Fußball DFB-Pokal
Ein Pokalspiel mit unterschiedlichen Ansichten

Wer die Verantwortlichen des FC Bayern nach dem glücklichen Erfolg im Elfmeterschießen bei Wacker Burghausen zur Pokal-Leistung des Rekordmeisters befragte, konnte meinen, es liefen ganze zwei Spiele an diesem Abend.

Hoch gelobt wurden sie und wären doch beinahe sehr tief gefallen. Nach dem Erfolg beim "Vorbereitungsturnier" Ligapokal war der FC Bayern München von einigen bereits für nahezu unschlagbar und zum "Vorab-Meister" erklärt worden. Eine langweilige Saison wurde prognostiziert, in der die Konkurrenz das von Uli Hoeneß so lieb gewonnene und gern zitierte Fernglas auspacken müsse, um die Bayern an der Tabellenspitze zu sehen.

Sechs Tage vor dem Bundesliga-Start am Samstag gegen Hansa Rostock sind die Stars von Bayern München in der ersten Runde des DFB-Pokals von der Realität eingeholt worden. Zwar verhinderte der deutsche Rekordmeister dank Oliver Kahn durch ein 4:3 im Elfmeterschießen (1: 1, 1:1, 0:0) bei Regionalligist Wacker Burghausen eine Blamage - die 120 unterhaltsamen Pokalminuten machten aber deutlich, dass die Saison für Franck Ribery und Co. nicht der von vielen erwartete Spaziergang zum angestrebten Triple werden würde.

Während Trainer Ottmar Hitzfeld und Elfmeter-Held Kahn trotz des Zittersiegs mit der Leistung des FC Bayern zufrieden waren, äußerte Präsident Franz Beckenbauer Kritik an der für rund 70 Mill. Euro rund erneuerten Mannschaft. "Burghausen hat es uns zwar schwer gemacht, aber wir haben nicht gezeigt, was wir können. Das Spiel gefällt mir nicht, das ist Zirkus Sarrasani oder Krone. So kommen wir nicht weiter, wenn wir im Strafraum nur immer hin und her spielen", moserte der Kaiser am Rande einer DFL-Veranstaltung in Berlin.

"Baustelle" Chancenverwertung

Eine Einschätzung, die Hitzfeld und Kahn gar nicht oder nur bedingt teilen wollten. Bis zum Strafraum habe sein Team "sehr gut" gespielt und "gute Anlagen" gezeigt, meinte der Trainer. Kahn will sogar eine "fantastische Bayern-Mannschaft" gesehen haben. Eine Einschränkung folgte jedoch bei beiden. "Wir haben leider das Tor nicht getroffen", monierte der Keeper. Hitzfeld formulierte seinen einzigen Kritikpunkt so: "Wir haben bei der Auswertung gesündigt. Da hat die letzte Frische und Konzentration gefehlt."

Oder "der stand immer richtig". Kahn meinte seinen 18 Jahre alten Burghausener Torwart-Kollegen Manuel Riemann, der vor 11 582 begeisterten Zuschauern im ausverkauften Wacker-Sportpark über sich hinauswuchs und tolle Möglichkeiten der Bayern fast im Dutzend vereitelte. Es sei ihm egal, äußerte das Wacker-Talent anschließend frech, "ob Ribery oder einer aus der Regionalliga auf mich zukommt, die können auch nicht zaubern".

Nur Kahn stiehlt Riemann die Show

Dass Riemann, der beim Elfmeterschießen zwei Bälle hielt und den fünften Elfer sogar selbst verwandelte, nicht zum großen Helden avancierte, lag letztendlich an Kahn. Der 38-Jährige zeigte in seiner Abschiedssaison im entscheidenden Moment wieder einmal seine Klasse und Nervenstärke, parierte die Elfmeter von Markus Palionis und Thomas Mayer und verhinderte damit laut Burghausens Trainer Ingo Anderbrügge "eine Riesensensation".

"Ich mache seit 14 Jahren nichts anderes, als mich auf den Punkt zu konzentrieren, an dem ich gebraucht werde. Aber es ist trotzdem ein gutes Gefühl, die Elfmeter gehalten zu haben", sagte der Bayern-Keeper.

Der knappe Erfolg im Elfmeterschießen - in der regulären Spielzeit hatte Miroslav Klose (79.) die überraschende Führung des mutig agierenden Regionalligisten durch Thomas Neubert (61.) ausgleichen können - kam Hitzfeld kurz vor dem Bundesliga-Start aber nicht ganz unrecht: "Man hat gesehen, dass wir noch hart an uns arbeiten müssen und dass die Saison kein Selbstläufer wird. Es ist immer gut, wenn man einen Ansatz hat."

Der Ansatz war in Burghausen die Chancenverwertung, weshalb der Bayern-Trainer hofft, "dass Luca Toni bald wieder fit wird". Der Weltmeister aus Italien hat nach einer Sehnenverletzung am Knie am Montag erstmals wieder mit dem Ball trainiert und soll am Donnerstag wieder zur Mannschaft stoßen. Es sei zwar unwahrscheinlich, so Hitzfeld, dass der Torjäger gegen Rostock von Beginn an spielen werde, "aber ich denke schon, dass er auf der Bank sitzen wird".

Unwillkommenes Testspiel auf Mallorca

Auf den Kurz-Trip nach Mallorca verzichtete Toni dagegen noch. Die Bayern absolvieren am späten Dienstagabend auf der Ferieninsel gegen den Erstligisten RCD Mallorca ein schon lange vereinbartes Freundschaftsspiel, das Hitzfeld einen Tag nach der Pokal-Belastung und kurz vor dem Saisonstart nicht so richtig ins Konzept passt. Neben Toni und den Langzeitverletzten Willy Sagnol, Jan Schlaudraff, Lukas Podolski und Valerien Ismael ließ der Trainer zur Schonung deshalb Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger, Martin Demichelis, Lucio, Ze Roberto und Marcell Jansen gleich zu Hause.

© SID

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