Fußball DFB-Pokal
Der Traum vom Cup-Wunder – Lahm warnt

Die Großen haben Angst vor Blamage und Gespött, die Kleinen wollen zum Stolperstein werden. Der ewig reizvolle Kampf David gegen Goliath würzt den Auftakt des 67. DFB-Pokalwettbewerbs.

dpa DÜSSELDORF. Im Prolog der neuen Bundesliga-Saison hat der klassentiefste Club das große Los gezogen, die Spvgg Neckarelz aus der sechstklassigen Verbandsliga Nordbaden fordert den Rekord-Cupgewinner Bayern München. "Das ist das erste Pflichtspiel, und wir haben uns in den vergangenen Jahren immer sehr schwer getan in den ersten Runden", warnte Bayern - Nationalspieler Philipp Lahm vor dem Fußball-Zwerg, der im Liga- Alltag Gegner wie den FC Zuzenhausen oder den FC 07 Heidelsheim hat.

Neckarelz ist das Synonym für Außenseiter wie die SG Sonnenhof Großaspach, die Spvgg Weiden, Kickers Emden, Germania Windeck, der FC Oberneuland oder die Sportfreunde Lotte. Alle können sich über eine Antrittsprämie von 100 000 Euro freuen. Für Thomas Ulmer, den Neckarelzer Vereinsboss, ist der Auftritt des Gegners aus München mit dem neuen Coach Louis van Gaal und dem Star-Ensemble um 30-Millionen- Euro-Einkauf Mario Gomez zum "Sechser im Lotto" geworden: Bis zu 300 000 Euro soll der Gewinn betragen. Sportlich scheint alles klar, doch Lahm warnt vor dem Ehrgeiz der Amateure. "Auch diese Mannschaft muss man ernst nehmen", sagte er zur Elf aus dem Neckar-Odenwald- Kreis, die aus dem heimischen Elzstadion in die Bundesliga-Arena von 1 899 Hoffenheim umzieht und dort mehr als 30 000 Zuschauer erwartet.

In Weiden, wo für die Partie des Süd-Regionalligisten gegen Borussia Dortmund 40 000 Karten-Nachfragen vorlagen, in Windeck, das als fünftklassiger NRW-Ligist gegen Schalke 04 in die Kölner WM-Arena ausweicht, oder in Heilbronn beim Schwaben-Derby zwischen Viertligist Großaspach und dem VfB Stuttgart, der noch ohne Rückkehrer Alexander Hleb antritt, sind die Erstrunden-Begegnungen spätestens seit der Auslosung ebenfalls zu "Jahrhundertspielen" geworden.

Träumen ist erlaubt: "Wenn es zur Halbzeit noch 0:0 steht.. ." - Windecks Geschäftsstellen-Mitarbeiter Willi Willmeroth hofft gegen Schalke "natürlich auf die Sensation". In Neckarelz hält Spvgg- Abteilungsleiter Matthias Piringer ein Fußball-Wunder für machbar: "Wenn wir 45 Minuten ein 0:0 halten können, ist alles möglich." Der ehemalige Nationalspieler Mario Basler, Chefcoach des Viertligisten Eintracht Trier, will Hannover 96 als vermeintlich übermächtigen Gegner "aufs Kreuz legen". Michael Fritsch, Präsident der Spvgg Weiden, brachte es auf den Punkt: "Im Pokal, das hat die Geschichte gezeigt, sind die sogenannten Kleinen ja nicht chancenlos."

Der Titelverteidiger hat es schon wieder nach Berlin geschafft, allerdings nur durch das von Weltmeisterin Renate Lingor gezogene Los: Werder Bremen ist Gast bei Zweitliga-Aufsteiger Union Berlin. "Wir wollen versuchen, unsere Außenseiterchance mit hoher Moral und großem Kampfgeist zu nutzen", sagte Union-Sportdirektor Christian Beeck. "Frech und unbelastet" sollen die Spieler des Bremer Regionalligisten Oberneuland laut Trainer Mohammed Amiq den drei Klassen höher spielenden Konkurrenten Hoffenheim fordern.

Ein brisantes Duell ist das Main-Derby zwischen den Offenbacher Kickers aus der 3. Liga und Eintracht Frankfurt. "Wir sind alle heiß auf das Spiel. Jeder Spieler kann ein Held werden", kündigte Kickers- Manager Andreas Möller vollmundig an. OFC-Coach Hans-Jürgen Boysen will mit seiner Elf "alles dafür tun, dass es eine heiße Geschichte wird". Für seinen Widerpart, den neuen Eintracht-Trainer Michael Skibbe, zählt dagegen bei der Pflichtspiel-Premiere "nur der Sieg".

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