Fußball EM
Acht serbische Rowdies in Genua noch in U-Haft

Nach den schweren Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Italien und Serbien am Dienstag befinden sich noch acht serbische Randalierer in Untersuchungshaft.

Nach den schweren Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsspiel zwischen dem viermaligen Weltmeister Italien und Serbien am Dienstag treibt die italienische Justiz die Ermittlungen voran. Acht serbische Hooligans befinden sich nach wie vor in Untersuchungshaft in Genua und werden weiter befragt. Ihnen werden unter anderem Verwüstungen und Gewalt gegen die Polizei vorgeworfen. Dagegen wurden 35 andere Randalierer inzwischen aus Italien ausgewiesen. Insgesamt erstattete die Staatsanwaltschaft 47 Anzeigen.

Die inhaftierten Hooligans würden kein Schnellverfahren erhalten, damit die Staatsanwaltschaft mehr Zeit für die Ermittlungen habe, erklärte Staatsanwältin Cristina Camaiori.



19 serbische Fans festgenommen

19 serbische Fans, die am Donnerstag in ihre Heimat zurückkehren wollten, wurden unterdessen an den Grenzübergängen in Kroatien und Ungarn festgenommen. Unter ihnen sollen sich auch einige Rowdies befinden, die für die Krawalle in Genua verantwortlich sein sollen. Am Mittwoch waren bereits zwei Serben zu einem Jahr bzw. drei Monaten Haft verurteilt worden.

Zudem wurde am Donnerstag Ivan Bogdanov, der die Ausschreitungen organisiert haben soll, nochmals verhört. Dem 29-Jährigen wird vorgeworfen, die serbischen Hooligans zur Gewalt aufgerufen zu haben. So waren Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geworfen worden, und es gab Versuche, die Sperrgitter zu durchbrechen. Das Spiel war nach nur sieben Minuten von Schiedsrichter Craig Thomson abgebrochen worden. "Ich habe nichts gegen Italien, sondern gegen meine Mannschaft. Ich liebe meine Heimat", soll Bogdanov den Behörden gesagt haben.

Serbiens Präsident Boris Tadic hat in einem Telefonat mit dem italienischen Premierminister Silvio Berlusconi am Mittwochabend sein Bedauern wegen der Ausschreitungen in Genua ausgedrückt. Tadic und Berlusconi betonten, dass die Ausschreitungen auf Randalierer zurückzuführen seien. "Es wird keinerlei Auswirkungen auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Serbien haben", sagte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien.



Maroni fordert abschreckende Strafe für die Hooligans

Italiens Innenminister Roberto Maroni forderte derweil eine abschreckende Strafe für die Hooligans. "Die Wahrheit ist, dass wir in Genua eine Katastrophe wie im Brüsseler Stadion Heysel riskiert haben. Nur das professionelle Verhalten unsere Sicherheitskräfte hat eine Tragödie verhindert", sagte Maroni im Interview mit der Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport".

Maroni erklärte, er werde sich an den Uefa-Präsidenten Michel Platini wenden, damit sich ganz Europa an die italienische Gesetzgebung zur Bekämpfung der Gewalt im Fußball ein Beispiel nehme: "Wenn in ganz Europa unser System gelten würde, hätten diese Kriminelle nicht nach Italien einreisen können."

Allerrings kritisierte Genuas Bürgermeisterin Marta Vincenzi ausgerechnet Maroni für fehlende Sicherheitsmaßnahmen, durch die ein Sachschaden von etwa 80 000 Euro entstanden sei. "400 als Fußballfans verkleidete Kriminelle haben unsere Stadt verwüstet, jemand wird dafür zahlen müssen", sagte Vicenzi. Sie habe bereits Rechtsanwälte beauftragt, sich mit der Frage der Entschädigung für die Verwüstungen in der Hafenstadt befassen.

© SID

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