Fußball DFB Zwanziger: "Wollen bewusstseinsbildend tätig sein"

In einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) hat sich DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger unter anderem zur Situation der Nationalmannschaft und dem Kampf gegen Rassismus im Fußball geäußert.

Knapp drei Wochen nach seiner Wahl zum zehnten Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat sich Dr. Theo Zwanziger in einem Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) ausführlich zu Wort gemeldet. Der 61-Jährige äußerte sich unter anderem zur anstehenden Sitzung des Kompetenzteams Nationalmannschaft, zum Thema Sportwetten und dem Kampf gegen Rassismus im Fußball.

sid: "Herr Zwanziger, am Donnerstag trifft sich das Kompetenzteam Nationalmannschaft zur ersten Sitzung. Was erwarten Sie?"

Zwanziger: "Diese erste Sitzung ist mir sehr wichtig, denn wir müssen Fragen stellen und im Laufe der Zeit Antworten finden, was die Zukunft des DFB betrifft. Es geht nicht nur um unser Aushängeschild, die Nationalmannschaft. Es müssen die Themenkreise Trainerausbildung, Nachwuchsförderung und Eliteschulen angesprochen werden. Was können wir noch für die kleinen Vereine tun? Wie erfolgt die Sichtung in der neuen B-Junioren-Bundesliga? Natürlich darf gestritten werden. Streit gehört zur Kultur beim Ringen um die beste Lösung, und Patentlösungen gibt es nicht."

sid: "Wird auch die Personalie Bernhard Peters (Ex-Hockey-Bundestrainer, d.Red.) diskutiert?"

Zwanziger: "Das Gremium wird natürlich darüber reden, ob und wie wir wissenschaftliche Erkenntnisse aus anderen Bereichen in unsere Arbeit einfließen lassen wollen oder müssen. Bilden wir demnächst Allrounder aus oder stärken wir den Individualismus? Ich bin nicht der Papst; die Fachleute sollen sich verständigen. Aber eins ist klar: Der DFB kann nicht jedes Jahr einen neuen Weg einschlagen. Ich bin neugierig auf die Ergebnisse."

sid: "Aushängeschild Nationalmannschaft: Wie beurteilen Sie vor die derzeitige Situation?"

Zwanziger: "Ich bin gespannt, wie sich unsere Mannschaft nach der WM im eigenen Land und zwei Jahren ohne Qualifikationsspiele in Auswärtsspielen der EM-Qualifikation präsentieren wird. Aber eigentlich ist mir nicht bange. Wenn ich die Leistung unserer Nachwuchsteams sehe, wage ich die Behauptung: Die Zukunft unserer Nationalmannschaft ist auf die nächsten zehn Jahre hinaus gesichert."

sid: "Zurzeit wird heftig um die Wetteinnahmen und die Form der Sportwetten gestritten. Wie ist ihre Position? Immerhin waren Sie früher beruflich stark mit dem Lotto/Toto-Block verbunden."

Zwanziger: "Grundsätzlich möchte ich festgehalten wissen, dass der DFB staatstreu ist. Allerdings finde ich es schon eigentümlich, wenn die Polizei bei Amateur- und Jugendspielen die Trikot-Beflockung überprüft. Im Wettbereich plädiere ich für weniger Staat und mehr Freiheit. Dass Oddset neuerdings als Firma für ein Suchtbekämpfungsmonopol eintreten muss, erschließt sich mir nicht. Egal, welche Lösungen kommen: Der Sport im Allgemeinen und der Fußball im Besonderen werden immer ihren angemessenen Anteil an den Umsätzen fordern, denn ohne den Sport wären diese Wettumsätze gar nicht möglich."

sid: "Themenwechsel: Unter ihrer Führung scheint der DFB das Thema Rassismus offensiv angehen zu wollen."

Zwanziger: "Dass die Umsetzung der Fifa-Richtlinie und mein Amtsantritt zusammenfallen, ist eher Zufall. Richtig ist, dass Fifa und DFB die gesellschaftspolitischen Möglichkeiten und die damit verbundene Verantwortung erkannt haben und umzusetzen versuchen. Für den DFB kann ich erklären: Wir sind mit 6,3 Mill. Mitgliedern eine gesellschaftliche Kraft, die sich positionieren muss. Wir haben auch unsere Schwächen, die wir zugeben und eliminieren müssen. Wir wollen uns an den Menschen orientieren und bewusstseinsbildend tätig sein. Wir können aber Fehlentwicklungen nur dann entgegenwirken, wenn ein gesellschaftlicher Konsens dafür vorhanden ist. Allein auf sich gestellt wäre auch der Fußball machtlos."

© SID

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