Fußball EM
Ballack fühlt eine innere Leere

Nationalspieler Michael Ballack war nach dem verlorenen EM-Finale gegen Spanien am Boden zerstört. Trotz der Enttäuschung richtete er seinen Blick aber bereits auf die WM 2010.

Er hatte gekämpft, geblutet und gelitten, doch am Ende war alles wieder vergebens. Michael Ballack fühlte nach dem verlorenen EM-Finale der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien nur noch eine innere Leere. Augenscheinlich isoliert von seinen Mitspielern blickte der deutsche Kapitän in den Wiener Nachthimmel und konnte es nicht fassen, dass ihm schon wieder der große Wurf verwehrt geblieben war. Dann ließ er seinem Frust freien Lauf und legte sich für jeden sichtbar mit Teammanager Oliver Bierhoff an.

"Es ging nur um eine Kleinigkeit. Michael war emotional sehr aufgewühlt. Er hatte sich viel vorgenommen, und dann hat es nicht geklappt. Deshalb habe ich Verständnis für ihn", berichtete Bierhoff und fügte nur knapp hinzu: "Er hatte mich vorher nur gebeten, dass wir später in die Kurve gehen. Ich weiß nicht, ob er da was falsch verstanden hat. Da gab es eine kurze Diskussion, aber das war schnell erledigt."

Ballack an Augenbraue genäht

Ballack selbst konnte oder wollte dazu nichts sagen. Offiziellen Angaben zufolge war er nach dem Match an der Augenbraue genäht worden, verzog sich danach sofort in den Mannschaftsbus. Dabei war ihm klar, dass ihm nach dem 0:1 gegen Spanien weiter das Image des "ewigen Zweiten" anhängt.

Das Wort "Vize" kann der England-Legionär vom FC Chelsea, der im Sommer bereits mit seinem Klub in Champions League und Meisterschaft das Nachsehen hatte, nicht mehr hören. Denn bereits zum zehnten Mal in seiner Karriere musste sich der 31-Jährige mit Platz zwei zufriedengeben.

Noch genug Zeit, um ein großes Finale zu gewinnen

"Er war natürlich enttäuscht, denn er hat keine guten Erinnerungen an Endspiele. Ich habe ihm aber gesagt, dass man das noch reparieren kann. Er hat noch einige gute Jahre vor sich und weiter die Chance, einen großen Titel zu holen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der den "Capitano" als einer der ersten getröstet hatte, dem sid. Auch Kanzlerin Angela Merkel versuchte, den gebürtigen Görlitzer bei der Ehrung für die Mannschaften wieder aufzubauen: "Ich habe Michael Ballack gesagt, dass wir wohl noch ein wenig warten müssen, bis wir ganz doll feiern können."

Aufmunternde Worte für Ballack gab es auch von seiner Lebensgefährtin Simone, die in Wien erstmals während der EM auf der Tribüne mitgefiebert hatte und mit der er noch im Juli vor den Traualtar tritt. Bis morgens um sechs versuchten die beiden beim "Verlierer-Bankett" im Szene-Club "Phönix" das Finaltrauma einigermaßen zu verarbeiten.

Gegen Spanien oft glücklos

Dabei hatte der Sonntag für Ballack gut angefangen. Gegen 11. 45 gaben die Ärzte grünes Licht, dass er trotz seiner im Halbfinale erlittenen Wadenverletzung im Finale auflaufen kann. Seit dem Halbfinale hatte sich der ehemalige Münchner mit einer entzündeten Verhärtung in der rechten Wade herumgequält, sein Einsatz stand bis zum Finaltag auf der Kippe.

Gegen die Spanier versuchte der "Chef" dann alles, um endlich den Vize-Fluch zu besiegen und seinen ersten internationalen Titel zu gewinnen. Ballack lief mit einem Kineseo-Tape an der Wade auf, das die Durchblutung fördert und das körpereigene Anti-Schmerz-System aktiviert.

Ballack rackerte, ackerte, rieb sich in Zweikämpfen auf und handelte sich sogar eine Gelbe Karte ein, aber einmal mehr in diesem Turnier konnte er die hohen Ansprüche an seine Person nicht erfüllen. Die beiden wichtigen Treffer gegen Österreich (1:0) und Portugal (3:2) waren unter dem Strich zu wenig für den Spielführer, dem nicht nur Franz Beckenbauer bei der EM eine herausragende Rolle prophezeit hatte.

Aber diesen Vorschusslorbeeren konnte Ballack einmal mehr nicht gerecht werden. Irgendwie passte es ins Bild, dass er sich bei einem Zusammenstoß mit Marcos Senna in der 36. Minute eine Risswunde über der rechten Augenbraue (36.) zuzog und zweimal am Spielfeldrand behandelt werden musste. Zu seiner eigenen Gemütsverfassung wollte der gebürtige Görlitzer, der 2002 in Yokohama das WM-Finale gegen Brasilien (0:2) wegen einer Gelbsperre verpasst hatte, aber nichts sagen.

Zu viele Fehler gemacht

"Natürlich sind wir alle enttäuscht, dass wir das Finale verloren haben. Die Mannschaft hat großartig gekämpft, aber vielleicht ein oder zwei entscheidende Fehler zu viel gemacht", kommentierte er allgemein den Schlussanstieg der DFB-Auswahl bei ihrer Bergtour 2008. Ballack gab unumwunden zu: "Spanien hat das Spiel letztendlich verdient gewonnen. Wir wollten, aber wir konnten am Ende dem Spiel nicht mehr die entscheidende Wende geben."

Für Joachim Löw, der in den Euro-Tagen immer wieder das Gespräch mit seinem verlängerten Arm auf dem Platz geführt hatte, steht aber fest, das Ballack die Mannschaft auch als Kapitän zur WM 2010 nach Südafrika führen wird: "Er war der Anführer. Er hat sehr viel für die Mannschaft getan und Deutschland sehr gut vertreten. Er ist für die Mannschaft auf dem Platz enorm wichtig."

WM 2010 als nächstes großes Ziel

Ballack selbst hatte schon vor dem Turnier deutlich gemacht: "Bis 2010 will ich auch auf alle Fälle noch in der Nationalelf spielen. Und das auch als Kapitän, denn diese Rolle macht mir sehr viel Spaß." Ob ihm die Rolle als ewiger Zweiter auch gefällt, hat er nicht gesagt.

© SID

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