Fußball DFB: Sammer nimmt Justiz in die Pflicht

Fußball DFB
Sammer nimmt Justiz in die Pflicht

Nach den Fußball-Krawallen von Leipzig hat DFB-Sportdirektor Matthias Sammer die Justiz in die Pflicht genommen und diese zum Handeln aufgefordert. Die Justiz solle vor allem eine höhere Flexibilität an den Tag legen.

Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat die Krawalle von Leipzig als Anstoß für leichte Kritik an der Justiz genommen und fordert diese zum Handeln auf. Diese hält "Dokumentationstrupps" der Polizei und Staatsanwälte in den Stadien als Grundlage für abschreckende Strafmaßnahmen für erforderlich.

Ein Gesetzgebungsdefizit kann der sächsische Justizminister Geert Mackenroth hingegen bezüglich der Bestrafung von Fußball-Gewalttätern nicht erkennen. Zehn Jahre Haft für schweren Landfriedensbruch seien ausreichend, es würde aber ein Verfolgungsdefizit bestehen.

"Da muss man reagieren"

Für Sammer ein unhaltbarer Zustand, für ihn gibt es keine schlimmere Form der Gewalt als frontale Angriffe wie zuletzt gerade beim Pokalspiel des 1. FC Lok Leipzig. Er fordert deshalb eine höhere Flexibilität der Justiz, wenn diese an ihre Grenze stoße. "Es gibt eine neue Situation, die Rechtssprechung wendet die gleichen Mittel wie früher an - da muss man entsprechend reagieren", meinte Sammer beim Forum "Dresden - Wir gegen Gewalt" am Freitagabend im MDR-Landesfunkhaus in Dresden.

Der frühere Nationalspieler empfindet die Szenarien wie in Leipzig oder auch bei Partien von Dynamo Dresden zudem als ein regionales Problem im Osten: "Das spielt sich mehr dort ab als im Westen - das ist Realität." Man dürfe dies aber nicht isoliert betrachten sagt Sammer und verweist auf "sozialgesellschaftliche Gründe". Bei Perspektivlosigkeit würden Ängste entstehen, es bestünde leichter der Hang zur Gewalt.

Der frühere Dresdner sieht maßgeblich die Politik gefordert, um dem Sport und der Wertevermittlung durch den Sport zu einem höheren Stellenwert zu verhelfen. "Der Wert des Sports in Deutschland wird unterschätzt", meinte Sammer. Bei der Erziehung der Kinder und Jugendlichen solle angesetzt werden, Lehrer und Trainer müssten wieder als Autoritäten gelten.

Hohe Ausgaben für die Sicherheit

Wie Sammer wünscht auch Volkmar Köster, Geschäftsführer des "Problemvereins" Dynamo Dresden, dass Hooligans effektiver "rausgefischt und bestraft" werden. Rund 150 gewalttätige Personen beobachtet die Polizei im Umfeld des Regionalligisten. Dieser wurde in den vergangenen zwei Jahren wegen diverser Vorfälle vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit Strafgeldern in Höhe von 131 000 Euro belegt. "Für das Geld würde ich lieber einen guten Stürmer holen", so Köster. Pro Heimspiel würden zudem zwischen 16 000 und 20 000 Euro für Security ausgegeben.

Auch 25 000 Euro pro Jahr für das Fanprojekt hält Köster für einen Vorzeigewert. Die schlimmen Krawall-Macher, die den Fußball nur für ihre Zwecke missbrauchen, werde man mit derlei Mitteln nicht bekämpfen können. Da waren sich die Teilnehmer des Forums einig. Mackenroth: "Das sind keine Fußball-Fans, diese Personen benutzen den Fußball nur für ihre Zwecke."

© SID

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