Fußball DFB
Niersbach: Die Akten haben null Brisanz

Wolfgang Niersbach kann auch einen Tag nach der Durchsuchung in der DFB-Zentrale nicht verstehen, warum es dazu kam: "Wir können nicht verstehen wie mit uns umgegangen wird."

Die Durchsuchungen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) haben am Dienstag hohe Wellen geschlagen. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach bezieht in einem Interview nun Stellung zu den Vorwürfen und kündigt rechtliche Schritte an.

Frage: "Herr Niersbach, haben Sie neue Erkenntnisse zur Durchsuchung der Geschäftsräume des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball Liga durch Beamte der Kriminalpolizei und des Bundeskartellamts am Dienstag?"

Wolfgang Niersbach: "Es gibt keine neuen Erkenntnisse. Nach den Äußerungen des Kartellamts ist es wohl tatsächlich so, dass sich der konkrete Fall aus einem Artikel der Sport Bild von April 2007 ergibt. Warum man dann zehn Monate braucht, um nachzuhaken, verstehe ich nicht."

Frage: "Sie können die Durchsuchung also nach wie vor nicht nachvollziehen?"

Niersbach: "Es ist doch so, dass man in zehn Monaten genügend Zeit gehabt hätte, um sich zu erkundigen, was dahintersteckt. Wenn auf jeden Verdacht hin, dass eine Ordnungswidrigkeit vorliegen könnte, direkt eine Hausdurchsuchung angeordnet wird, dann haben die Behörden viel zu tun."

Frage: "Sie bemängeln die Verhältnismäßigkeit der Mittel?"

Niersbach: "Wir können einfach nicht verstehen wie mit uns umgegangen wurde. Es wurde missachtet, dass wir in Partnerschaft mit dem Ligaverband leben. Der Ligaverband ist Teil des DFB. Dass dabei auch Rechte übertragen werden, ist normal und gehört zu unseren Geschäftsvorgängen."

Frage: "Sie hätten einen anderen Umgang der Behörden mit dem DFB erwartet."

Niersbach: "Der DFB hat einen Status, den wir uns auch während der WM erworben haben. Wir waren damals im ständigen Kontakt mit den Behörden und Ministerien. Und ich denke, wir haben uns in dieser Zeit als seriöser und verlässlicher Partner gezeigt. Dass man dann mit einem Partner so umgeht, verstehe ich nicht."

Frage: "Das Ganze erinnert an die Vorwürfe der Stiftung Warentest vor der WM hinsichtlich der WM-Stadien. Sehen sie das auch so?"

Niersbach: "Es gab immer schon Nachfragen von Institutionen bei uns, und auch das Kartellamt ist natürlich legitimiert. Aber die Akten, die beschlagnahmt wurden, hätte ich ihnen kopieren und faxen können. Die Akten haben aus unserer Sicht null Brisanz. Wenn so etwas passiert, fragt man sich natürlich immer, ob man etwas falsch gemacht hat. Aber die Sache mit der Stiftung Warentest war ja auch ein Stück aus dem Land Absurdistan."

Frage: "Können sie noch einmal erklären, was es mit dem konkreten Fall auf sich hatte, der die Aktion des Kartellamtes auslöste?"

Niersbach: "Es ging darum, dass der Vertrag von RWE als Sponsor von Bayer Leverkusen auslief. Leverkusen hatte wohl die Info, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Zur gleichen Zeit interessierte sich RWE dafür, bei uns Partner im Juniorenbereich zu werden. Diese Info hat Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser in den falschen Hals bekommen. Wir haben Leverkusen dann aufgeklärt, dass das Interesse von RWE und nicht von uns kam, und das war es dann. Danach kam es dann zum Zitat unseres Präsidenten Theo Zwanziger, bei dem er sagte, dass man sich da in Zukunft besser abstimmen müsse."

Frage: "Wie sieht ihr weiteres Vorgehen aus? Werden sie rechtliche Schritte einleiten?"

Niersbach: "Wir schalten einen Anwalt ein. Wir wollen alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um uns gegen diese Vorgehensweise zu wehren. Das sind wir unseren sechs Mill. Mitgliedern schuldig."

© SID

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