Fußball DFB
Zwanziger will in Zukunft "noch genauer hinsehen"

Mit Blick auf den Wettskandal will DFB-Präsident Theo Zwanziger in Zukunft zusätzliche Signale gegen Korruption setzen. Besonders in den unteren Ligen müsse man aufpassen.

Zockende Spieler, manipulierende Betrüger und offenbar verschobene Jugendspiele - DFB-Präsident Theo Zwanziger sorgt sich im Zuge des europaweiten Wettskandals um die Zukunft des Fußballs. "Manipulierter Fußball ist kein Fußball mehr. Der Gedanke, wie wir uns in Zukunft davor schützen können, bereitet mir einige Sorgen. Wir müssen mit allen Mitteln die Integrität des Fußballs wahren und werden ganz gewiss zusätzliche Signale gegen Korruption setzen", sagte Zwanziger dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Am Donnerstag sprach Zwanziger auf einer turnusmäßigen Sitzung der Uefa-Exekutive in Portugal mit seinen europäischen Kollegen auch über den Verlauf des Betrugsskandals. Noch konkretere Gespräche zu diesem heiklen Thema führte DFB-Vizepräsident Rainer Koch zeitgleich in der Uefa-Zentrale in Nyon. Währenddessen weitete sich der Skandal allerdings auch in Deutschland weiter aus.

Neuer Haftbefehl

Denn die Staatsanwaltschaft Bochum hat einem der vermeintlichen Wettpaten einen neuen Haftbefehl zukommen lassen. Darin werden dem bereits in Untersuchungshaft sitzenden Kaufmann aus dem Kreis Soest neun Fälle des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Betrugs vorgeworfen. Im ersten Haftbefehl war nur von zwei Fällen die Rede, in denen der Beschuldigte versucht haben soll, Spieler des Regionalligisten SC Verl zu Manipulationen zu bewegen.

Nun sollen allerdings auch Spiele von Jugendmannschaften betroffen sein. "Meinem Mandanten werden nun neun Fälle vorgehalten. Da es sich nun auch um Jugendmannschaften handeln soll, habe ich erst einmal die Akten beantragt", sagte Rechtsanwalt Hans A. Geisler, der den bereits seit drei Wochen inhaftierten Kaufmann vertritt, dem SID.

Ob weitere Spiele des Regionalligisten Verl von den neuen Vorwürfen betroffen sind, blieb zunächst noch unklar. "Wir tappen derzeit absolut im Dunkeln. Wir hoffen, dass wir zeitnah genauere Informationen bekommen", sagte Verls Vereinsboss Peter Mankartz dem SID.

Akteneinsicht gewährt

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutschen Fußball Liga (DFL) erhielten unterdessen am Donnerstag Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum. "Wir sind der Staatsanwaltschaft Bochum dankbar, dass sie unserem Wunsch nach zeitnaher Akteneinsicht nunmehr nachgekommen ist. Wir hatten jederzeit Verständnis dafür, dass dies aus Rücksicht auf teilweise noch laufende Ermittlungen ein paar Tage in Anspruch genommen hat", sagte Zwanziger. Die Auswertung durch die Verbandsjuristen und den DFB-Kontrollausschuss werde unverzüglich beginnen, aber wohl mindestens bis zum Beginn der nächsten Woche dauern, sagte er.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will es nicht bei der Gründung der Task Force "Spielmanipulation" belassen, sondern der organisierten Kriminalität darüber hinaus den Kampf ansagen. Dafür sollen Experten engagiert werden, die noch einen besseren Überblick über die Betrügereien auf dem Wettmarkt haben als beispielsweise die Verbands-Juristen.

Zwanziger will "mehr Experten"

"Wir müssen noch mehr Experten in diesem Gebiet für uns gewinnen, noch genauer hinsehen. Ich denke derzeit auch intensiv darüber nach, ob es nicht sinnvoll wäre, Anfang des nächsten Jahres einige Experten anzuhören, um deren externen Sachverstand zu bündeln und gegebenenfalls ihre Vorschläge zu dieser Problematik aufzunehmen", sagte Zwanziger.

Sorgen bereiten dem DFB-Präsidenten bis dahin aber vor allem die Ligen unterhalb des organisierten Profifußballs. "Wie können wir verhindern, dass Spieler der vierten oder fünften Liga in die Fänge der Wettmafia geraten? Das ist sicher die schwierigste Frage, weil Betrug sich in vielen Lebensbereichen unserer Gesellschaft breit macht", sagte Zwanziger, der bei der Bestrafung der Sportbetrüger auf Abschreckung setzt.

Zwanziger kündigt harte Bestrafung an

"Wir werden die Betrüger mit aller Härte bestrafen. Wir werden sehen, was nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft an harten Fakten übrig bleibt. Und wir werden weiter ermitteln, um allen Tätern auf die Spur zu kommen", sagte Zwanziger, der zum Ende des Jahres 2009 einmal mehr als Krisen-Manager gefragt ist.

Allerdings zeigt der Fall des im Wettskandal teilgeständigen Marcel Schuon, wie schnell die Fußballer durch Spielsucht in die Hände der Wettpaten geraten können. Denn die Zocker-Karriere des ehemaligen Osnabrücker Profis begann schon im Alter von 17 Jahren. Sieben Jahre später hatte Schuon offenbar so hohe Schulden, dass er erpressbar wurde.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum sind in Deutschland alleine im Jahr 2009 mindestens 32 Spiele von der 2. Liga abwärts verschoben worden. Seit 2007 stehen sogar mehr als 60 Spiele in Deutschland unter Manipulationsverdacht. Europaweit sollen nach Angaben der Behörde sogar mehr als 200 Spiele von der Wettmafia beeinflusst worden sein.

© SID

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