Fußball EM
Besonderes Spiel für deutsches "Polen-Trio"

Die Partie gegen ihr Geburtsland Polen führt bei den deutschen Nationalspieler Lukas Podolski, Miroslav Klose und Piotr Trochowski zu keinem Gewissenskonflikt.

Für Lukas Podolski, Miroslav Klose und Piotr Trochowski steht der EM-Auftakt unter ganz besonderen Vorzeichen. Getreu dem Motto: "Polen im Herzen, Deutschland im Kopf". Alle drei sind in Polen geboren und aufgewachsen, tragen aber inzwischen das Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Zu einem Gewissenskonflikt soll es aber am Sonntag (20.45 Uhr/live im ZDF) in Klagenfurt trotzdem nicht kommen.

"Ich habe ein polnisches Herz in mir. Aber es ist natürlich völliger Quatsch, wenn von manchen jetzt gesagt wird: 'Der Poldi schießt den Polen keinen rein.' Wenn das Spiel los geht, will ich gewinnen", verdeutlichte der Münchner Podolski zuletzt immer wieder. Klose hatte bereits beim WM-Duell vor zwei Jahren gegen sein Geburtsland unterstrichen, "dass es für mich nicht ein Spiel wie jedes andere ist, weil ich in Polen geboren bin. Aber ich spiele für Deutschland - ich will gewinnen."

Vom Gefühl her sei es so, "wie mit dem FC Bayern gegen Köln zu spielen", erzählte der in Gliwice (Gleiwitz) geborene "Lukasz" Podolski, der sich zu Hause am Ammersee im polnischen Fernsehen auf dem Laufenden hält. Dabei konnte der 23-Jährige feststellen, "dass die Polen grundsätzlich kompakter spielen und stehen als bei der WM 2006 - und da war es schon schwer, gegen sie zu spielen". Dennoch würden ihn seine Landsleute "nicht erschrecken", sagte der Angreifer, der auch die DFB-Trainer mit Informationen versorgt. "Wir haben drei Insider im Team, das ist natürlich ein Vorteil", sagte Assistenz-Coach Hansi Flick dazu.

Zwei, dreimal im Jahr besucht "Poldi" Polen, weil er das Land und die Menschen mag: "Zu Hause reden wir nur polnisch. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich dort bin. Die Leute sind angenehm und fröhlich. Sie leben einfach ihr Leben und haben Spaß."

1 987 waren Podolskis Eltern ausgewandert, Lukas war da gerade zwei Jahre alt. Im gleichen Jahr zogen auch die Kloses mit dem neun Jahre alten "Miroslaw" von Opole (Oppeln) nach Deutschland um. 1989 folgte die Familie Trochowski mit dem damals fünfjährigen Piotr. Der Profi vom Hamburger SV ist in Tczew (Dirschau) geboren, einem kleinen Ort 30 Kilometer südlich von Danzig.

Bei Trochwoski (24) hätten es seine Eltern viel lieber gesehen, dass ihr talentierter Sohn das Trikot der polnischen Nationalmannschaft trägt. Doch selbst eine Zeitungsannonce seiner Mutter, in der sie für den zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alten Piotr in Polen groß Werbung gemacht hatte, brachte keinen Erfolg. "Ich wollte allerdings schon damals für Deutschland spielen, weil ich hier meine schulische und fußballerische Ausbildung genossen habe", berichtet Trochowski heute und freut sich, dass er sich letztlich gegen die Mama durchgesetzt hat.

Bei Klose und Podolski waren es nicht die Eltern, die Druck machten. Die ehemaligen Nationaltrainer Zbigniew Boniek und Pawel Janas hatten vergeblich versucht, die Wurzeln des Sturmduos für Polen zu nutzen. Bevor Klose am 24. März 2001 erstmals für Deutschland spielte, hatte Boniek beim jetzigen Münchner angeklopft. "Aber ich habe nicht lange darüber nachgedacht", erzählte Klose.

Janas schickte Podolski sogar dreimal das polnische Nationaltrikot mit Namen und der Nummer zehn zu - aber zu spät. "Als diese Anfrage kam, konnte ich gar nicht mehr für Polen spielen, weil ich bereits die U21-Europameisterschaft für Deutschland gespielt hatte", sagte Podolski. Und zuvor habe sich in Polen niemand für ihn interessiert, fügte der Ex-Kölner an.

Dies ärgert auch Jacek Protasewicz, der im Auftrag des polnischen Verbandes in Deutschland nach Talenten mit polnischen Wurzeln sucht. 20 Jahre habe der Verband geschlafen, meint Protasewicz. Auch Lukas Sinkiewicz, Paul Freier, Martin Max und Dariusz Wosz wurden in Polen geboren und in Deutschland Nationalspieler.

Aktuell sind es eben Klose, Podolski und Trochowski. Für das Trio dürfte es ein bewegender Moment werden, wenn am Sonntag kurz vor Spielbeginn die Nationalhymnen gespielt werden. Ob er bei beiden mitsingen werde, wurde Klose bei der WM 2006 gefragt: "Nur die deutsche, die andere kann ich gar nicht."

© SID

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