der englischen Spieler beim DFB-Nachwuchs einen faden Nachgeschmack. „Diese Niederlage sagt nichts über die Entwicklung unserer Talente aus. Was das angeht, sind wir klasse“, reagierte Trainer Dieter Eilts gelassen auf das Scheitern seines Teams.

Einen Tag später war Eilts in einer ganz anderen Mission gefragt. In einer eilig vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) angeordneten telefonischen Befragung durch den Coach wiesen die erreichbaren Akteure den Vorwurf zurück, sie hätten die dunkelhäutigen Spieler Micah Richards und Anton Ferdinand während des Spiels in der Leverkusener Bayarena beleidigt.

Unter anderen widersprach Aaron Hunt von Werder Bremen der in englischen Medien erhobenen Beschuldigung, er habe seine Gegenspieler als „Affen“ beschimpft. „Ich habe keine rassistischen Ausdrücke gebraucht. Natürlich hat es in diesem Spiel von beiden Seiten einige heftige verbale Auseinandersetzungen gegeben, aber so etwas passiert in jedem Spiel“, erklärte Hunt.

Trotz des Dementis will der englische Verband FA die Europäische Fußball-Union (Uefa) in den nächsten Tagen über die Vorkommnisse informieren. „Das muss untersucht werden. Wenn etwas vorgefallen ist, wird das Konsequenzen haben“, sagte Uefa-Präsident Lennart Johansson dem englischen Radio-Sender BBC. Offiziell will die Uefa zu dem Fall aber erst Stellung beziehen, wenn sie den Bericht des tschechischen Schiedsrichters Jaroslav Jara erhalten hat.

Die sportlichen Bemühungen des DFB-Nachwuchses waren vor 20 800 Zuschauern erfolglos geblieben. Obwohl ab der 13. Minute durch eine Rote Karte für den Dortmunder Markus Brzenska in Unterzahl, dominierten die Hausherren das Match, nutzten aber ihre Torchancen nicht. Lokalmatador Gonzalo Castro ließ mit einem verschossenen Foulelfmeter (22.) die größte Möglichkeit ungenutzt, um den Rückstand aus dem Hinspiel zu egalisieren. „Ich habe mich sicher gefühlt“, sagte Castro, der später mit ansehen musste, wie der 17 Jahre alte Theo Walcott mit zwei Kontertreffern (84./90.+2) das Spiel für die Gäste entschied.

Durch die verpasste EM-Teilnahme kann sich der deutsche Nachwuchs auch nicht mehr für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizieren. „Gleich zwei bedeutende Turniere verpasst zu haben, werde ich wohl erst im nächsten Juni realisieren, wenn die EM in den Niederlanden steigt“, sagte Castro. Eilts bescheinigte seinen Schützlingen zwar eine „exzellente Leistung mit Herz, Leidenschaft, aber ohne Glück“. Spielerische Elemente ließ die DFB-Auswahl gegen die defensivstarken Briten allerdings vermissen.

Diskussionsthema war deshalb die umstrittene Nominierung von Piotr Trochowski zur A-Nationalelf. Der Hamburger fehlte als Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel. „Der Zeitpunkt, Trochowski ausgerechnet vor den Playoff-Partien hochzuziehen, war unglücklich. Wir hätten seine Qualitäten brauchen können“, meinte Michael Rensing. Für den DFB-Keeper vom FC Bayern München hat die Karriere in der Junioren-Nationalmannschaft ebenso ein abruptes Ende genommen wie für die meisten seiner Mitstreiter.

Eilts, der den Ausbildungsgedanken in den Vordergrund stellte, und DFB-Sportdirektor Matthias Sammer verteidigten die Maßnahme von Bundestrainer Joachim Löw, Trochowski der U 21 zu entziehen. „Wenn sich einer im A-Team festspielen kann, muss die Chance genutzt werden. Alles andere ist indiskutabel“, so Sammer. Das individuelle Wohl eines Spielers sei höher zu bewerten als die Chance einer ganzen Mannschaft, bei einer EM weitere Erfahrungen zu sammeln und Junioren-Europameister werden zu können.

Nachdem der DFB-Nachwuchs schon vor vier Monaten die Teilnahme an der U-20-WM 2007 verpasst hatte, steht nun der große Umbruch bevor. Die Spieler der Jahrgänge 1984 und 1985 werden den Junioren-Bereich verlassen. Aus den Startformationen der England-Spiele stehen nur Castro, Hunt, Eugen Polanski (Borussia Mönchengladbach) und Kevin-Prince Boateng (Hertha BSC) für die im Herbst 2007 beginnende Qualifikation zur U-21-EM 2009 zur Verfügung. Eilts will das Vakuum bis dahin mit Testspielen füllen. „In unserem A-Team spielen schon viele junge Leute. Die Bundesliga und der DFB haben eine gute Arbeit gemacht“, meinte er.

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