Fußball DFB
Zwanziger: "Euro wird eine harte Aufgabe"

Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) gab DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger einen Ausblick auf das Jahr 2008. Dabei steht "Fußball in seinen ganzen Facetten" im Fokus, zuallererst aber die EM.

DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger blickt im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) optimistisch auf das kommende Jahr. Der 62-Jährige äußerte sich zu den vielfältigen Aufgaben, die 2008 auf den Deutschen Fußball-Bund zukommen und zog eine Bilanz des erfolgreichen Jahres 2007.

sid: "Herr Zwanziger, Sie sind im Oktober mit großer Mehrheit als DFB-Präsidenten wiedergewählt worden. Wie bewerten Sie diesen Vertrauensbeweis zum Jahresausklang?"

Dr. Theo Zwanziger: "Natürlich war dies ein positives Ergebnis, über das ich mich gefreut habe. Aber wichtiger ist, dass ich das Gefühl habe, dass der eingeschlagene inhaltliche Weg des DFB von den Menschen sowohl im Profi- wie auch im Amateurfußball verstanden und mitgegangen wird. Das ist für mich die entscheidende Motivation. Das gibt mir persönlich sehr viel Auftrieb, weiter für den Fußball wirken zu können."

sid: "Haben Sie konkrete Ziele für 2008?"

Zwanziger: "Es gibt nie nur einen Vorgang, der im Fokus steht, sondern wir müssen den Fußball in seinen ganzen Facetten entwickeln. Natürlich steht die EM im nächsten Jahr im Vordergrund. Dort liegt es nun an den Trainern und Spielern das große Ziel - den Titel - zu erreichen. Für die Frauen-Nationalmannschaft wäre es ein großer Erfolg, wenn sie als amtierender Welt- und Europameister erstmals Gold bei den Olympischen Spielen gewinnen würde. Wir konzentrieren uns außerdem bereits auf die Vorbereitung für die Frauen-WM 2011. Zudem gibt es Maßnahmen, die sich sehr stark an die Basis richten. Der Bau der 1 000 Mini-Spielfelder von April bis Oktober 2008 ist zum Beispiel eine gigantische Herausforderung. Das wird ein Festival. Dort können wir dann weiter unsere Botschaften zu Themen wie Mädchen- und Schulfußball, Nachwuchsförderung und Integration verkünden."

sid: "Ein Thema im nächsten Jahr wird auch die Neufassung des Grundlagenvertrags sein. Was erwarten Sie von den Diskussionen mit der Deutschen Fußball Liga?"

Neufassung des Grundlagenvertrags mit der DFL

Zwanziger: "Wir wollen faire Gespräche. Wir haben Respekt vor der Aufgabe der DFL, beispielsweise bei den Verhandlungen über den neuen Fernsehvertrag der Liga. Dieser Vertrag ist auch für uns wichtig - nicht nur wirtschaftlich, sondern auch weil wir uns wünschen, dass unsere Klubs so ausgestattet werden, dass sie international erfolgreich spielen."

sid: "Von einigen Seiten der Liga gibt es den Wunsch nach einem dritten Sonntagspiel. Würde dies dem Amateurfußball nicht erheblich schaden?"

Zwanziger: "Dazu möchte ich erstmal feststellen, dass es keine Absprache über ein möglicherweise künftiges drittes Sonntagspiel gibt. Unsere Aufgabe ist es, zu hinterfragen: Was schadet dem Amateurfußball und was nicht? Andererseits laufen wir nicht mit ideologischen Scheuklappen durch die Gegend. Ich sage von jeher: Für die Amateure sind die Erfolge und Leistungen der Profiklubs ganz wichtig - wenn es der Bundesliga gut geht, geht es auch der Basis gut."

sid: "Zu einem anderen Thema: der Nationalmannschaft. Wie bewerten Sie die Auftritte und welche Rolle kann die Auswahl bei der EM spielen?"

Zwanziger: "Da muss ich Bundestrainer Joachim Löw ein großes Kompliment machen, dass es ihm gelungen ist, dass sich die Mannschaft auf einem Top-Niveau bewegt - sowohl in der Attraktivität ihres Spiels als auch in den Ergebnissen. Da fällt für mich auch überhaupt nicht negativ ins Gewicht, dass es nach der frühen EM-Qualifikation etwas holprig lief. Das ist normal. Das sind Menschen und keine Maschinen."

sid: "Und wird die Mannschaft bei der EM ebenfalls überzeugen?"

