Fußball-EM 2012
Warschau und Kiew wollen Chance nutzen

Die Regierungen in Polen und der Ukraine empfinden die Ausrichtung der Fußball-EM 2012 als große sportliche Chance - und als politischen Türöffner: Die beiden osteuropäischen Staaten hoffen, durch das Großereignis stärker in Europa integriert zu werden. Sportlich liegt an Weichsel und Dnjepr jedoch einiges im Argen.

WARSCHAU. „Polen wird zeigen, dass es solche internationalen Ereignisse organisieren kann“, versicherte Premier Jaroslaw Kaczynski. Und der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko betonte: „Wir werden Millionen von Fans mit unserer slawischen Gastfreundschaft empfangen.“ Die Politiker beider Länder spüren, dass die EM Polen und die Ukraine stärker in die europäische Gemeinschaft integrieren wird. „So wird anerkannt, was wir in den letzten 15 Jahren in diesem Teil Europas geleistet haben“, sagte Polens früherer Präsident Lech Walesa.

Die Entscheidung der Uefa fällt in eine Zeit, in der beide Staaten mit erheblichen Problemen zu kämpfen haben. So gilt die nationalkonservative polnische Regierung innerhalb der EU als isoliert, weil sie durch ihre sture Haltung gemeinsame Initiativen der Gemeinschaft wie das geplante Partnerschaftsabkommen EU-Russland blockiert. In Brüssel hofft man nun, dass Entscheidungen wie die der Uefa Polens Politiker zu mehr Souveränität und damit größerer Kompromissbereitschaft verhelfen.

In der Ukraine wiederum könnte die Austragung eines sportlichen Großereignisses wie die EM dazu beitragen, die tiefe Spaltung des Landes in die Anhänger von Staatspräsident Viktor Juschtschenko und die von Premier Viktor Janukowitsch zu mildern.

Der Druck auf die Politiker aller Parteien in beiden Ländern wird in den kommenden Jahren steigen, die Fußball-EM zu einem sportlichen und völkerverbindenden Fest zu machen. Das positive Bild der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland hat Maßstäbe gesetzt, die auch in Polen und in der Ukraine aufmerksam registriert wurden. Ein Scheitern und ein damit verbundener internationaler Gesichtsverlust können sich die Politiker in Warschau und Kiew nicht leisten – sie würden von den Wählern abgestraft.

Sportlich geht es für Polen darum, die Vorbereitung auf die EM zu nutzen, um das Niveau des heimischen Vereinsfußballs anzuheben. Die erste polnische Fußballliga nennt sich zwar „Ekstraklasa“, ist aber im europäischen Vergleich eher drittklassig. Kein Wunder, dass gute Spieler wie Ebi Smolarek, Jacek Krzynowek, Maciej Zurawski und Artur Boruc ihr Geld im Ausland verdienen. Dagegen hat die polnische Nationalmannschaft immer wieder beachtliche internationale Erfolge errungen. In der Ukraine ist die Qualität der wichtigsten Vereinsmannschaften deutlich besser. Aber auch hier spielen Stars wie Andrej Schewtschenko lieber im Ausland.

Der Fußballbetrieb beider Länder leidet erheblich unter der Korruption und Manipulation von Spielen. Gerade erst wurden zwei polnische Erstligisten deshalb in die zweite Liga verbannt. Dagegen ist das Problem der Hooligans nur in Polen groß; in der Ukraine sind Krawalle nahezu unbekannt. Die Szene gewaltbereiter, zumeist rechtsradikaler Fans in Polen gilt als eine der größten in Europa. Fußballfunktionäre und Spieler wollen sich künftig stärker bei der Lösung dieses Problems engagieren.

Auf jeden Fall sind die Hoffnungen groß. „Polen kann davon nur profitieren“, sagte der Pole Dariusz Zuraw von Hannover 96. Und sein Landsmann Ebi Smolarek von Borussia Dortmund meinte: „Das kann für Polen ein ähnlich positives Ereignis werden, wie es die WM für Deutschland war.“

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