Fußball DFB
Sammer kritisiert Fanmeilen-Party nach EM-Finale

Beim Trainer-Kongress in Wiesbaden hat Matthias Sammer Kritik an der DFB-Party nach dem verlorenen EM-Finale geäußert. "Ich finde das nicht richtig", sagte der DFB-Sportdirektor.

Sportdirektor Matthias Sammer hat mit Blick auf den Nachwuchs des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Party der deutschen Nationalmannschaft nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien auf der Berliner Fanmeile kritisiert. Rund 100 000 Anhänger hatten die Spieler trotz der Final-Pleite gefeiert wie Popstars.

"Ich finde es nicht richtig, dass Spieler in ein EM-Finale gehen, das Endspiel verlieren, und sich dann auf der Berliner Fanmeile feiern lassen, als hätten sie das Spiel gewonnen. Dann habe ich das Problem, so etwas einem U19-Nationalspieler zu erklären und vor einem Finale den letzten Siegerinstinkt rauszukitzeln", sagte Sammer am Mittwoch zum Abschluss des 51. Internationalen Trainerkongresses in Wiesbaden.

Einen Tag nach der 0:1-Niederlage gegen die Iberer in Wien hatten der DFB-Auswahl am 30. Juni in der Hauptstadt den Fans vor dem Brandenburger Tor einen herzlichen bis euphorischen Empfang bereitet. Auf Kritik war dabei bereits der Auftritt des Comedian Oliver Pocher gestoßen, der im Entengang die Laufweise deutscher Gegenspieler - wie beispielsweise den von Portugals Superstar Cristiano Ronaldo - veralberte. Auch Bayern Münchens Angreifer Lukas Podolski (Humba-Humba-Tätärää) war nichts davon anzumerken, dass er tags zuvor ein EM-Finale verloren hatte.

Grundsätzlich war es für Sammer eine "Selbstverständlichkeit", dass sich der dreimalige Welt- und Europameister nach dem insgesamt erfolgreich verlaufenen Turnier von seinen Fans verabschiedete. Den DFB-Sportdirektor störte alleine, dass den Juniorenspielern damit das Gefühl vermittelt wurde, dass eine Niederlage in einem großen Finale sportlich betrachtet kaum eine Bedeutung habe.

Löw: "Keine Siegesfeier, sondern Dankeschön an Fans"

Trotz der Einschränkung widersprach Bundestrainer Joachim Löw seinem Sportdirektor. "Mit der Veranstaltung in Berlin haben die Spieler auch in ihrer Vorbildfunktion gegenüber den Jugendspielern ganz wichtige positive Signale gesetzt. Denn die Veranstaltung in Berlin war keine Siegesfeier, sondern nur das Dankeschön an unsere Fans", sagte Löw der Bild-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe).

Dieser Dank, so Löw, würde nicht durch irgendwelche Lippenbekenntnisse ausgedrückt, sondern durch die Tatsache, dass die Spieler nach 45 Tagen, die sie gemeinsam unterwegs waren, nicht direkt in den Urlaub gefahren seien, sondern freiwillig entschieden hätten, sich den Fans zu präsentieren und sich zu bedanken. "Insofern können wir stolz sein auf die Veranstaltung in Berlin", sagte Löw.

Trainer-Lehrgang beendet

Abseits dieser Diskussion endete am Mittwoch der Internationale Trainer-Kongress, der gemeinsam vom DFB und dem Bund Deutscher Fußball-Lehrer (Bdfl) organisert worden war, mit einer engagiert geführten Podiumsdiskussion zum Thema "Die EM 2008 unter taktischen Aspekten". Der langjährige Trainer des SC Freiburg, Volker Finke, hielt in seinem Vortrag ein Plädoyer für den Kombinationsfußball. Der 60-Jährige führte die ungarische Nationalmannschaft der 50er Jahre, die Brasilianer der 60er Jahre aber auch die deutsche Nationalmannschaft des Jahres 1972 als Beispiele für sehenswerten und effektiven Kombinationsfußball an.

Trainer Ralf Rangnick von Bundesliga-Aufsteiger 1 899 Hoffenheim verdeutliche in seinem Vortrag vor rund 1 000 Kollegen aus dem In- und Ausland wie Taktiken im Spiel umgesetzt und im Training vermittelt werden können.

"Wir freuen uns über die Rekordbeteiligung von erstmals über 1 000 Trainern aus dem In- und Ausland. Wir planen bereits für den Oktober in Frankfurt in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund ein europäisches Meeting der Spitzentrainer an dem vor allem die Trainer der Nationalverbände teilnehmen werden", sagte Bdfl-Präsident Horst Zingraf in einem Interview mit dfb.de.

© SID

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