Fußball DFB
Zwanziger: "Für die Einheit des Fußballs kämpfen"

Die Tage der Doppelspitze sind gezählt, am Freitag wird Dr. Theo Zwanziger zum alleinigen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gewählt. Im Interview zeigt sich Zwanziger als "politischer" Chef des DFB.

Doppelspitze ade, es lebe der alleinige Präsident. Dr. Theo Zwanziger hat sich vor seiner Wahl zum Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dem Sport-Informations-Dienstes (sid) zum Interview gestellt.

sid: "Herr Zwanziger, Sie werden aller Voraussicht nach am kommenden Freitag zum alleinigen DFB-Präsidenten gewählt. Nach zwei Jahren Doppelspitze mit dem scheidenden Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder werden Sie die Geschicke nun alleine in die Hand nehmen. Mit welchem Gefühl gehen Sie an ihre neue Aufgabe heran?"

Theo Zwanziger: "Ich denke, die Doppelspitze war eine vernünftige Lösung. Eine Kampfabstimmung hätte innerhalb des Verbandes zwei Jahre vor der WM nur zu Zerwürfnissen geführt. Für mich persönlich ändert sich bis auf den internationalen Bereich nicht viel. Aber ich bin natürlich stolz, als möglicher Präsident in einer Reihe mit Hermann Neuberger und Egidius Braun zu stehen. Ich hätte mir als kleiner Junge, als ich anfing Fußball zu spielen, nie erträumt, einmal Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zu werden."

sid: "Was wird ihre Hauptaufgabe als DFB-Boss sein?"

Zwanziger: "Als wichtigste Aufgabe sehe ich es an, jeden Tag für die Einheit des Fußballs zu kämpfen. Zwischen dem Profifußball, mit der Bundesliga und der Nationalmannschaft, sowie dem Amateurfußball mit seinen kleinen Vereinen, wo Menschen in dem Sinne sogar noch Geld mitbringen, gibt es einen riesigen Spannungsbogen, der auf den ersten Blick eigentlich gar nicht zusammengeht. Aber wir müssen immer daran denken, dass wir nur gemeinsam stark sind. Zudem starten wir mit den Mitteln aus der WM unsere Schuloffensive und werden uns auch beim Thema Integration sehr stark einbringen."

sid: "Das hört sich alles sehr politisch an. Denken Sie wirklich, dass sie den Profifußball und den Amateursport wieder näher zueinander führen können?"

Zwanziger: "Ganz sicher werde ich ein politischer Präsident sein. Natürlich kein parteipolitischer, eher im Gegenteil. Ich will die kleinen Vereine stark machen, denn ich persönlich freue mich über ein Spiel meines Heimatvereins genauso sehr wie auf ein Länderspiel. Ich bin nicht darauf angewiesen, immer 60 000 Menschen um mich herum zu haben. Am Sonntag nach meiner Wahl werde ich mir zwei Frauenfußball-Bundesliga-Spiele ansehen. Da freue ich mich jetzt schon drauf."

sid: "Wie wird ihre Mannschaft beim DFB im Präsidium in Zukunft aussehen. Welche Rolle spielt beispielsweise Franz Beckenbauer, der nach dem Ende der WM ja auch wieder mehr Zeit für den Verband haben könnte..."

Zwanziger: "Ich bin sehr daran interessiert, dass Franz Beckenbauer unser Fußball-Außenminister wird. Er hat im Ausland ein Ansehen, dass wohl kein anderer Deutscher jemals haben wird. Wenn Beckenbauer irgendwo auf der Welt hinkommt, dann gehen sofort die Türen auf, ich dagegen müsste erst mit 1 000 Leuten sprechen. Ich hoffe, dass er bereit ist, so eine Rolle zu spielen. In Wolfgang Niersbach haben wir zudem einen neuen Direktor für den sportlich professionellen Bereich. Er wird nah an der Nationalmannschaft und auch Teil des von Oliver Bierhoff gegründeten Kompetenz-Teams sein. Und Horst R. Schmidt muss uns auch nach 2007 mit seinem Fachwissen und seiner natürlichen Autorität noch in einer ehrenamtlichen Funktion erhalten bleiben."

sid: "Der im Oktober 2007 scheidende DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt wird nach unseren Informationen auf dem Bundestag in Mainz im kommenden Jahr zum Schatzmeister gewählt. Dann wird er sich vor allem mit den Einnahmen des DFB aus der WM beschäftigen. Erwartet der DFB ein Plus, oder bleibt es bei einer schwarzen Null?"

Zwanziger: "Wir haben aus der schwarzen Null mindestens eine schwarze Eins gemacht. Alleine aus dem Ticketing haben wir ein Plus von 20 Mill. Euro erwirtschaftet. Auch im Sicherheitsbereich mussten wir unsere Etatplanung nicht ausreizen, weil ja während der WM alles friedlich geblieben ist. Bevor man aber genau sagen kann, was am Ende übrig bleibt, muss erst noch mit der Fifa das Profit-Sharing ausgehandelt werden. Ich dränge darauf, die Summe bekannt zu geben. Noch darf ich das nicht. Aber ich hoffe, dass ich auf dem Bundestag schon konkretere Zahlen nennen kann."

sid: "Auch sportlich war die WM für den deutschen Fußball ein Riesen-Erfolg. Bei den beiden Länderspielen gegen Schweden und Irland feierten die Zuschauer die Nationalspieler genauso ekstatisch wie bei der WM. Vermissen sie eigentlich Jürgen Klinsmann?"

Zwanziger: "Jürgen Klinsmann ist ein Mann, der die WM als Projekt angesehen hat. Ich weiß ja, dass er weiterhin engen Kontakt mit Joachim Löw hat. Zu seinem Geburtstag am 30. Juli habe ich ihn in einem Brief gedankt und geschrieben: Eine Tür steht für Sie beim DFB immer offen."

sid: "Was halten Sie von dem neuen Trainer-Gespann Joachim Löw/Hans-Dieter Flick?"

Zwanziger: "Joachim Löw ist ja gemeinsam mit seinem neuen Co bei uns in die Präsidiumssitzung hineingeschneit, und hat Hans-Dieter Flick dabei gleich vorgestellt. Ich bin davon überzeugt, dass Löw genau der Richtige ist, um den Weg, den er ja gemeinsam mit Jürgen Klinsmann eingeschlagen hat, erfolgreich fortzusetzen.

© SID

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