Fußball DFB-Pokal
St. Pauli will Revanche gegen Bayern

Heute kommt es in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals zum erneuten Aufeinandertreffen zwischen dem FC St.Pauli und Bayern München. Die Hamburger wollen Revanche nehmen für das Halbfinal-Aus vom April.

Auch wenn beide Vereine schon lange nicht mehr in der gleichen Spielklasse spielen, werden die Partien zwischen Bayern München und dem FC St.Pauli so langsam zur Tradition. Heute (20.15 Uhr/live im ZDF) tritt der Rekordmeister in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals bereits zum viertenmal seit 2002 am Hamburger Millerntor an. Und auch wenn die Münchner einen Anteil daran haben, dass der norddeutsche Regionalligist erstmal seit Jahren schuldenfrei ist, werden die Hamburger den Bayern nichts schenken.

Insgesamt 670 000 Euro nimmt St. Pauli mit der Neuauflage des Halbfinals vom April ein. "Damit können wir die letzte offene Rate ans Finanzamt zahlen", sagt Vizepräsident Marcus Schulz. Peu a peu konnte der Kiezklub in den vergangenen Jahren seine 3,5 Mill. Euro Steuerschulden tilgen - vor allem dank der Bayern, die schon vor den beiden lukrativen Pokalspielen an der Sanierung des Hamburger Stadtteilklubs beteiligt waren: 2002 noch indirekt durch die 1:2-Niederlage im letzten Bundesliga-Duell, nach der St. Pauli Zehntausende "Weltpokalsiegerbesieger"-Trikots verkaufte, und 2003 mit einem Freundschaftsspiel im Rahmen der "Retter"-Aktion.

Stanislawski: "Jetzt bekommen wir Revanche"

Sportlich hatte der 13-malige Cup-Gewinner zuletzt immer seine Probleme mit dem Underdog. Selbst beim scheinbar klaren 3:0 vor fünf Monaten, das den Münchnern den Weg zum jüngsten Titel ebnete, stand das Spiel bis kurz vor Schluss auf des Messers Schneide. "Jetzt bekommen wir Revanche, etwas Besseres konnte uns gar nicht passieren", erklärte Teammanager Holger Stanislawski. Eine lange Verletztenliste und der mäßige Start in die Saison (Platz 14 mit sieben Punkten aus sechs Spielen) haben St. Paulis Außenseiterchancen jedoch weiter schrumpfen lassen.

Doch darauf will sich Bayern-Coach Felix Magath nicht verlassen. "St. Pauli wird uns kämpferisch alles abverlangen und unsere spielerische Überlegenheit hilft nichts, wenn wir den Kampf nicht annehmen", so der frühere Bundesliga-Profi des Hamburger SV. Doch trotz des Fehlens von Stammtorhüter Oliver Kahn, der wegen Beleidigung der Anhänger von Eintracht Frankfurt während des Pokalfinals Ende April nachträglich für ein Spiel gesperrt wurde, sollte das Weiterkommen für den Titelverteidiger Formsache sein. "Ich gehe davon aus, dass sich unser Torwart nicht besonders auszeichnen muss", sagte Magath, der auf Ersatzkeeper Michael Rensing baut.

Liebesdienste für Tickets

Dass die Partie bereits wenige Tage nach Auslosung der Paarungen ausverkauft war, versteht sich von selbst. Wie beim Halbfinale im April hätten die Hamburger ein Vielfaches der 19 400 verfügbaren Karten absetzen können. Wie begehrt die Tickets waren, zeigt ein (unmoralisches) Angebot eines Fans an den Kiez-Klub, von dem die Hamburger Morgenpost berichtete. Als Gegenleistung für die Eintrittskarten wollte der Mann einer weiblichen Klub-Angestellten "seinen Körper" oder - alternativ für einen männlichen Mitarbeiter des FC St. Pauli - die Liebesdienste seiner Freundin zur Verfügung stellen.

Neben den St. Pauli-Fans dürfen sich die Anhänger zahlreicher weiterer "kleiner" Vereine auf das Kräftemessen mit den Klubs aus der Eliteklasse freuen. So tritt Bundesliga-Spitzenreiter 1. FC Nürnberg beim Oberligisten BV Cloppenburg an, während der gleichauf mit den Bayern auf Platz zwei liegende FC Schalke 04 bei der zweiten Mannschaft von Hansa Rostock aufläuft. Vizemeister Werder Bremen tritt die Reise zum drittklassigen FK Pirmasens an und Champions-League-Teilnehmer Hamburger SV muss sich bei Regionalliga-Süd-Spitzenreiter Stuttgarter Kickers behaupten.

© SID

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