Zwanziger: "Der Bundestrainer gibt ja das klare Ziel vor, dass man Europameister werden will. Der DFB und ich als Präsident haben keinen Grund, von diesen Zielen abzuweichen. Aber die Euro 2008 wird natürlich eine harte Aufgabe. Und es soll keiner glauben, dass in unserer Vorrundengruppe Kroatien, Polen und auch Österreich im eigenen Land so weggeschossen werden können."

Italien und Frankreich schärfste Konkurrenten auf den EM-Titel

sid: "Wer sind die schärfsten Konkurrenten?"

Zwanziger: "Ich denke, Italien und Frankreich. Wer sich von den zweien in dieser Gruppe mit den Niederlanden und Rumänien durchsetzt, der wird auch ins Endspiel kommen."

sid: "Wie bewerten Sie die Situation der beiden Nationaltorhüter Jens Lehmann und Timo Hildebrand, die bei ihren Klubs beide nicht erste Wahl sind?"

Zwanziger: "Da wird der Bundestrainer schon eine Lösung finden. Dass Jens Lehmann im Moment die Nummer eins ist - ich glaube, da gibt es keine Zweifel."

sid: "Ein sensibles Thema im Vorfeld eines großen Turniers ist immer die Prämienregelung. Wie schwierig wird es, dort einen Konsens zu finden?"

Zwanziger: "Das ist lediglich ein logistisch schwieriges Thema, weil wir bisher keinen Termin für ein gemeinsames Treffen gefunden haben, um darüber zu sprechen. Wir haben da keine großen Auseinandersetzungen zu erwarten. Ich weiß sehr wohl, was diese Mannschaft auch wirtschaftlich für den DFB bedeutet. Deshalb wird sie gerecht behandelt. Die Spieler wissen von mir, dass ich kein Erbsenzähler bin. Andererseits müssen die Spieler auch ihrer Vorbildfunktion gerecht werden - und das haben sie zuletzt immer gemacht."

sid: "Im Gegensatz zur Nationalmannschaft konnten die Vereine gerade in der Champions League international nicht so überzeugen. Wo steht die deutsche Liga Ihrer Meinung im internationalen Vergleich?"

Zwanziger: "Es ist mit Sicherheit so, dass die wirtschaftlichen Voraussetzungen in England, Italien und Spanien besser sind. Aber das ist doch auch so, weil dort fast ausschließlich in Stars investiert wird, während in Deutschland zusätzlich Wert auf die Stadien oder die Sicherheit gelegt wird. Das gehört für mich zum Gesamtpaket aber auch dazu."

sid: "Der Profifußball in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weitgehend von Gewaltausschreitungen verschont geblieben. Dafür hat sich das Problem auf den Amateurfußball verlagert. Wie sehen Sie die Situation dort?"

Zwanziger: "Ich denke, dass sich bei uns im Spitzenfußball die moderneren Stadien wie auch unsere Arbeit mit den Fan-Projekten ausgezahlt hat. Im Amateurfußball ist natürlich außerdem die Politik gefordert. Mit relativ geringen Mitteln könnte da schon einiges bewegt werden. Der Fußball kann durchaus dafür sorgen, die vorhandenen sozialen Probleme zu minimieren. Wichtig ist eine präventive Arbeit - und andererseits bei Vergehen eine konsequente Bestrafung."

sid: "Freude bereitet hat dem DFB einmal mehr die Frauen-Nationalmannschaft mit dem WM-Titel. Wie schätzen Sie den Stellenwert des Frauenfußballs ein?"

Zwanziger: "Es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein Freund des Frauenfußballs bin. Wichtig ist, dass wir von den Erfolgen künftig auch in der Breite profitieren. Dafür muss die Bundesliga attraktiver und die Ausbildung der Talente wie auch der Trainer noch besser werden."

sid: "Glauben Sie, dass die Begeisterung bis zur Frauen-WM 2011 in Deutschland anhält?"

"Frauen-WM 2011 wird kein Selbstläufer"

Zwanziger: "Wir sind uns bewusst, dass die Frauen-WM 2011 kein Selbstläufer wird. Da werden wir im Vorfeld richtig Betrieb machen müssen, und das werden wir auch tun. Ich glaube, dass uns das Sommermärchen 2006 durchaus hilft, eine ähnliche Begeisterung zu schüren. Und in Steffi Jones haben wir die ideale Präsidentin für das WM-Organisationskomitee gefunden, die im Vergleich mit Franz Beckenbauer ja schon als Kaiserin bezeichnet wird. Ich bin mir sicher, dass auch diese WM ein großes Fest werden wird."

© SID

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