Fußball-EM 2016
Wer noch auf ein Last-Minute-Ticket hofft

Acht Nationen von Schweden bis Bosnien-Herzegowina erhalten zum Abschluss der Qualifikation eine letzte Chance auf die EM-Teilnahme. Ungewollt in den Playoffs ist Ungarn. Außen vor: die Niederlande.

AmsterdamWenn am Sonntag die Playoff-Paarungen zur Fußball-EM 2016 ausgelost werden, wird einer ganz bestimmt nicht hinschauen: Wesley Sneijder. „Ich fühle mich leer, sowohl körperlich als auch mental“, sagte der niederländische Kapitän nach dem sensationellen Aus des amtierenden WM-Dritten am Dienstagabend. Die Spieler acht weiterer Nationen hoffen hingegen auf ihre letzte EM-Chance, darunter Stars wie Zlatan Ibrahimovic und Edin Dzeko.

Den Niederlanden bleibt nach den abschließenden Gruppenspielen nur noch die Zuschauerrolle - wegen der 2:3 (0:2)-Pleite gegen Tschechien hätte selbst isländische Schützenhilfe gegen den Konkurrenten Türkei nicht mehr geholfen. Trotz mehr als einer Halbzeit in Überzahl war Oranje nach einem frühen Rückstand schnell aus dem Rennen. Die Zeitung „Algemeen Dagblad“ konstatierte „Verzweiflung, Fehler, Ohnmacht“. Nationaltrainer Danny Blind will dennoch weitermachen. „Ich habe es nicht geschafft, die Mannschaft zur EM zu bringen. Aber ich werfe mir nichts vor“, sagte er.

Ein Sturm der Euphorie erfasste hingegen die Türkei. Selcuk Inan sicherte dem Team in der 89. Minute mit einem Freistoßtor zum 1:0 gegen Island ein direktes EM-Ticket. Weil gleichzeitig Kasachstan gegen Lettland gewann, zog die Mannschaft von Trainer Fatih Terim dank der komplizierten UEFA-Rechnung im Ranking der besten Gruppendritten noch an Ungarn vorbei - die Magyaren müssen plötzlich doch noch zittern.

„Tesekkürler Kazakistan“ (Danke Kasachstan), schwärmten die türkischen Gazetten, vom „nationalen Jackpot“ schrieb die Sportzeitung „Fanatik“. Kapitän Arda Turan brach in Tränen aus und Leverkusens Freistoßkünstler Hakan Calhanoglu neckte den Torschützen Inan bei Twitter mit der ironischen Frage: „Wo hast du das gelernt?“

Jubeln darf auch Kroatien: Mit einem knappen 1:0 (1:0) in Malta schob sich die Elf noch vor Norwegen auf den zweiten Platz der Gruppe H, weil die Skandinavier zeitgleich in Italien verloren. Das goldene Tor für Kroatien erzielte der ehemalige Bundesligaprofi Ivan Perisic. Die Erlösung kam aber spät: Bis zur 73. Minute hatte Norwegen gegen Italien 1:0 geführt, dann trafen Alessandro Florenzi und Graziano Pellè. „Mir tut es leid für Norwegen, sie haben gut gespielt, aber so ist der Fußball“, sagte Italiens Nationaltrainer Antonio Conte.

Bosnien-Herzegowina sicherte sich seinen Playoff-Platz mit einem 3:2 (2:2) in Zypern. Beide Teams hatten vor der Begegnung noch Chancen auf die Relegation, ebenso wie Israel. In einem abwechslungsreichen Spiel konnten die Bosnier ihren Vorsprung aber trotz eines zwischenzeitlichen Rückstands verteidigen - gewinnen sie die Playoffs, wären sie der sechste EM-Neuling in Frankreich. Israel verlor zu Gast bei Gruppensieger Belgien deutlich mit 1:3 (0:0).

Wer in den Ausscheidungsspielen Mitte November gegen wen ranmuss, hängt nun auch vom UEFA-Koeffizienten der Nationalteams ab. Im Lostopf der gesetzten Teams sind Bosnien-Herzegowina mit dem ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Edin Dzeko, der frühere Co-Gastgeber Ukraine, Schweden um Starstürmer Zlatan Ibrahimovic sowie Ungarn. Im zweiten Topf warten Dänemark, Irland, Norwegen und Slowenien. Eindeutige Favoriten oder krasse Außenseiter gibt es diesmal nicht.

Erfahrung mit EM-Playoffs haben alle acht Teams - Slowenien und die Ukraine spielten sogar schon einmal gegeneinander. 1999 behielt Slowenien mit 2:1 und 1:1 die Oberhand. Bereits vier Mal kämpfte Irland in K.o.-Spielen um die Endrunden-Teilnahme. Aber nur ein Mal klappte es: 2011 setzten sich die Iren gegen Estland durch. Ihr Trauma von der Fehlentscheidung im WM-Playoff 2010, als ein Handspiel von Frankreichs Thierry Henry vor dem Siegtor ungeahndet blieb, ist dennoch unvergessen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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