Fußball-Doku „Trainer!“
Druck, Druck und nochmal Druck

Nach „Tom meets Zizou“ jetzt „Trainer!“: Im neuen Film von Aljoscha Pause stehen die Männer an der Seitenlinie im Mittelpunkt. Heraus kam das Portrait eines Berufsstandes, den es ohne extremen Druck nicht mehr gibt.
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RecklinghausenFür Millionen Fußballfans ist es der leichteste Job der Welt. Trainer im Profibereich. Ein paar Kickern zu sagen, wie sie die Kugel in Richtung Tor zu treten haben – was kann daran auch schon schwer sein? Ihre Meinung schreien die Freizeittrainer dann Woche für Woche von den Tribünen der Fußballstadien auf den Platz oder vom Sofa aus in Richtung Fernseher. In der vollen Überzeugung, sie wüssten es besser als die Heynckes, Klopps und Guardiolas dieser Welt. Wie schwer der Job des Profitrainers aber tatsächlich ist, und vor allem unter welchem Druck die Übungsleiter an der Seitenlinie jeden Tag stehen, davon erzählt Aljoscha Pauses neuer Dokumentarfilm „Trainer!“ in beeindruckender Weise.

Für sein neuestes Projekt hat der 41-Jährige die drei Trainer Stephan Schmidt (SC Paderborn 07), André Schubert (FC St. Pauli) und Frank Schmidt (1. FC Heidenheim) die gesamte vergangene Saison mit der Kamera begleitet. Er war bei Halbzeitansprachen in der Kabine, hat die quälende Prozedur der Entlassung dokumentiert und zeigt auf, was dieser Job mit den Menschen macht, die ihn ausüben.

„Wenn du in dieses Geschäft reingehst, dann musst du wissen, was auf dich zukommt. Fakt. Deswegen machen wir die Ausbildung. Und das wissen auch die meisten“, sagt Frank Wormuth in Pauses Film. Wormuth weiß, wovon er spricht. Er ist Leiter der Fußballlehrerausbildung des DFB. Zu seiner Aufgabe gehört es auch, die angehenden jungen Trainer auf die Mechanismen in dem Job vorzubereiten. Aber kann man das überhaupt? Wie soll man einen Menschen darauf vorbereiten, täglich beobachtet zu werden. Und mehr noch: Öffentlich be- und zum Teil verurteilt zu werden?

Für Frank Wormuth ist der Druck „Wahnsinn“. Er kommt von vielen Seiten. Die Fans wollen Siege, Aufstiege oder Titel feiern, den Abstieg verhindern. Vorstand und Präsidenten verlangen positive Ergebnisse. Manager mischen mit. Spieler wollen durch Einsätze ihren Marktwert steigern. Und dann sind da noch die Medien. Fernsehen, Radio, Zeitung, Internet. Fußball bringt Auflage und Quoten.

Pause fängt all diese Facetten mit beeindruckender Nähe ein, ohne sich mit den Protagonisten gemein zu machen – auch wenn er selbst gesteht, dass er mit jedem Trainer auf eine ganz eigene Art und Weise mitgefühlt habe. Er lässt die Akteure selbst erzählen und teilweise einfach die Bilder wirken. So wird sehr deutlich, dass die tägliche Beurteilung durch Medien und Öffentlichkeit nicht spurlos an den Trainern vorüber geht.

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