Fußball EM
Ballack nimmt den Kampf gegen den "Vize-Fluch" an

Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack will am Sonntag gegen Spanien den EM-Titel holen und damit den "Vize-Fluch" von neun zweiten Plätzen vertreiben.

Was er vom EM-Finale erwarten würde, wurde Michael Ballack gefragt. Der DFB-Kapitän schaute auf, dann huschte ein breites Lächeln über sein Gesicht. "Gewinnen", lautete seine kurze Antwort. Mehr musste der 31-Jährige auch gar nicht sagen, nachdem er in seiner bisherigen Karriere regelrecht von einem Finaltrauma verfolgt wird.

Zwar ist Ballack mit Bayern München und Kaiserslautern viermal deutscher Meister geworden, dazu stehen drei Pokalsiege mit den Bayern in seiner Bilanz. Doch der ganz große Wurf ist dem Mittelfeldspieler bisher versagt geblieben. Der soll nun am Sonntag (20.45 Uhr/live in der ARD) gegen Spanien in seinem ersten Finalspiel mit der deutschen Nationalmannschaft unbedingt folgen. Ansonsten wäre die Geschichte des "ewigen Zweiten" um ein trauriges Kapitel reicher.

Doch Ballack fühlt sich trotz des "Vize-Fluchs" mit neun zweiten Plätzen nicht besonders unter Druck, behauptet er zumindest. "Ich spüre viel Positives, aber auch eine gewisse Lockerheit. Vielleicht hängt das mit der Erfahrung und dem Alter zusammen. Ich gehe die Sache entspannter an als vor zwei Jahren bei der WM", hatte er schon vor dem Halbfinale gegen die Türkei (3:2) gesagt und betont gelassen angefügt: "Schaun wir mal, was rauskommt."

Großer Titel fehlt zum Gewinner-Typen

Allerdings weiß der Chef der DFB-Auswahl auch, dass er unbedingt einen großen Titel braucht, um in der deutschen Fußball-Historie einen festen Platz neben einem Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Jürgen Klinsmann oder Lothar Matthäus zu finden. Ansonsten wird man Ballack als äußerst talentierten und kompletten Mittelfeldspieler mit einem ausgeprägten Torriecher in Erinnerung behalten und nicht als echten Gewinner-Typen.

Besonders das Jahr 2002 hatte dazu beigetragen, dass dem "Capitano" (Klinsmann) trotz einer überragenden Saison ein gewisses Verlierer-Image anhaftet. Im Trikot von Bayer Leverkusen verpasste er zunächst knapp die Meisterschaft, den DFB-Pokal (2:4 gegen Schalke) und dann die Champions League durch ein 1:2 gegen Real Madrid.

Doch damit nicht genug: Bei der WM in Südkorea und Japan wenige Wochen später war Ballack zwar maßgeblich am Finaleinzug beteiligt, musste dann aber im Endspiel gegen Brasilien wegen einer Gelbsperre frustriert zusehen, wie sein Team ohne ihn mit 0:2 unterlag. Es war eine der bittersten Stunden seiner Laufbahn.

Zwei Jahre zuvor hatte es schon etliche Tränen gegeben, als er am letzten Spieltag mit Leverkusen den Titel in Unterhaching verspielte. Dass Ballack ein Eigentor fabrizierte, passte irgendwie ins Bild. Auch die unglücklichen Halbfinal-Niederlagen bei der WM 2006 gegen Italien und beim Confed-Cup 2005 gegen Brasilien sowie die EM-Vorrunden-Pleiten 2000 und 2004 blieben haften.

Mit Chelsea zweimal knapp gescheitert

Und auch vor Europameisterschaft 2008 hatte der DFB-Kapitän schon zweimal die Hand an einem Pokal. Den englischen Meistertitel mussten er und sein FC Chelsea trotz einer Aufholjagd und trotz starker Leistungen von Ballack Manchester United überlassen.

Dies war jedoch nicht annähernd so schmerzhaft wie das Scheitern im Champions-League-Finale gegen Manu in Moskau. Chelsea sah im Elfmeterschießen schon wie der sichere Sieger aus. Doch dann rutschte Kapitän John Terry aus, der Ball landete am Pfosten, und erneut waren alle Finalträume von Ballack geplatzt. Der Deutsche weinte bitterlich.

Die Tränen sind getrocknet. Zwar war der 31-Jährige bei der Euro auf dem Platz nicht immer der erhoffte "Leader". Dennoch steht Ballack, der auf jeden Fall bis zur WM 2010 das Nationaltrikot tragen will, mit der DFB-Auswahl am Sonntag im Finale: "Das ist etwas Besonderes, nicht nur für mich", sagte er nach dem Sieg gegen die Türken.

"Wir wünschen Michael ein schönes Finale", meinte Teammanager Oliver Bierhoff und fügte an: "Er hat bei der EM gezeigt, dass er Verantwortung übernimmt und seinen Mitspielern Halt gibt. Auch im Finale ist seine Klasse und Präsenz gefordert." Damit der Finalfluch endlich besiegt wird.

© SID

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