Fußball DFB
Zwanziger ruft zum Kampf gegen Rassismus auf

Mit einem Aufruf zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und Gewalt in den Fußballstadien hat Theo Zwanziger den ersten DFB-Fankongress eröffnet. Zudem kündigte der DFB-Präsident eine Reform zum Thema Stadionverbote an.

Präsident Theo Zwanziger vom Deutschen Fußball-Bund hat in Leipzig den ersten DFB-Fankongress eröffnet. Der 62-Jährige kündigte bei der bis Sonntag dauernden Veranstaltung an, eine Reform der in Fankreisen umstrittenen Regelung zum Thema Stadionverbote zu diskutieren und rief gleichzeitig zum gemeinsamen Kampf gegen Rassismus und Gewalt in den Fußballstadien auf.

Für die 300 Fan-Beauftragten bei der ersten Veranstaltung dieser Art erhob Mathias Scheurer die Forderung, dass der Kongress vorzeigbare Ergebnisse haben müsse und der Dialog danach in einem festen Gremium fortgeführt werden solle.

"Es ist absolut inakzeptabel, wenn Rassismus oder Antisemitismus auf den Fußballplätzen stattfindet oder Menschen wegen ihrer Religion oder Hautfarbe beleidigt werden", erklärte Zwanziger und erntete dafür donnernden Applaus der Fan-Beauftragten.

Beim Thema Gewalt sei vor allem die Prävention wichtig, deshalb werde der DFB Fanprojekte auch weiterhin umfassend unterstützen: "Fanarbeit muss Dauerarbeit sein. Aber Gewalt sitzt tief in unserer Gesellschaft und ist kein ausschließliches Problem des Fußballs." Deshalb müssten sich auch Länder und Kommunen an der Finanzierung beteiligen.

Stadionverbote auf Bewährung

Zum Thema Stadionverbote, für das es bislang weder eine Schiedsstelle noch eine Anhörung der Betroffenen gibt, versprach Zwanziger eine gerechtere Lösung: "Vielleicht könnte es Stadionverbote auf Bewährung geben. Aber sie gänzlich abzuschaffen, ist undenkbar. Es gibt immer Gruppen, die den Fußball als Bühne nutzen wollen."

Der DFB-Chef rief die Fans auf, "Brücken zu bauen und um den besten Weg für die Zukunft des Fußball zu streiten". Bei der Diskussion fehlten die Spitzen des Ligaverbandes komplett, nachdem der amtierende Präsident Wolfgang Holzhäuser aus privaten Gründen kurzfristig abgesagt hatte. Auch prominente Spieler fehlen in Leipzig.

Nach der Eröffnung begannen die Diskussionen in insgesamt fünf Foren mit Themen wie Sicherheit, Stadionverbote oder Diskriminierung in Fußballstadien. Dabei sollten in Leipzig, wo bei schweren Ausschreitungen im Februar 39 Polizisten verletzt worden waren, die Fans bei Diskussionsrunden wie "Repression oder Prävention - Diskussionsrunde zu staatlichen Maßnahmen der Gefahrenabwehr" auch mit szenekundigen Polizisten in Kontakt kommen. In einer weiteren Runde wird über die Problematik bei Länderspielen diskutiert, bei denen die Atmosphäre oftmals von rechtem Gedankengut, gewaltbereitem Verhalten und starken Sicherheitsmaßnahmen geprägt sei.

Fans fordern Gremium für Dialog

Die Fans begrüßten die Möglichkeiten zum Dialog mit der DFB-Spitze beim ersten Fan-Kongress ausdrücklich. "Alle identifizierbaren Fangruppen sitzen endlich mit dem DFB an einem Tisch. Aber dieser Dialog muss nachhaltig weitergehen. Wir müssen danach ein Gremium beim DFB schaffen, das mit relevanter Fanbeteiligung stattfindet", sagte Fansprecher Mathias Scheurer von der IG Unsere Kurve. Zwanziger regte an, den Fan-Kongress künftig regelmäßig stattfinden zu lassen.

Die Idee zu einem Fan-Kongress war nach einem schwarzen Wochenende im vergangenen Oktober mit Ausschreitungen und zahlreichen Verletzten rund um mehrere Fußballstadien in Deutschland geboren worden. Zwanziger: "Was es für eine positive Fankultur in Deutschland gibt, hat die WM im vergangenen Jahr gezeigt. Diesen Gedanken müssen wir auf alle Fußballplätze in Deutschland tragen, und der Fan-Kongress ist ein wichtiger Schritt dahin."

© SID

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