Fußball DFB
Werbeverbot für private Wettanbieter verärgert DFB

Laut einem Beschluss der Ministerpräsidenten soll künftig privaten Wettanbietern das Werben verboten und das staatliche Monopol auf Sportwetten gestärkt werden. DFB und DFL sind über diese Maßgabe verärgert.

Privaten Wettanbietern soll künftig die Werbung untersagt und das staatliche Monopol auf Sportwetten in Deutschland gestärkt werden. Dieser Beschluss der Ministerpräsidenten ist beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) auf großes Unverständnis gestoßen.

Einen Tag nach der Entscheidung der Länderchefs in Berlin kündigten die beiden wichtigsten deutschen Fußball-Gremien in einer Presseerklärung an, mit einer gemeinsamen Arbeitsgruppe unter Leitung des ehemaligen Ligadirektors Wilfried Straub den Fußball "vor weiteren Schritten, die einer wirtschaftlichen Enteignung gleichkommen" bewahren zu wollen. Zudem wollen DFB und DFL die Gründung eines eigenen Sportwettsystems weiter forcieren.

Die Fußball-Verbände kündigten zudem Gespräche mit dem neuen Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) an, in denen erörtert werden soll, inwieweit der Sport in Deutschland in der Lage ist, eine gemeinsame Linie zu vertreten. Die Werbung für Sportwetten "auf allen Ebenen zu verbieten", zugleich aber "Werbemöglichkeiten für andere Wettarten mit ungleich höherer Suchtgefahr, wie z.B. Spielbanken und Lotto zuzulassen", wurde in der Pressemitteilung als "pure Heuchelei" bezeichnet.

Sicherung der wirtschaftlichen Unterstützung der Sportverbände

Der deutsche Sport und insbesondere die Landesportbünde erhielten aus den Abgaben der staatlichen Sportwette sowie des gesamten Lotto- und Totoblocks zuletzt mit rund 530 Mill. Euro pro Jahr. DFB und Liga, die von diesen Geldern kaum profitieren, regten eine "begrenzte Konzessionierung" an, die "der bessere Weg" sei. "Auf diese Weise ist die Eindämmung und Kanalisierung von Spielsucht ebenso wie die wirtschaftliche Unterstützung der Sportverbände gesichert.

Mit der Arbeit der Gruppe um Straub soll "eine rechtliche Prüfung der Verfassungsmäßigkeit der Auswirkungen und Umsetzung des Länder-Beschlusses und der Konformität mit dem europäischen Recht vorgenommen und die Gründung einer Gesellschaft zur Veranstaltung einer eigenen Wette vorangetrieben werden".

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Profi-Klubs werde durch den Beschluss ebenso eingeschränkt wie das Engagement von Ehrenamtlichen, hieß es weiter. Werder Bremen und 1 860 München dürfen dem Beschluss zufolge zu Beginn der neuen Saison in den Hemden ihres neuen Trikotsponsors "betandwin" nicht auflaufen.

Nicht mehr Sportförderung, sondern Suchtbekämpfung

"Der Mehrheit der Länder geht es offenbar nicht mehr um die Sportförderung, sondern angeblich ausschließlich um Suchtbekämpfung. Dies können wir nicht akzeptieren. Die Verwunderung ist umso größer, weil gerade die Politik angesichts der großen WM-Begeisterung die gesellschaftliche Bedeutung des Sports zuletzt immer wieder hervorgehoben hatte", hieß es in der Pressemitteilung.

Verhängnisvoll für den Sport ist, dass außer dem staatlichen Unternehmen Oddset kein anderer Anbieter Prozente vom Umsatz abführen muss. Beim staatlichen Anbieter sind das 16,6 Prozent Lotteriesteuer und, je nach Bundesland, zwischen 15 und 20 Prozent Konzessions-Abgaben - Fördermittel, auf die der Sport und ganz besonders die 16 Lsbs existenziell angewiesen sind.

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hatte in einer Entscheidung am 28. März die Länder aufgefordert, bis spätestens Ende nächsten Jahres einen neuen Staatsvertrag zu den Sportwetten zu verabschieden. Die privaten Anbieter, die sich von dem März-Urteil im Vorfeld der Fußball-WM eine Liberalisierung und das große Geschäft erhofften, laufen seither Sturm gegen die von ihnen befürchtete Festschreibung des staatlichen Monopols. Sie verweisen dabei auf EU-Recht.

© SID

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